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23.12.2011

16:08 Uhr

Mein Japan nach Fukushima

Der erzwungene Abschied

VonJan Keuchel

Japan-Korrespondent Jan Keuchel blickt zurück auf die Natur- und Atomkatastrophe des 11. März. Sie hat Japan verändert, sie hat sein Leben verändert. Ein persönlicher Report.

Rauchschwaden über dem zerstörten Reaktor Nummer 3 des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, dem Ort, der die Atomkatastrophe über Japan brachte. Reuters

Rauchschwaden über dem zerstörten Reaktor Nummer 3 des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, dem Ort, der die Atomkatastrophe über Japan brachte.

TokioJapans Himmel weint zum Abschied. Es regnet Bindfäden, die Temperatur ist auf 7 Grad gefallen, die dunklen Wolken hängen tief über Tokios Flughafen Narita. Ein letzter Blick aus dem Fenster der SAS, Flugnummer SK 984, dann hebt sie ab, in etwa 15 Stunden werden wir wieder deutschen Boden unter den Füßen haben. Von Tokio nach Düsseldorf, zwei Jahre Leben und Arbeiten in Japan gehen zu Ende. Mein Sohn nimmt die Sache kindlich gelassen, er ist bereits mit den Kopfhörern und dem TV-Angebot an Bord beschäftigt. In wenigen Tagen wird er drei Jahre alt.

Meine Frau und ich dagegen halten uns über seinen Sitz hinweg die Hand. Wortlos. Wir haben uns so oft ein „Sayonara“ verkniffen, wenn wir uns von Freunden verabschiedet haben, auch jetzt verkneifen wir es uns – denn „Sayonara“ sagt man in Japan nur, wenn man sich lange und auf unbestimmte Zeit nicht wiedersehen wird. Wir aber sind noch lange nicht fertig mit diesem Land. Wir gehen, weil wir gehen müssen – Radioaktivität verträgt sich nicht mit der Verantwortung für ein kleines Kind. Wir wären gern noch ein paar Jahre geblieben.

Am 11. März aber passierte Japan Fukushima. Es ist eine der größten Katastrophen, die dieses Land je erlebt hat.

Handelsblatt-Korrespondent Jan Keuchel Pablo Castagnola

Handelsblatt-Korrespondent Jan Keuchel

Fukushima - in Deutschland werden wir zum Jahresausklang die Bilder des Erdbebens, des todbringenden Tsunamis und des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi wieder zu sehen bekommen, in den Jahresrück-Sendungen im Fernsehen. Erst dann wird man in Deutschland wieder an diese Katastrophe denken und sie kurz danach auch wieder vergessen. Die Bevölkerung in Japan aber hat Fukushima seit dem 11. März tagtäglich beschäftigt - und für Jahrzehnte wird Japan Fukushima nicht mehr los werden.

Rückblende: Der Frühling ist da. Vom 52. Stock des Roppongi Hills Tower sieht Tokio friedlich aus. Noch ruhen die Wolken auf den Bergen, der Fuji-san verhüllt sein Gesicht. Wir trinken ein Bier, schon um 11 Uhr morgens, meine Frau und ich haben ein „Date“, das zweite Mal erst, seit wir in Japan angekommen sind. Unsere Ankunft war an einem kalten Januartag 2010, jetzt schreiben wir das Jahr 2011, unsere Stimmung ist ausgelassen. Seit wenigen Wochen geht unser Sohn in die Kita, den Hoikuen, er hat sich eingelebt, und wir haben beschlossen, nun einmal in der Woche Tokio zu erkunden. Roppongi Hills inmitten Tokios ist unser erstes Ziel.

Wie meist bei einem Ausflug lassen wir ein Erinnerungsfoto machen, dieses Mal hoch oben über der Stadt, im Hintergrund den markanten Tokyo Tower, ein Eiffelturm-Nachbau in rot-weißem Gewand, eines der Wahrzeichen dieser geschäftigen Metropole. Wir lächeln, Arm in Arm. Das Datum des Tages ist auf das Foto gedruckt. Es ist der 11. März 2011.

