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05.02.2001

12:25 Uhr

dpa-afx HAMBURG. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz unterstützt den geplanten freiwilligen Verhaltenskodex für Analysten. "Es ist positiv, wenn ein Ehrenkodex entwickelt wird. Das Vertrauen der Privat-Anleger ist in letzter Zeit durch die Vorgänge am Neuen Markt arg strapaziert worden", sagte der DSW-Hauptgeschäftsführer, Ulrich Hocker, am Montag. "Die Aufsicht muss strikter werden, im Vergleich zu den USA haben wir da Nachholbedarf."

Ende Januar hatte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Margareta Wolf (Grüne), vorgeschlagen, Aktionäre durch einen freiwilligen Verhaltenskodex für Analysten vor unseriösen Kaufempfehlungen zu schützen. Die Politikerin will mit dem Vorstoß den Ansehensverlust der Aktie als Geldanlage auffangen.

"In dem Kodex muss das Verbot des Eigennutzes und der Interessenkollision geregelt werden. Dazu gehört auch das so genannte Frontrunning, also das Hochschreiben von selbstgekauften Aktien", sagte Hocker. "Die Analysten, die sich dieser freiwilligen Verpflichtung anschließen, könnten dann beispielsweise mit einer Art Gütesiegel werben." Bei Verstößen sollten Sanktionen wie beispielsweise Geldstrafen verhängt werden. Eine gesetzliche Regelung solle erst dann erfolgen, wenn sich der geplante Ehrenkodex als wirkungslos erweise.

Standesrichtlinien reichen nicht aus

Hocker kritisierte die Standesrichtlinien der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Anlageberatung (DVFA) als unzureichend. "Damit kontrollieren sich die Analysten ja quasi selbst. Meiner Ansicht nach muss eine Kontrolle auf breiterer Basis stehen, sonst kann es kein Vertrauen der Anleger geben", sagte der Hauptgeschäftsführer.

In einem Kontrollgremium sollten Banken, Analysten und weitere Experten des Kapitalmarkts vertreten sein. Der Kodex müsse von diesem Ausschuss auf seine Einhaltung überprüft und an Entwicklungen auf den Märkten angepasst werden. Hocker forderte in diesem Zusammenhang auch eine stärkere Kontrolle der Banken. "Laut Gesetz dürfen beispielsweise die Abteilungen Kredit und Analysten nicht zusammenarbeiten. Es muss sichergestellt werden, dass es hier auch tatsächlich keine Überschneidungen gibt."

Zugleich warnte der DSW-Hauptgeschäftsführer davor, von einem freiwilligen Verhaltenskodex zu viel zu erwarten. "Bei aller Regulierungswut, bei aller Kritik an den Analysten und an Teilen der Medien - an Kursabschwüngen und falschen Prognosen wird auch ein Kodex nichts ändern", sagte Hocker. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (Düsseldorf) ist Dachverband für etwa 6.000 Investmentclubs in Deutschland. Sie ist in neun Landesverbänden organisiert und hat nach eigenen Angaben etwa 25.000 Mitglieder.

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