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07.04.2003

15:03 Uhr

Mehrere Anbieter planen Marktstart im nächsten Jahr

Brennstoffzellen versorgen mobile Geräte mit Strom

VonHANS SCHÜRMANN

Brennstoffzellen sollen schon bald mobile Geräte wie Laptops mit Strom versorgen. Doch noch sind die viel versprechenden Energiepakete viel zu klobig. Außerdem sind sie für den Massenmarkt zu teuer.

DÜSSELDORF. "Unsere Brennstoffzelle wird künftig Laptops mit Strom versorgen", verkündet das Gelsenkirchener Unternehmen Masterflex vollmundig auf der Hannover Messe, die heute in der Niedersächsischen Landeshauptstadt beginnt. Der Prototyp, der auf dem Messestand gezeigt wird, wurde gemeinsam mit dem Fraunhofer für Solare Energiesysteme-Institut entwickelt und soll bereits im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Zu sehen ist ein kleiner Koffer, der neben dem Laptop platziert ist und den Computer über ein Kabel mit Strom versorgt.

Das Brennstoffsystem soll zwar noch kleiner und leichter werden, doch so klein, dass es die Akkus im portablen PC ersetzen kann, wird es nie werden. "Wir werden die Brennstoffzelle nur als externes Gerät weiterentwickeln", sagt Willfried Müller, Projektmanager Brennstoffzellentechnik bei Masterflex. An eine Integration in den Laptop sei nicht gedacht. Bei genauerem Nachfragen räumt der Projektmanager sogar ein, dass der Energielieferant für ein mobiles Büro noch viel zu teuer sein wird: "Daher haben wir zunächst Anwendungen im Blick, bei denen sich die neue Technik rechnen könnte", sagt Müller.

Noch gibt es bei den Brennstoffzellen zu viele ungelöste Probleme, sagt Falko Mahlendorf vom Zentrum für Brennstoffzellen-Technik in Duisburg. Daher werde es trotz der vielen Produktankündigungen noch dauern, bis die Brennstoffzelle für den breiten Massenmarkt verfügbar sei. "Im Grunde stehen die Entwickler vor den gleichen Herausforderungen wie bei den größeren Brennstoffzellen", sagt der Forscher, der im Duisburger Institut Details für verschiedene Brennstoffzellentypen entwickelt.

Das Funktionsprinzip der Brennstoffzellen ist zwar bestechend simpel: In kleinen Kraftwerken wird ein Brennstoff - Wasserstoff oder Methanol - in einer elektrochemischen Reaktion mit Sauerstoff in Strom, Wärme und Wasser umgewandelt. Der Strom ist direkt nutzbar. Doch die technische Umsetzung bereitet mehr Schwierigkeiten als gedacht.

So räumen die Hersteller von Brennstoffzellen für das Auto nach jahrelanger Forschung inzwischen ein, dass marktreife Systeme erst im nächsten Jahrzehnt verfügbar sein werden. Und auch die Entwickler von Brennstoffzellen für die Haustechnik haben ihre Erwartungen zurückgeschraubt. Die Systeme seien zu schwer und zu teuer, heißt es in der Branche. Es sei nicht absehbar, wann die Technik wettbewebsfähig sei.

Marktbeobachter wie Frost & Sullivan prophezeien schon seit Jahren, dass sich kleinere Brennstoffzellen als Stromlieferant für mobile Geräte schneller durchsetzen könnten als die großen Energiepakete. Das Argument: Die Systeme seien trotz hohem Preis schneller wettbewerbsfähig gegenüber den teuren Akkus für Laptops. Doch auf die wird man so schnell nicht verzichten können. Denn auch die anderen Hersteller, wie NEC und Toshiba oder die Münchener Firma Smart Fuel Cell, die kleine Brennstoffsysteme für die mobile Stromversorgung entwickeln, sind von einer Integration in den Computer weit entfernt.

Während NEC und Toshiba auf eine Art "Docking-Station" setzen, die fast so groß ist wie der Laptop selbst, will Smart Fuel Cell im nächsten Jahr einen Brennstoffzellenblock auf den Markt bringen, den der Kunde zusammen in einem Koffer mitnehmen kann. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen mit der Medion AG an einer "Docking Station", die auch im nächsten Jahr marktreif sein soll.

Smart Fuel Cell hat den Prototypen seiner Brennstoffzelle im vorigen Jahr auf der Hannover-Messe vorgestellt. Das System wurde deutlich verkleinert und ist inwischen produktionsreif. Rund 200 Geräte sollen in diesem Jahr an ausgewählte Kunden ausgeliefert und getestet werden. Die Brennstoffzelle soll verschiedene Geräte auf Booten, in Campingfahrzeugen und an Baustellen mit Strom versorgen.

Ein Ersatz der Akkus im Laptop sei zunächst nicht geplant, sagt der Gründer des Unternehmens, Manfred Stefener. Marktuntersuchungen hätten ergeben, dass die Kunden das nicht wünschen. Willfried Müller von Masterflex hält das für ein vorgeschobenes Argument: "Die Methanolbrennstoffzelle besitzt eine so geringe Speicherdichte, dass eine weitere Miniaturisierung nur schwer möglich sein wird."

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