Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.02.2001

19:00 Uhr

McKinsey feilt mit am neuen Konzept

T-Online drängt ins Mediengeschäft

VonCARSTEN HERZ und THOMAS NONNAST

T-Online-Chef Thomas Holtrop sitzt die Zeit im Nacken. Gut seit einem halben Jahr tritt der Internet-Provider auf der Stelle. Zwar sammelt die Internet-Tochter der Deutschen Telekom fleißig neue Kunden. Aber längst ist den Strategen bei der Telekom klar: Um aus den roten Zahlen zu kommen, müssen neue Geschäftsfelder her.

HB FRANKFURT. Hundert Tage hat sich der neue Chef bei seinem Start im Januar für ein neues Konzept ausgebeten. Die Frist läuft bald ab; Mitte März will Holtrop mit einem öffentlichen Paukenschlag seine neue Strategie vorstellen.

In der Firmenzentrale des Onlinedienstes im hessischen Weiterstadt bei Darmstadt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Auch ein Beraterteam von McKinsey feilt mit an den Eckpfeilern des neuen Konzepts. "Wir überarbeiten die Strategie von T-Online in allen Facetten", verriet Holtrop bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Berlin.

Neue Informations- und Unterhaltungsangebote

Auf Details wollte sich der studierter Psychologe zwar nicht festlegen. Doch so viel ist klar: Holtrop muss die Abhängigkeit vom margenschwachen Zugangsgeschäft verringern. Noch immer stammen rund 80 % der Erlöse aus Gebühren. Telekom-Chef Ron Sommer hat die Stoßrichtung vorgegeben: Neue Informations- und Unterhaltungsangebote sollen die über acht Millionen T-Online-Nutzer länger als bisher auf den Seiten halten. Im Klartext: T-Online drängt ins Mediengeschäft.

"Eine 500-köpfige T-Online-Nachrichtenredaktion wird es auch künftig nicht geben", stellt ein Telekom-Mann klar. Statt dessen werden die Darmstädter verstärkt auf Bündnisse mit Verlagen und Medienkonzernen setzen.

Bereits Ende März zur Computermesse Cebit in Hannover will die Telekom zusammen mit den Verlagen Burda und Brockhaus das neue Informationsportal "T-Info" ins Internet bringen. Dessen Rubriken sollen von Essen und Trinken über Geld und Recht bis zur Telefonauskunft reichen. Mit von der Partie ist auch die Telekom-Tochter Tegaron, die das Portal mit individuellen Verkehrsinformationen versorgt.

Nach den Misserfolgen der vergangenen Monate hat der Telekom-Boss das Internet-Geschäft zur Chefsache erklärt. Fast den gesamten T-Online - Vorstand hat Sommer aus dem Unternehmen gekegelt, nachdem Wolfgang Keuntje im August des vergangenen Jahres sein Amt als T-Online - Chef zur Verfügung gestellt hatte. Auch die gesamte zweite Führungsebene musste - bis auf wenige Ausnahmen - gehen. Zusätzlich erschütterte ein Finanzskandal die Firmenzentrale. Vier inzwischen gefeuerte Manager sollen Sponsoring-Gelder von T-Online in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Eine der vordringlichsten Aufgaben des studierten Psychologen Holtrop ist es nun, die Wellen wieder zu glätten und der verunsicherten Belegschaften neue Zuversicht einzuimpfen. Denn ganz allein kann auch Holtrop nicht die ersehnte Offensive starten. Zudem sorgten schon wenige Wochen nach seinem Dienstantritt Gerüchte über einen Umzug nach Berlin erneut für Unruhe in der Firmenzentrale.

Verschiedene Abteilungen sollen nach Berlin verlegt werden

Um attraktiver für Top-Leute zu werden, erwägt der Onlinedienst, zumindest einige Abteilungen in die Hauptstadt zu verlegen. Es gebe Überlegungen, ob Darmstadt langfristig ein konkurrenzfähiger Standort für die umworbenen Kreativen des Online-Anbieter ist, heißt es in Unternehmenskreisen. Aber Insider versichern, dass es derzeit weder konkrete Pläne noch ein Datum für einen eventuellen Wechsel gebe.

Doch nicht nur im eigenen Haus muss der 46-jährige Ex-Banker Holtrop um Vertrauen werben. Auch bei vielen Investoren ist der Glaube an das Internet-Papier aus dem Hause Telekom erschüttert. Seit dem Börsengang im April vergangenen Jahres ist die Aktie nach einem kurzen Höhenflug tief gefallen.

Die Papiere, die beim Börsengang wegen der großen Nachfrage noch verlost werden mußten, haben bis heute mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Die starke Korrektur der Aktienkurse bezeichnet Holtrop zwar als gesund: "Man hat zur Realität zurückgefunden." Es darf allerdings bezweifelt werden, ob er damit auch das derzeitige Kursniveau von T-Online meint.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×