Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2006

10:18 Uhr

Marsh on monday

Konsens an der Börse

VonDavid Marsh (Berater und Banker in London)

An der Londoner Börse lassen sich in den letzten Tagen zahlreiche Beispiele für den neuen "KKK-Konsens" finden: Die Konzentration auf das Kerngeschäft ist der Königsweg.

Die Aktienmärkte erfreuen sich seit 2003 weltweit einer glänzenden Erholung. Die inflationsbereinigten Kurssteigerungen in den letzten drei Jahren belaufen sich in Deutschland auf 100 Prozent, in Großbritannien auf 60 Prozent und in den USA auf 45 Prozent. Ähnliche Zuwachsraten wurden zuletzt im Boom der 90er-Jahre verzeichnet, der ab Sommer 2000 in einen dreijährigen Abschwung mündete.

Stehen die Börsen vor einer vergleichbaren Korrekturphase? Wahrscheinlich nicht. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass eine weitere Periode günstiger Performance bevorsteht. Die Weltwirtschaft befindet sich weiterhin im Aufwind. Die Zentralbanken drehen – im Vergleich zu früheren Zinssteigerungsphasen – den Geldhahn nur behutsam zu. Die Schwellenländer China, Indien, Russland und Brasilien sorgen für fulminante Nachfrageimpulse.

Auch mikroökonomische Faktoren untermauern die solide Entwicklung. Börsennotierte Unternehmen zeigen sich erstaunlich offen für die Belange ihrer Aktionäre. Die harten Zeiten am Beginn der Dekade haben dazu geführt, dass sich gelistete Firmen in zwei Klassen teilen: diejenigen, die offene Ohren für die Anliegen der Anleger haben, und diejenigen, die dafür taub sind. Nur die erste Kategorie überlebt.

Zahlreiche Beispiele der positiven Verhaltensweise lassen sich in den letzten Tagen an der Londoner Börse finden: Der Börsenmakler Collins Stewart spaltet sich in zwei spezialisierte Aktienhandelsfirmen auf, will eine höhere Gesamtbewertung und eine Sonderausschüttung an die Aktionäre erreichen. Der einst notleidende Stahlkonzern Corus veräußert seine nicht mehr zu den Kernaktivitäten zählende Aluminiumtochter und bereitet sich auf die Fusion mit dem russischen Stahlproduzenten Evraz vor. Der Ölmulti BP zieht offenbar einen vorher für völlig undenkbar gehaltenen Schritt in Erwägung, nämlich die vom noblen Aktienmakler Cazenove empfohlene Trennung der Upstream- (Förderung) von den Downstream-Aktivitäten (Verarbeitung und Vertrieb).

Die unterschiedlichen Beispiele belegen die neue Orthodoxie. Management wie Aktionäre und Broker sind glücklich, wenn sich alle an den neuen „KKK-Konsens“ halten: Die Konzentration auf das Kerngeschäft ist der Königsweg.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×