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16.01.2003

13:56 Uhr

Mehr Kooperation gefordert

Blix: Lage im Irak ist sehr gefährlich

Nur durch eine deutlich stärkere Zusammenarbeit mit den Waffeninspektoren kann Irak nach Einschätzung der UNO-Inspekteure und der Europäischen Union (EU) einen Krieg noch vermeiden. Die Lage sei, "sehr gespannt und sehr gefährlich", mahnte UNO-Waffeninspekteur Hans Blix in Brüssel.

Hans Blix schätzt die Lage im Irak als sehr gefährlich ein. Foto: dpa

Hans Blix schätzt die Lage im Irak als sehr gefährlich ein. Foto: dpa

Reuters BRÜSSEL. Der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei sagte in Moskau, Irak müsse begreifen, dass der Sicherheitsrat nicht zufrieden sein werde, wenn die Inspektoren die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen nicht ausschließen könnten. Der Uno-Sicherheitsrat hat für einen solchen Fall "schwerwiegende Konsequenzen" angedroht. Der Ölpreis stieg nach Blix' Worten deutlich an und erreichte den höchsten Stand seit zwei Jahren.

Blix sagte nach einem Gespräch mit dem EU-Koordinator für Außenpolitik, Javier Solana, um einen Krieg zu vermeiden, müsse Irak neue glaubwürdige Beweise vorlegen, dass die vermuteten atomaren, chemischen und biologischen Waffen vernichtet und die Waffenentwicklungen eingestellt worden seien. Außerdem müsse es die irakische Führung gestatten, dass sich Wissenschaftler offen und unkontrolliert mit den Inspektoren darüber unterhalten oder dazu ins Ausland reisen dürften. Andernfalls gebe es die Option einer bewaffneten Aktion gegen Irak, drohte Blix. Blix und ElBaradei werden nach einer Reise durch mehrere europäische Staaten am Samstag in Bagdad erwartet.

Solana sagte, er stimme voll und ganz mit Blix überein. Irak müsse die Staatengemeinschaft aktiver überzeugen, dass es keine Massenvernichtungswaffen habe. Die Verantwortung dafür, dass ein Krieg verhindert werde, liege bei dem irakischen Präsidenten Saddam Hussein.

ElBaradei wiederholte in Moskau seine Ansicht, dass die Inspektoren mehr Zeit zum Abschluss ihrer Arbeit benötigten. Blix sagte, der von ihm am 27. Januar erwartete Bericht werde voraussichtlich nicht der letzte sein. Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Sicherheitsrat im Februar einen weiteren Bericht anfordere.

Ölpreis steigt auf Zwei-Jahres-Hoch

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Öl der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Februar stieg unmittelbar nach Blix' Pressekonferenz in Brüssel auf 31,80 Dollar und lag damit um 58 Cent höher als beim Vortagsschluss. Auch US-Öl erreichte im vorbörslichen Handel ein Zweijahreshoch von 33,86 Dollar je Barrel, ein Preisanstieg von 56 Cent. Händler sagten, im Falle eines Kriegs gegen das ölreiche Irak werde mit einer weiteren Verknappung des Ölangebots gerechnet.

Türkei lädt Nachbarn zur Irak-Konzerenz ein

Die Türkei hat mehrere Anrainerstaaten Iraks zu einer Konferenz eingeladen, um über Möglichkeiten zur Vermeidung eines Krieges zu beraten. Syrien, Jordanien, Ägypten, Iran und Saudi-Arabien seien für die kommende Woche nach Ankara eingeladen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anatolien. Bei dem Treffen solle eine Resolution unterzeichnet werden, in der eine friedliche Lösung des Konflikts gefordert werde.

Uno-Experten suchten irakische Wissenschaftler auf

In Irak suchten die Inspektoren am Donnerstag überraschend zwei irakische Wissenschaftler in ihren Wohnungen auf. Einer von ihnen, Faleh Hassan, ist Chef des Unternehmens El Rassi, in dem mehrere Personen beschäftigt sein sollen, die früher an der irakischen Atomforschung beteiligt gewesen sein sollen. Offiziell entwickelt das Unternehmen Laser- und Militärtechnik. Außerdem suchten die Inspektoren den Atomwissenschaftler Schaker el Dschaburi auf. Ob die Inspektoren Dokumente suchten oder die Wissenschaftler befragen wollten, war zunächst nicht klar.

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