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05.05.2003

09:00 Uhr

Massenmarkt für MMS sehen Analysten nicht vor 2004

Jedes zehnte verkaufte Handy hat eine Kamera

Der japanische Mobilfunkkonzern NTT Docomo hat seit Sommer vergangenen Jahres zehn Millionen Kamera-Handys verkauft. In ganz Europa sind nach Schätzungen bisher noch nicht einmal halb so viele Mobiltelefone mit Kamera über den Ladentisch gegangen

slo DÜSSELDORF. Die Zahl klingt beeindruckend - zumindest aus europäischer Sicht: Der japanische Mobilfunkkonzern NTT Docomo hat seit Sommer vergangenen Jahres zehn Millionen Kamera-Handys verkauft. Das gab das Unternehmen Ende vergangener Woche bekannt. In ganz Europa sind in den Shops der Mobilfunkgesellschaft nach Schätzung von Experten bisher noch nicht einmal halb so viele Mobiltelefone mit Kamera über den Ladentisch gegangen.

"Doch Europa holt auf, die Verbreitung dieser Geräte nimmt jetzt eindeutig zu", sagt Carolina Milanesi, Analystin beim Marktforschungsinstitut Gartner. "Denn einige technische Hürden wurden inzwischen beseitigt." Hatten 2002 gerade mal zwei von hundert verkauften Handys eine Kamera, werden es 2003 etwa neun von hundert sein, sagt Milanesi voraus. Bis 2006 werde dieser Anteil auf knapp 70 % steigen. "Eine Kamera wird dann zur Grundausstattung eines Mobiltelefons gehören und der Preisunterschied zwischen einem Mobiltelefon mit und ohne Kamera marginal ausfallen", sagt die Analystin.

Mit einer Kamera ausgestattete Mobiltelefone ermöglichen das Verschicken so genannter MMS. Die drei Buchstaben stehen für eine Weiterentwicklung der populären Textnachrichten (SMS). Der Service, mit dem SMS mit Fotos, Grafiken und Musik aufgepeppt werden können, sollen den Umsatz der Firmen erhöhen und der Branche Impulse geben. Die Anbieter kämpfen mit hohen Ausgaben für UMTS und mit niedrigeren Wachstumsraten bei Umsatz und Kundenzahl.

Die Investmentbank JP Morgan geht beispielsweise von etwa 6 % mehr Kunden in Westeuropa in diesem Jahr aus - nach einem Zuwachs von 13 % in 2002. Die Einnahmen bei T-Mobile, Vodafone und Co. dürften um knapp 7 % steigen - verglichen mit einem Plus von 11 % im Vorjahr, sagt Analystin Leila Ghachem voraus. Dass sich die Hoffnungen auf MMS als Wachstumstreiber erfüllen können, hat nach Ansicht von Analysten vor allem der japanische Mobilfunker J-Phone der Branche vorgemacht: Der Konkurrent von Japans Mobilfunk-Marktführers NTT Docomo hat bereits Ende 2000 einen Foto-Dienst eingeführt und so die Durchschnittserträge pro Kunde gesteigert. Inzwischen haben 9 Millionen, also 65 % der J-Phone-Kunden ein Handy mit Kamera, bei Docomo fällt dieser Anteil deutlich geringer aus - auch wenn die absolute Kundenzahl höher ist.

In Europa hatten die Mobilfunker anfangs mit technischen Problemen zu kämpfen: MMS, die beispielsweise von einem Nokia-Gerät zu einem Siemens-Handy geschickt wurden, kamen zerstückelt oder gar nicht erst an. Auch beim Verschicken von Foto-Nachrichten zwischen Netzen verschiedener Hersteller gab es Probleme. "Diese Schwierigkeiten haben die Unternehmen langsam im Griff, von einer intensiven Nutzung der Foto-Handys kann aber noch keine Rede sein", sagt John Delaney, Analyst bei der Marktforschungsgesellschaft Ovum. "Das werden wir nicht vor 2004 erleben."

Die Mobilfunker halten sich noch zurück mit Zahlen über die MMS-Nutzung. Bekannt ist nur soviel: T-Mobile, der Mobilfunkmarktführer in Deutschland, hat eigenen Angaben zufolge, mehr als 600 000 MMS-Mobiltelefone verkauft, bei Vodafone waren es in Deutschland Ende März 500 000 Stück.

"In der Regel verschicken Kunden am Anfang, wenn der Dienst noch kostenlos ist, sehr viele MMS, danach wird es langweilig und vor allem teuer", sagt Analystin Milanesi. Sie fordert: Um die Kunden bei der Stange zu halten, müssten die MMS-Preise sinken.

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