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15.01.2008

08:38 Uhr

McCain ist in Michigan laut Umfragen Favorit

Romney droht Heimspiel-Niederlage

VonMarkus Ziener

Mitt Romney will bei den heutigen US-Vorwahlen in Michigan seinen ersten Sieg erringen. Doch sein parteiinterner Konkurrent John McCain droht ihm erneut die Show zu stehlen. Den Umfragen zufolge liegt der 71-Jährige klar vorn. Das gefällt einigen Republikaner gar nicht. McCains Feinde schmieden laut „Washington Post“ bereits einen Plan.

Wer gewinnt in Michigan? John McCain (r.) liegt laut Umfragen vor Mitt Romney. Foto: Reuters

Wer gewinnt in Michigan? John McCain (r.) liegt laut Umfragen vor Mitt Romney. Foto: Reuters

WASHINGTON. Wenn heute die Republikaner in Michigan ihre Vorwahlen abhalten, dann werden sich alle Augen auf Mitt Romney richten. Nach seinen beiden Auftaktniederlagen bei den Entscheidungen in Iowa und New Hampshire, die er eigentlich gewinnen wollte, muss der Ex-Gouverneur von Massachusetts punkten, wenn er bei der Vergabe des Spitzenplatzes noch mitreden will. Doch auch in Michigan ist Romneys einst klarer Vorsprung geschmolzen; John McCain und Mike Huckabee haben zuletzt dramatisch aufgeholt, nach neuesten Umfragen liegt McCain sogar vorn.

Michigan ist das Zentrum der US-Autoindustrie und mit seinen zehn Millionen Einwohnern der erste bevölkerungsreiche Bundesstaat, in dem abgestimmt wird. Romney hat großes politisches Kapital auf einen Sieg dort gesetzt, denn der Bundesstaat im Norden der USA ist quasi sein „Wohnzimmer“. Hier ist der heute 60-Jährige aufgewachsen, hier hat sein Vater George als Gouverneur und als Chef der American Motors Corporation Karriere gemacht.

Immer wieder hat Romney in den letzten Tagen an den früheren Stolz der US-Autoindustrie erinnert – und für den Niedergang dieser Branche nicht zuletzt die US-Zentralregierung verantwortlich gemacht. „Hat Washington irgendetwas für euch getan?“, fragte Romney etwa am Sonntag bei einer Veranstaltung in Southfield, einem Vorort von Detroit. „Nein. Aber wenn ich Präsident der USA bin, dann werde ich dafür sorgen, dass Michigan wiederkommt.“

Sein Konkurrent McCain ist da schon vorsichtiger. Der Senator aus Arizona drängt auch im Wahlkampf darauf, dass sich die US-Automobilindustrie stärker den höheren Umweltstandards anpasst. Dies zielt vor allem auf die Produktion großvolumiger Wagen mit hohem Spritverbrauch. Zwar sind diese Fahrzeuge in den USA sehr beliebt. Doch ohne die großzügigen Steuervorteile, die ihnen der Staat gewährt, könnten sie auf dem Markt kaum bestehen.

Mit klaren Worten hatte McCain bereits im Jahr 2000 bei den Wahlen in Michigan gegen George W. Bush gewonnen. In der jüngsten landesweiten Umfrage von ABC und „Washington Post“ konnte er jetzt sogar so weit zulegen, dass er mit 28 Prozent Zustimmung Huckabee (20 Prozent), Romney (19) und Rudy Giuliani (15) deutlich hinter sich lässt. Es ist das erste Mal, dass der 71-Jährige das republikanische Feld anführt. Der Rückenwind kommt vor allem durch seinen Sieg in New Hampshire am vergangenen Donnerstag.

Die Umfragen machen aber auch deutlich, welche Fliehkräfte auf dem republikanischen Kandidatenkarussell wirken. Lediglich ein Drittel der Befragten, die McCain an die Spitze des Feldes setzen, geben auch an, ihn „sehr stark“ zu unterstützen. Mit anderen Worten: Dieses Wählerpotenzial scheint bereit, sich schnell auch wieder anderen Bewerbern zuzuwenden, sollten diese attraktiver erscheinen.

Alarmiert von der Aussicht eines möglichen Aufstiegs von McCain melden sich aber auch seine Kritiker verstärkt zu Wort. Die „Washington Post“ berichtet von wachsendem Widerstand gegen seine Kandidatur aus den republikanischen Reihen. Tatsächlich hat sich McCain viele Feinde gemacht, weil er zweimal nicht für die von Präsident Bush eingeforderten massiven Steuersenkungen stimmte oder weil er den Einfluss der Lobbyisten auf Mitglieder des Kongresses anprangerte.

Es sei nicht zu erwarten, zitiert die „Post“ David Keene, den Vorsitzenden der American Conservative Union und eine der Schlüsselfiguren des konservativen Establishments, dass McCain „jene Art von enthusiastischer Unterstützung bekommt, die er in den allgemeinen Wahlen bräuchte.“

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