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20.02.2003

08:46 Uhr

Mehrheit scheitert an Unvermögen der Manager

2002 verschwand ein Fünftel der Hedge Funds vom Markt

VonUdo Rettberg

Hedge Funds gelten nicht zuletzt wegen ihrer vielfältigen Anlagestrategien als interessante Anlageklasse. Auf der einen Seite trägt ihre Beimischung zur Reduzierung des Depot-Risikos bei, weil sie auf eine vom Markt unabhängige Wertentwicklung zielen. Auf der anderen Seite sind sie mit hohen Risiken behaftet, wenn sie nicht solide gemanagt werden.

FRANKFURT/M. Wegen ihrer überdurchschnittlichen Performance hat sich allein in den letzten fünf Jahren die Zahl der Hedge Funds auf rund 6 000 in etwa verdoppelt. Allerdings hat diese Erfolgsstory auch eine Kehrseite. "Im vergangenen Jahr mussten rund 800 Hedge Funds schließen", sagt Oliver Schupp von der auf die Analyse von Hedge Funds spezialisierten Fachorganisation CSFB Tremont. Damit ist die Schließungsquote von 4 % in 2001 auf den Rekord von 20% gestiegen. Die Gründe liegen im weltweit schwierigen Finanzmarkt. Viele der fast ausschließlich auf Erfolgsbasis arbeitenden Manager von Hedge Funds erwirtschafteten nicht länger Renditen, die ihnen ein ausreichendes Einkommen in Form der Erfolgsgebühr sicherten. Bei Aufgabe zahlten sie ihren Anlegern in aller Regel ihr Geld zurück. Nur in wenigen Fällen, bei illegalem Verhalten der Manager, gab es Totalverluste.

Die Gefahr bei den Funds liegt im explosiven Gemisch von anhaltendem Performancedruck, der gestalterischen Freiheit bei der Anlage und ihrer Intransparenz. Die US-Wertpapieraufsichtsbehörde (SEC) will noch in diesem Jahr ein strenges Regelwerk für Hedge Funds vorlegen. Einige Hedge Funds mussten zuletzt auch deshalb geschlossen werden, weil sie versuchten, mit Krediten eine größere Hebelwirkung zu erzielen und sich dabei übernahmen. Andere Manager folgten spontan Mode-Trends an den Finanzmärkten - oft entgegen der festgeschriebenen strategischen Ausrichtung ihres Funds. Nur in Extremfällen wurde gegen Gesetze verstoßen.

"Gegen kriminelle Energie ist wenig zu machen", sagt Sy Schlüter, Managing Partner von CAI, der als einer der Hedge-Funds-Pioniere in Deutschland gilt. Solche Verfehlungen seien meist die Folge einer schlechten Wertentwicklung. Fast alle soliden Manager hätten indessen begriffen, dass institutionelle Investoren als Aufseher fungieren und eine Abweichung von der vereinbarten Strategie umgehend mit dem Abzug von Geld bestrafen. "Hedge Funds-Manager werden von Dachfonds kein Geld erhalten, wenn sie ihre strategischen Wege verlassen, den Modetrends in der Hedge Funds-Branche folgen und von einer Strategie zu anderen wechseln", sagt Schlüter.

In jüngster Zeit rief die Schließung von Hedge Funds wie Beacon Hill Asset Management LLC und Gotham Partners Management Kritiker auf den Plan. Beacon Hill geriet in das Fadenkreuz der Aufsicht, weil ihre beiden Hedge Funds durch Fehleinschätzung des Hypotheken- Bondmarktes in den USA mehr als 50 % des Wertes verloren.

Den Managern von Gotham Partners Management werfen Aufsichtsbehörden in den USA Manipulation der Märkte vor. Sie sollen Aktien empfohlen haben nur um später die eigene Position mit Gewinn zu verkaufen. In Japan wurde im Januar der über ein Vermögen von 300 Mill. $ verfügende Eifuku Master Fund geschlossen, nachdem die Manager in nur wenigen Wochen das meiste Geld verspekuliert hatten.

Auch in der Vergangenheit gab es in der Hedge Funds-Branche spektakuläre Pleiten. Das bekannteste Beispiel ist der Untergang von Long Term Capital Management (LTCM) im Jahr 1998, deren Manager zuvor als Superstars gefeiert wurden. Die Insolvenz von LTCM erschütterte für kurze Zeit die Säulen des Welt-Finanzsystems. Später sorgte Michael Berger für Aufsehen. Der von den USA aus operierende Österreicher wurde von den dortigen Behörden für schuldig befunden, bei seinem Manhattan Investment Fund mit falschen Tätigkeits- und Wertentwicklungs-Berichten die Verluste des Hedge Funds verschleiert zu haben.

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