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27.01.2003

11:11 Uhr

Massenvernichtungswaffen im Irak

USA wollen in Kürze Beweise vorlegen

Unmittelbar vor dem Irak-Bericht der Uno-Waffeninspektoren haben die USA angekündigt, möglicherweise bereits in der kommenden Woche Beweise für Massenvernichtungswaffen in dem Land vorzulegen. Den USA lägen mehrere Informationen darüber vor, dass Irak noch immer Massenvernichtungswaffen besitze, sagte US-Außenminister Colin Powell der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" (Montagausgabe).

Reuters MAILAND. Zuvor hatte er die Bereitschaft zu einem militärischen Alleingang gegen Irak bekräftigt. Uno-Sicherheitsratmitglieder forderten mehr Zeit für die Kontrollen, ob Irak die Abrüstungsauflagen erfüllt.

Wie viel Zeit Irak noch bleibe, werde auf der Basis des am Montag erwarteten Berichts entschieden, sagte der britische Außenminister Jack Straw in Brüssel. Bundesaußenminister Joschka Fischer betonte, er sehe weiterhin eine Chance auf eine friedliche Lösung der Irak-Krise. Vor dem Irak-Bericht zogen die Ölpreise erneut an.

Powell: Irak verfügt über verbotene Waffen

Powell sagte, Belege der USA stammten aus der Arbeit der US-Geheimdienste. "Wenn dies ohne Gefahr geschehen kann, denke ich, können wir in der nächsten Woche oder kurz darauf einen guten Teil des Materials veröffentlichen", sagte er dem "Corriere della Sera". Er warf Irak vor, wichtige militärische Informationen vor den Waffeninspektoren zu verstecken. Die internationale Gemeinschaft warte bislang vergeblich auf Beweise, dass Irak seine Bestände an Massenvernichtungswaffen zerstört habe.

Die USA haben bisher keine Beweise für ihre Einschätzung vorgelegt, dass Irak Massenvernichtungswaffen besitzt. Sie und Großbritannien haben Irak mit einem Militärschlag gedroht, sollte das Land die Abrüstungsauflagen der Uno verletzen. Straw sagte vor Irak-Beratungen der Außenminister der Europäischen Union (EU), für Irak laufe die Zeit zur Erfüllung der Uno-Abrüstungsresolutionen ab.

Fischer warnt vor Krieg-Automatismus

Es gebe keinen Spielraum mehr für taktische Manöver, sagte Fischer in Brüssel. Deutschlands Aufgabe im Sicherheitsrat sei es jedoch, einen Krieg zu vermeiden, sagte er der Leipziger Volkszeitung (Montagausgabe): "Die Automatik hin zur militärischen Aktion ist noch zu verhindern." Deutschland ist seit Jahresbeginn nicht-ständiges Mitglied im Sicherheitsrat und übernimmt im Februar für einen Monat seinen Vorsitz.

Der Chef der Uno-Abrüstungskommission UNMOVIC, Hans Blix, und der Direktor der internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Mohamed ELBaradei, sollen dem Uno-Sicherheitsrat am Montag einen umfasssenden Bericht über ihre bislang achtwöchigen Inspektionen in Irak vorlegen. Es wird erwartet, dass sie erneut auf Lücken im irakischen Waffendossier hinweisen und die mangelnde Kooperation des Landes bei den Waffenkontrollen kritisieren werden.

Waffeninspektoren fordern mehr Zeit

Blix und ElBaradei hatten wiederholt mehr Zeit für die Arbeit der Inspektoren verlangt. Dieser Forderung schlossen sich unter anderem auch die Sicherheitsratsmitglieder Deutschland und Frankreich an.

Die "Welt" erfuhr aus britischen Regierungskreisen, die USA und Großbritannien wollten den Inspektoren eine Frist bis zum 1. März setzen. Zuvor hatte der britische Premierminister Tony Blair eingeräumt, die Inspektoren sollten mehr Zeit erhalten, aber nicht mehrere Monate. Der Sicherheitsrat will am Mittwoch über den Bericht der Inspektoren beraten. Er dürfte sich dann auch mit der Frage beschäftigen, ob und wie lange die Inspektoren ihre Arbeit in Irak fortsetzen sollen.

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