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08.01.2007

12:48 Uhr

Marsh on Monday

Umgekehrtes Verhältnis

VonDavid Marsh

Trotz aller Kritik, die Deutschen zählen zu den Gewinnern der Globalisierung. Angela Merkel gibt die richtigen Impulse, indem sie die ökonomisch fruchtbare Gemeinschaft von EU und USA intensivieren möchte. Der Anti-Amerikanismus aus der Schröder-Ära scheint vorbei.

LONDON. Tue Gutes und rede darüber. Für Politiker rund um den Globus ist diese Weisheit der erste Neujahrsvorsatz. Angela Merkel bildet keine Ausnahme. Ihr für die doppelte deutsche EU-Rats- und G8-Präsidentschaft entwickelter Leitplan, die transatlantische Wirtschaftspartnerschaft mit zusätzlicher Substanz auszufüllen, ist eine kluge Idee. Die ökonomische Gemeinschaft zwischen Europa und den USA ist ohnehin die vitalste und vielfältigste der Welt. Dank der Eigendynamik der internationalen Märkte sowie des Erfindergeist der weltwirtschaftlich tätigen Firmen ist eine weitere Verfestigung im Jahr 2007 ohnehin bereits vorprogrammiert. Die Merkelschen Ankündigungen erfordern keine große zusätzliche Kraft, sorgen aber für einen weiteren Schub in die richtige Richtung.

Auch politisch ist eine Fokussierung auf die USA kein schlecht ausgewähltes Projekt. Trotz gebotener Jammerei gehören schließlich die Deutschen zu den Gewinnern der Globalisierung. Um den Blick vom eigenen Nabel abzuwenden, warum also dann nicht Hand in Hand mit den fast überall (bis auf Irak) erfolgreichen Amerikanern an die Fronten der Weltwirtschaft marschieren? Der intensivierte atlantische Dialog markiert ein vorläufiges Ende des Anti-Amerikanismus der Schröder-Ära, mildert zumindest symbolisch die wirtschaftliche Bedrohung aus Indien und China ab, stellt Putin und die unberechenbaren Russen sanft aber dezidiert in den Schranken.

Doch die Zyniker in der Londoner-City lässt dies total kalt. Die Prioritäten der Finanzmärkte liegen woanders. Auf deren Wunschliste stünden vielmehr Maßnahmen zur Eindämmung der Kosten der europäischen Marktregulierung, zur Minderung der Steuerquote von Aktien- und Immobilieninvestoren sowie zur Ankurbelung der privatwirtschaftlichen Beteiligung an europäischen Infrastrukturvorhaben. Der beabsichtigte Schulterschluss der Bundesregierung mit den Amerikanern über eine Verschärfung der Hedge Funds-Kontrollen passt sicherlich kaum ins Londoner Konzept.

All dies wird aber Frau Merkel keine schlaflosen Nächte verursachen. Denn ihre Schulnote bei der Wählerschaft liegt möglicherweise in einem umgekehrten Verhältnis zu ihrer Popularität bei den angelsächsischen Finanzmarktakteuren.

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