Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2008

13:59 Uhr

Marsh On Monday

Machtkonzert in London

VonDavid Marsh

Aus der ménage à trois wird ein Viererteam. Neben dem französischen Staatspräsidenten Sarkozy sowie Bundeskanzlerin Merkel hat der britische Premier Gordon Brown hat nun auch den italienischen Regierungschef Romano Prodi zum Europa-Finanzgipfel am 29. Januar nach London eingeladen. Gemeinsam sollen Lösungen für die Finanzmarktkrise ausgelotet werden.

HB. Italiener in London sind gern gesehene Gäste. Der neue Nationaltrainer der englischen Fußballmannschaft heißt Fabio Capello und stammt aus Turin. Jetzt wird eine zweite prominente Einladungskarte nach Italien abgeschickt. Ein Schreiben vom britischen Premierminister Gordon Brown prangt auf dem Schreibtisch von Romano Prodi. Der italienische Regierungschef soll am Europa-Finanzgipfel am 29. Januar in London teilnehmen.

Brown hatte ursprünglich nur den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeladen, um gemeinsame Lösungen für die Finanzmarktkrise auszuloten. Eine Begegnung im ganz kleinen Kreise hätte dem Wunsch des als Europa-Skeptiker geltenden Brown entsprochen, ein intimes europäisches Führungsgremium zu gründen - und den supranationalen Instanzen der Europäischen Union die kalte Schulter zu zeigen.

Jetzt also auch Prodi. In solch illustrer Gesellschaft kann er sich durchaus sehen lassen. Der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission ist einer der gewieftesten Politiker auf der europäischen Bühne, dazu auch Professor für Volkswirtschaft und Industriepolitik an der Universität von Bologna. Dass er nach Großbritannien kommen darf, ist jedoch keineswegs nur britische Gastfreundschaft oder eine Anerkennung der italienischen Reformleistungen. Die zwingend erforderliche Präsenz von Prodi spiegelt eher die angespannten Machtverhältnisse zwischen Berlin und Paris wider.

Die Prodi?sche Wirtschaftspolitik gilt als deutlich liberaler und weniger staatsorientiert als die von Sarkozy. Die wiederholte Kritik des Franzosen an der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank und seine kaum verhüllte Sehnsucht nach machtpolitischen Eingriffen in das europäische Wirtschaftsgeschehen haben seit Monaten die Bundesregierung genervt. Zur Bewahrung der europäischen Politik-Harmonie muss Prodi an die Themse. Aus der ménage à trois wird ein Viererteam.

Prodi tritt in London weniger als Hoffnungsträger bei der Suche nach verbesserten Leitsätzen für die Finanzmärkte auf, denn als Ausgleichsfigur in einem unstabil gewordenen europäischen Machtgefüge. Es kann gut sein, dass er während seines kurzen Londoner Abstechers sogar Fußballtrainer Capello die Schau stiehlt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×