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16.05.2013

06:20 Uhr

Angelina Jolie und die Folgen

„Eine barbarische Operation“

Exklusiv„Ich kann Angelinas Angst gut verstehen, auch mir haben sie eine Brust amputiert.“ Über ihren Umgang mit dem Thema Brustkrebs und ihr Leben nach der Operation berichtet die New Yorker Künstlerin Matuschka.

„Brustkrebs hat mein Leben und meine Kunst dominiert.“ Matuschka.

„Brustkrebs hat mein Leben und meine Kunst dominiert.“ Matuschka.

New YorkDie Debatte um die Brust-Amputation von Schauspielerin Angelina Jolie hat bei der New Yorker Künstlerin Matuschka Erinnerungen an ihre eigene Operation vor mehr als 20 Jahren wachgerufen. „Brustkrebs hat mein Leben und meine Kunst dominiert“, so die Künstlerin in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. „Wenn man die Veranlagung hat und tatsächlich Krebs bekommt, kann man immer noch überleben und ein erfolgreiches Leben führen. Ich bin ein Beweis dafür.“

Vor 22 Jahren wurde der damals 37-Jährigen eine Brust entfernt. Als sie die Bilder des Eingriffs, den sie hatte filmen lassen, zum ersten Mal sah, war ihre spontane Reaktion: „Das ist eine barbarische Operation.“ Und doch machte sie diese Operation öffentlich: Im „New York Times Magazine“ erschien ein Bild von ihr im eleganten Kleid, das nur eine Brust – die gesunde – bedeckte.

„Meine Mutter war an Brustkrebs gestorben“, berichtet Matuschka. „In den 20 Jahren zwischen ihrem Tod und meiner tödlichen Diagnose hatte sich in der Medizin nicht viel getan. Viele Frauen waren deshalb genauso frustriert, verärgert und enttäuscht wie ich. Also haben wir unserem Ärger Luft gemacht. Wir haben geschrieben, demonstriert, unser Anliegen nach Washington gebracht und am Ende, endlich, wurden wir angehört.“

Das habe zu vielen Fortschritten geführt. Frauen wie Angelina Jolie hätten heute eine andere Wahl als früher. Doch zugleich hätten Medizinbranche und Schönheitsindustrie den Angstfaktor so weit nach oben getrieben, dass es schon fast zerstörerisch ist. „Ich habe ein Problem mit dem Finanziellen, mit Versicherungskonzernen und mit dem Wahn, zu viele Dinge einfach wegzuoperieren“, erläutert die Künstlerin.

Die Entscheidung von Angelina Jolie könne sie trotzdem gut verstehen: „Es gibt kein richtig oder falsch. Wenn ihre Mutter den Kampf mit dem Brustkrebs überlebt hätte, hätte sie sich vielleicht anders entschieden. Man darf die Angst nicht unterschätzen, die man hat, wenn man seiner eigenen Mutter beim Sterben zusehen musste.“

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Kommentare (24)

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RM.

16.05.2013, 07:40 Uhr

Frau Jolie und Frau Matuschka tun mir richtig leid! Aber nicht deswegen, weil Sie von einer "tödlichen Krankheit" bedroht wurden, sondern weil sie zweifach einem Irrglauben anheim gefallen sind. 1. dem Irrglauben dass die Medizin- und Pharmaindustrie Krankheiten als solche ausmerzen kann, und 2. dass es eine körperliche Veranlagung zu Krebs gibt, und man tatsächlich ein Krebs-Gen von Geburt in sich tragen kann. Welch ein kompletter Wahnsinn, auch noch zu glauben, wenn man sich Körperteile abschneiden läßt, dass man dann nicht mehr an Krebs oder anderen Symptomen erkranken kann. Welche psychische Konstitution muss eine Angelina Jolie haben, das sie als scheinbar weltoffener Mensch einem sochen "Tunnelblick" unterworfen war, obwohl es auch in USA schon unzählige Ärzte und Wissenschaftler gibt, die den Kommerz-Mythos von guten und schlechten Genen schon lange entlarvt haben. Hätte Sie das Buch von "Bruce Lipton" mit dem Titel "Intelligente Zellen" gelesen, wäre Ihr dieser Wahnsinn vielleicht erspart geblieben.

Maria

16.05.2013, 08:10 Uhr

Es reicht nun, man kann es nicht mehr hören. Im Übrigen muss ich dem Kommentator vor mir Recht geben, durch Amputation der Brüste entflieht man nicht einfach der Krankheit Krebs. Dann bräuchten wir uns einfach alles auf was nur irgendwie zu verzichten wäre abschneiden zu lassen, um nicht an dieser Krankheit zu erkranken. Aber für die Chirurgen ist es wieder mal ein gutes Geschäft. möchte nicht wissen, wieviel verängstigte Frauen sich jetzt vorsorglich die Brut amputieren lassen. welch ein Wahnsinn!!

Justizius

16.05.2013, 08:12 Uhr

Es scheint, wie mit fast allen von der Presse aufgebrezelten Themen, so zu sein, dass wir wieder auf die "Saure-Gurken-Zeit, zusteuern. Das die aus Angst vor Krebs im Vorwege vorgenommene Brustamputation als "vorbildlich", "bemerkenswert" oder "mutig" beschrieben wird, grenzt schon an Hohn. Aus eigener leidvoller Erfahrung weiß ich, dass die Drüsen im Körper einer Frau miteinander verbunden sind, und dass ein Ausbrechen der Krankheit (z.B. Eierstockkrebs, Brustkrebs) dennoch passieren kann. Dass die BLIND-Zeitung heute morgen das Thema sogleich aufgreift und eine Prominente mit den Worten "ich hab´s auch gemacht" zeigt nur dass der Sensationsjournalismus in geistiger Armut verharrt.
Normal ist das jedenfalls nicht!!!

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