Schock in der U-Bahn

Erst viel später, im Mai, werden meine Frau und ich zum ersten Mal Gelegenheit haben, in Ruhe darüber zu sprechen, wie wir das Ereignis empfunden haben, das wenige Stunden später, exakt um 14:46 Uhr,  aus dem Nichts über uns hereinbricht, über halb Japan. Als wir, 40 Meter unter der Erde, an der tiefsten U-Bahnhaltestelle Tokios, auf dem Rückweg zur Kita, spüren, wie der Boden zu wackeln beginnt. Und wie wir, noch vor der erste Durchsage, beschließen, nach oben zu rennen, auf breiten Steintreppen, die plötzlich hin- und herzuschwingen beginnen. „Ich war recht ruhig: Ich dachte: Ist das jetzt das Ende, sieht es so aus?“, hat meine Frau im Mai zu mir gesagt. Ich selbst dagegen war damals nur damit beschäftigt, instinktiv den sicheren Wege ins Freie zu finden, so schnell wie möglich. „Ich habe kaum gedacht“, habe ich entgegnet. Erst auf den letzten Treppenstufen habe ich dann ausgesprochen, was uns beide außerdem Sorgen gemacht hat. Hoffentlich ist nichts mit unserem Sohn.

Unserem Sohn ist nichts passiert, die Kindergärtnerinnen haben ihre Schützlinge in eine dafür vorgesehene Schule evakuiert, wir alle sind der Gefahr dieses schweren Erdbebens mit einer Magnitude von 9,0 auf der Richterskala entkommen. In Tokio sind die Häuser stehen geblieben, vereinzelt sind Scheiben herausgefallen oder Mauern umgekippt, es gab nur wenige Verletzte.

Kommentare (20)

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rrepke@bigpond.net.au

23.12.2011, 16:31 Uhr

Ein der ueblichen Sammlungen von Schwachsinn. Es gibt keinen Grund Toyko zu verlassen ausser dass man feige ist.

Meine Frau und ist am 12 Maerz nach Tokyo geflogen,sie hat mir gesagt was gebraucht wird, und ich bin am 14,Maerz hier angekommen. Belden mit allem was gebraucht wurde. Wir haben das in der Nachbarschaft verteilt. Dann hben wir gesammelt und Reis nach Norden geschickt.

Wir sehen keine Veranlassung abzureisen, alle unsere Freunde und Verwandten hier wuerden wohl kaum noch mit uns reden, und das mit Recht, wenn wir abreisen wuerden.

Ein Journalist sollte eine solche Situation als Chance sehen mit seinen Berichten Licht in die Sache zu bringen.

Und das Handelsblatt sollte solche Ausreden nicht drucken.

Ich denke Herr Keuchel sollte seinen Beruf wechseln.

Rainer Repke, Funabashi, Japan

Vandale

23.12.2011, 16:34 Uhr

Der einstige BMU Trittin sagte bei Amtsantritt, gestützt auf Greenpeace Studien, dass das Uran in 20 Jahren aufgebraucht sei. Da er klug genug war seinem eigenem Schwindel nicht zu glauben wirkte er an einer Laufzeitreduzierung der umweltfreundlichen und sicheren Kernkraftwerke von 32 Jahren mit.

Die Deutschen Journalisten berichteten während der Reaktorunglücke in Fukushima Schauergeschichten über Radioaktivität. Man bemühte Atomspezialisten "Die Todgeweihten von Fukushima (niemand ward akut strahlenkrank, vorraussihtlich wird niemand zu Schaden kommen)" und war sich nicht zu schade japanische Meldungen systematisch verfälscht wiederzugeben (Staatsfernsehen). Ein Bekannter, 50 Jahre Reaktorsicherheit vermochte aufgrund der vielen bewussten Fehler die Ereignisse im Staatsfernsehen nicht zu verstehen und musste wie alle die ehrliche Informationen suchten neben Fachquellen auf ausländische Quellen im Internet ausweichen. Allerdings scheint es so zu sein dass der Journalist seinem eigenem Schwindel glauben schenkt. Vielleicht ist es eine angemessene Konsequenz, dass der Mann an seinem eigenem Schwindel leidet.

Grundsätzlich ist die radioaktive Belastung in Japan ausserhalb eines kleinen Gebietes nordwestlich der verunglückten Reaktoren sehr gering. Sie ist geringer als in Teilen Deutschlands wohin der Mann zurückgekehrt ist. Auch die Lebensmittel weisen in Japan meist eine geringere radioaktive Belastung auf als in Deutschland. Der in Japan gültige Grenzwert von 200 Bq/Kg für die meisten Lebensmittel kann auch gelegentlich in manchen Gebieten Deutschlands übertroffen werden.

Vandale

vandale

23.12.2011, 16:40 Uhr

Die radioaktive Belastung liegt in Tokio wesentlich niedriger als in vielen Teilen Deutschlands.

Das Hauptthema des Berichts ist die Selbstsuggestion. Die Deutschen Journalisten haben regelmässig die Realität überwunden um die gewünschte ökoreligiöse Atomkatastrophe herbeizuschreiben und glauben nun an ihre eigenen Geschichten.

Vandale
Vandale

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