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04.02.2008

08:20 Uhr

Marsh On Monday

Deutsche Vorteile

VonDaivd Marsh

Die Deutschen haben in der Europäischen Währungsunion ihre Hausaufgaben gemacht. Seit dem Festzurren der Wechselkurse im Jahr 1999 baut die deutsche Industrie gegenüber der europäischen Konkurrenz ihren Kostenvorsprung durch Lohndämpfung, Rationalisierung und Job-Auslagerung kontinuierlich aus. Andere Europäer waren bei weitem nicht so fleißig.

Der enorme deutsche Leistungsbilanzüberschuss und die beträchtlichen Defizite der anderen großen Euro-Ökonomien spiegeln das wider.

Faktisch ist dadurch innerhalb des Euro-Raums eine "reale" Abwertung des "deutschen Euros" entstanden, welche den Deutschen quasi permanente Überschüsse und damit Wachstumsvorteile verleiht.

Dem deutschen Überschuss in Höhe von sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes im letzten Jahr stehen Minusbeträge in Höhe von einem, zwei beziehungsweise zehn Prozent in Frankreich, Italien und Spanien gegenüber. Zum Vergleich: 1999 wies Deutschland noch ein Defizit von einem Prozent des BIP aus; Frankreich und Italien dagegen verbuchten Überschüsse von drei und einem Prozent.

Da im Euro-Raum Währungen nicht mehr auf- oder abgewertet werden können, stehen für die Zahlungsbilanzungleichgewichte nur zwei Auswege zur Verfügung. Erstens: Die Deutschen harmonisieren durch Lohnbeschleunigung ihr Kostenniveau in Richtung der Nachbarländer nach oben. Zweitens: Die anderen großen Ökonomien führen über mehrere Jahre hinweg eine konsequente, aber auch schmerzvolle Politik der Lohnzurückhaltung und der Produktivitätssteigerung durch.

Doch das scheint ein frommer Wunsch. Die betroffenen Staatschefs, besonders Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy, bevorzugen eindeutig Option eins. Zitiert wird dabei gern das Wahldebakel der deutschen Christdemokraten in Hessen. Nach dieser eher blauäugigen Interpretation müsste jetzt eine geschwächte Große Koalition die Sozialpartner in Deutschland dazu ermuntern, zugunsten eines besseren europäischen Gleichgewichtes den hart errungenen deutschen Kostenvorteil wieder abzubauen. Mehr Harmonie durch einen gemeinsamen Schluck aus der Inflationspulle? Die nächsten zwölf Monate werden zeigen, ob die Rechnung aufgeht.

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