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02.04.2003

15:15 Uhr

Massenentlassung angekündigt

Angst und Hoffnung auf der Meyer Werft

Kalter Aprilwind empfängt die Arbeiter der Papenburger Meyer-Werft, als sie bei Schichtende durch das Werfttor laufen. Die Gesichter der einzeln und in kleinen Gruppen zum Parkplatz eilenden Männer wirken angespannt.

HB/dpa PAPENBURG. Die Wortfetzen, die der Wind verteilt, deuten immer wieder auf ein Thema: Die Entlassung von 800 Werftarbeitern. "Ich denke, dass ich meine Arbeitsstelle verlieren werde", meint ein 20-Jähriger. "Ich arbeite seit drei Jahren auf der Werft und gehe davon aus, dass in erster Linie die Fachqualifizierten weiter beschäftigt werden. Wir müssen abwarten."

Torsten Schnieders arbeitet bei einer Firma, die im Auftrag der Werft Elektroinstallationen auf einem Schiff durchführt. Er zeigt sich zuversichtlich: "Es müsste sich doch noch eine Lösung für die Meyer- Leute finden lassen." Seine Firma habe einen Auftrag, der so lange läuft, bis das nächste Schiff abgeliefert wird. Deswegen mache er selbst sich im Moment keine Sorgen.

Der stellvertretende Leiter des Arbeitsamtes in Leer, Michael Jacob, ist da weniger optimistisch. "Wir schätzen, das zu den 800 Mitarbeitern der Meyer Werft zusätzlich noch einmal die gleich Menge Arbeitnehmer bei den Zuliefer-Firmen ihren Arbeitsplatz verlieren werden." Der Verlust von rund 1600 Arbeitsplätzen wirke sich auf die ganze Region aus.

Jens Giere, Manager des "Ems-Centers", eines Einkaufszentrums mit 25 Geschäften und 22 000 Quadratmetern Verkaufsfläche, befürchtet negative Auswirkungen auch auf den Einzelhandel in Papenburg. "Die Massenentlassung wird einen deutlichen Verlust der Kaufkraft am Standort nach sich ziehen. Und das in einer für den Einzelhandel ohnehin nicht so rosigen Zeit."

Noch weiß niemand auf der Werft, wer genau entlassen wird. Die Stimmung unter den Beschäftigten reicht von Hoffnung bis zur nackten Angst. "Ich hoffe, dass durch die Mithilfe der Landesregierung die Situation besser wird", sagt Werftarbeiter Thomas Goll. Sein Arbeitskollege zuckt einfach mit den Achseln. Er glaubt nicht an Hilfe von außen.

Die Auswahl soll in den nächsten Tagen getroffen werden. "Spätestens Anfang Mai wird uns eine genaue Liste der zur Entlassung ausgesuchten Beschäftigten vorliegen", sagt Jacob. Er schätzt auf Grund seiner Erfahrung, dass zirka ein Drittel der Betroffenen wegen ihrer hohen Qualifikation kurzfristig eine neue Arbeitsstelle finden werden.

In hunderten anderer Familien wird jedoch bald die Angst zur Gewissheit werden. In Zeiten, in denen das Arbeitslosengeld nicht mehr so lange gezahlt werden und die Arbeitslosenhilfe niedriger ausfallen soll. Noch hofft aber jeder für sich und seine Familie.

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