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28.07.2012

11:11 Uhr

Businessplan für die EU

Europa braucht wieder eine Industrie

VonMartin C. Wittig

Realwirtschaft - das galt über viele Jahre als rückwärtsgewandt. Dienstleistungen sollte die Zukunft gehören. Spätestens durch die Krise hat sich gezeigt: Die EU-Staaten brauchen dringend eine Re-Industrialisierung.

Martin C. Wittig ist CEO von Roland Berger Strategy Consultants. dpa

Martin C. Wittig ist CEO von Roland Berger Strategy Consultants.

Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise galt Großbritannien als Vorbild für eine wachstumsfähige Wirtschaftsstruktur. Hochwertigen Dienstleistungen schien die Zukunft zu gehören, mit einem leistungsstarken Finanzsektor als "Treiber". Deutschland stand für eine rückständige Orientierung auf die Realwirtschaft: Das Land müsse, so hieß es, dringend sein Geschäftsmodell überdenken.

Heute gilt eine Volkswirtschaft, die sich vor allem auf Dienstleistungen stützt, als verwundbar - und Deutschland als Musterbeispiel eines nachhaltigen Geschäftsmodells, mit 24 Prozent Anteil der Industrie an der Gesamtwirtschaft im Vergleich zu 16 Prozent in den USA und UK oder 12 Prozent in Frankreich.

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Ein Extrem mag so falsch sein wie das andere. Aber alle Volkswirtschaften fragen sich derzeit, wie sie ihre industrielle Basis stärken können. US-Präsident Barack Obama hat das Ziel ausgegeben, die Exporte bis 2015 zu verdoppeln - was ohne eine starke Industrie kaum funktionieren kann, denn nur wenige Dienstleistungen sind weltweit handelbar. Und wer den "Rust Belt" der USA kennt oder einmal mit dem Zug von New York nach Washington gefahren ist, kann die Größe dieser Aufgabe ermessen. Aber auch boomende Ökonomien in Asien bemühen sich nachhaltig, ihren sekundären Sektor krisenfest zu gestalten, für den Abgang der ersten Gründergeneration in China beispielsweise.

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Was lässt sich über das Beispiel Deutschlands sagen? Die exzellente Infrastruktur und zentrale Lage in Europa begründen seine Erfolgsgeschichte. Beides wird immer wichtiger, weil die Kosten und Risiken globaler Wertschöpfungsketten zunehmen.

Umstritten war der moderate Anstieg der Stundenlöhne von 2000 bis 2010 um 19,4 Prozent. In Italien betrug er 35,3 Prozent, in Frankreich 39 Prozent und in Spanien sogar 47,2 Prozent. Und auch bei den Lohnstückkosten legte Deutschland von 2000 bis 2010 nur um 3,9 Prozent zu - im Vergleich etwa zu Italien mit einer Steigerung um 32,5 Prozent.

Kommentare (6)

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28.07.2012, 11:46 Uhr

Industrie ist die Basis für wertvolle Arbeitsplätze und Wohlstand in Europa. Von daher muss man die Globalisierung, die Europa massiv geschadet hat wieder ein Stück zurückdrehen, zur Not auch mit Subventionen oder Protektionismus, um unseren Wohlstand zu erhalten bzw. bereits schon wieder neu aufzubauen. Ganz wichtig !!

Wertvolle Öko-Industrie mit Spitzenforschung und -Technologie als Garant für die "Know-How-Keimzelle Europa" für die Welt als Vorreiter. Industrie verknüpft mit den Universitäten in Deutschland, Aachen, München, Leibnitz-Uni, Max-Planck- und Frauenhofer-Netzwerk. Das muss alles erhalten werden, egal welche Krise um Deutscland herum gerade ist.

Gesunder Egoismus steht auch Deutschland gut zu Gesicht. Nicht dieses knie-rutschende Solidarität, wo wir andere sich bedienen lassen mittels Selbstbedienungsladen "ESM". Ansonsten geht die Abwärtsfahrt immer weiter Richtung Billig-Lohn und Hartz4. Immer weiter Richtung Entwicklungs-Land, wie Griechenland jetzt.

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28.07.2012, 15:20 Uhr

Deutschland zu einem Dienstleistungsland zu machen haben wir Schröder und den Grünen zu verdanken.
Was ja ohnehin schon Blödsinn ist, denn eine Dienstleistung muß man sich ja auch leisten können.
Sollten die Grünen im nächsten Jahr wieder an die Macht kommen, wird die Deindustrialisierung Deutschlands wahrscheinlich vollendet
Und dann kam ja noch der Zyismus dazu, dass Dienstleistungen nicht im Lande blieben, sondern ins Ausland verlagert wurden.
So fahren täglich Lastwagen mit Schmutzwäsche aus Berliner Krankenhäusern nach Polen in Wäschereien.
Aber wir reden laufend vom CO2-Ausstoß der zu hoch ist.
Unser ganzes Land ist nur noch eine einzige große Lüge zum Schaden von Land und uns Bürgern

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29.07.2012, 17:25 Uhr

"Was wir stattdessen brauchen, ist ein "Businessplan" für jedes Land, der auf den jeweiligen Stärken aufbaut und daraus eine vernünftige Industriepolitik entwickelt. Der EU-Kommission kommt dabei die Aufgabe zu, die Politik der einzelnen Länder zu synchronisieren und etwa durch Subventionskontrollen einen zerstörerischen Wettlauf zu verhindern. So könnten wir Europa mit einer koordinierten Strategie re-industrialisieren und seine Position auf den Weltmärkten festigen."


So ein Schwachsinn. Wir brauchen garantiert keine 10-jahres Pläne, die vom obersten EU-Sowjet abgesegnet werden, und uns jedes Jahr Milliarden von Euros kosten, sondern eine Rückkehr zur wirklich freien Marktwirtschaft nach Ludwig Ehrhard.

Es muss aufgehört werden mit der Einmischung der Politik in die Wirtschaft. Die Politik muss den gesellschaftlichen Rahmen setzen und für die Einhaltung von Recht und Gesetz sorgen. D.h. kein keysianisches Defizit Spending oder sonstiger Geldregen auf Kosten der Realwirtschaft.

Keysianische Wirtschaftspolitik sorgt doch nur dafür, das die notwendigen Anpassungen in der Realwirtschaft unterdrückt werden. Genau das führt nämlich zur Deindustrialisierung in der westlichen Welt.

Durch künstliche Steuerung der Nachfrage (aggregate Demand) mittels zentraler Planwirtschaft wird die Wirtschaft kaputtgespielt.

Im übrigen müssen wir endlich den Brüsseler Ballast samt seiner Zwangswährung Euro abschütteln und wieder zum Freihandel der EWG zurückkehren.

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