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16.01.2003

16:55 Uhr

Massenverkauf wäre Novum

Aldi-Bier demnächst in Plastikflaschen?

Deutschlands Biertrinker greifen vielleicht bald zur Plastikflasche. Der Discounter Aldi überlegt nach dem Rauswurf der Dosen aus seinem Sortiment, ob er künftig Bier in so genannten PET-Flaschen anbietet.

HB/dpa ESSEN/KREUZTAL/HOMBURG. Aldi wolle weiterhin keine pfandpflichtigen Getränkedosen verkaufen, sagte eine Unternehmenssprecherin von Aldi-Nord am Donnerstag der Deutschen Presseagantur in Essen und bestätigte damit einen Bericht der "Wirtschaftswoche". Dies sei aber noch keine endgültige Entscheidung. Derzeit prüfe Aldi als Ersatz auch einen Verkauf von Bier in PET-Flaschen.

Unmittelbar vor der Einführung des Dosenpfands zum Jahresbeginn 2003 in Deutschland hatte Aldi seine Dosenbestände verbilligt ausverkauft. Dadurch sparte Aldi zum einen Kosten für die Rücknahme von Getränkedosen und gewann zum anderen Zeit für den Aufbau eines eigenen Systems. In der Lebensmittelbranche kursieren seit Wochen Gerüchte, das Aldi Getränke in einer neuartigen Flaschenform aus PET anbieten will und damit die Kundenbindung erhöht. Dem Vernehmen nach soll Aldi vor der Dosenauslistung im Herbst 2002 bei mehreren Brauern angeklopft haben, ob Kapazitäten für PET-Abfüllung vorhanden wären.

Ein Massenverkauf von Bier in Plastikflaschen wäre ein Novum im deutschen und europäischen Einzelhandel. Bislang wurde die Akzeptanz beim Verbraucher, die Haltbarkeit und die Logistik getestet. Bereits ein halbes Dutzend Brauereien habe Bier in Plastikflaschen verkauft, aber immer zeitlich begrenzt und in sehr geringen Mengen, hieß es in Industriekreisen. "Der PET-Anteil am deutschen Biermarkt liegt unter der 0,5-Promillegrenze", sagte ein Branchenvertreter. Traditionell ist die Glasflasche der häufigste Griff für deutsche Biertrinker. An der zweiten Stelle folgt beim Biereinkauf in Deutschland die Dose.

Der Geschäftsführende Gesellschafter der Krombacher Brauerei, Bernhard Schadeberg, hält eine Einführung von Bier in Plastikflaschen bei Aldi für denkbar. "Dadurch kann die PET-Geschichte explodieren. Das ist die Variante, dass der Verbraucher das annimmt", sagte der Chef der größten deutschen Privatbrauerei auf dpa-Anfrage. "Es kann aber auch sein, dass der Verbraucher sagt, diese Innovation in der Verpackung kaufe ich Aldi nicht ab."

Für Krombacher sei eine PET-Bierabfüllung definitiv kein Thema, ergänzte Brauerei-Sprecher Franz-Josef Weihrauch. Auch Veltins, die viertgrößte deutsche Privatbrauerei, sieht beim Thema PET aktuell keinen Handlungsbedarf. "Wir beobachten den Markt sehr intensiv, um gegebenenfalls schnell reagieren zu können", betonte Veltins-Sprecher Ulrich Biene. In der Braubranche wird nicht völlig ausgeschlossen, dass der Discounterriese Aldi mit PET einen Trend setzen könnte. Die Investitionen in PET-Abfüllanlagen gelten jedoch als umfangreich.

Die Karlsberg-Brauerei im saarländischen Homburg hat als Vorreiter bei Bier in PET-Flaschen bereits Erfahrungen gesammelt. Das von der Brauerei in Kunststoff-Flaschen abgefüllte Bier der Marke "Ur-Pils" sei im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Frankreich unter anderem auf Volksfesten vertrieben worden. Der Verkauf sei vor einem Jahr eingestellt worden. Konkrete Anfragen für die Lieferung von Bier in PET-Flaschen lägen der Brauerei nicht vor. Als Vorteile von PET gegenüber Glas-Flaschen gelten geringes Gewicht und Robustheit, als Nachteil eine bislang kürzere Haltbarkeit von Bier. Mit neuen Verfahren könnte dieser Nachteil jedoch reduziert werden.

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