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27.03.2012

21:51 Uhr

China

Der Wert der Stabilität

VonStephan Roach

Die jüngsten Unruhen in den Führungsebenen der chinesischen Politik deuten auf einen Richtungsstreit in der Wirtschaftspolitik hin. Eine Lähmung wäre gefährlicher als die Krisen, die aus Amerika rüberschwappen.

Stephen Roach war Chairmann von Morgan Stanley in Asien und lehrt heute an der Yale University. Pressefoto

Stephen Roach war Chairmann von Morgan Stanley in Asien und lehrt heute an der Yale University.

YaleNichts ist den Chinesen wichtiger als Stabilität – wirtschaftlich, sozial oder politisch. Nach Jahrhunderten von Aufruhr im Land werden chinesische Politiker heute alles tun, um die Stabilität zu erhalten. Auch beim Entwicklungsforum Chinas im März war Stabilität in aller Munde. Und trotzdem wurde nur zwei Tage vor dem Beginn des diesjährigen Forums der umstrittene Bo Xilai seines Amtes als Parteisekretär von Chongqing enthoben. Dies war sehr überraschend, weil Bo ein aussichtsreicher Kandidat für die Aufnahme in den ständigen Ausschuss des Politbüros war.

Die Sitzungen konzentrierten sich auf den kolossalen Übergang vom allmächtigen Wachstum der Exporte und Investitionen hin zu einer mehr konsumgetriebenen Dynamik. Gleichzeitig gab es Sorgen wegen des Wiederaufstiegs staatseigener Unternehmen, weil damit Einkommen umverteilt wird vom Faktor Arbeit hin zu Kapital. Das ist ein großes Hindernis für eine stärkere Konsumorientierung.

Während des formalen Ablaufs des Forums wurden Bo Xilai und die Bedeutung seiner Entlassung für die Innenpolitik in diesem entscheidenden Jahr des Führungswechsels gar nicht erwähnt. Ich habe aber den Verdacht, dass der Abgang von Bo eine viel tiefere Bedeutung hat. Die chinesische Führung sah sich dem Risiko eines gefährlichen Zusammenspiels politischer und wirtschaftlicher Instabilitäten gegenüber. Nach dem zweiten Nachfrageschock in drei Jahren – zuerst durch Amerikas Subprime-Krise und jetzt durch Europas Staatsschuldenkrise – wäre jeder Ausbruch interner politischer Instabilität eine viel größere Bedrohung als sonst.

Bo war eine Personifizierung dieses Risikos. Er hat das sogenannte „Chongqing-Modell“ eines Staatskapitalismus verkörpert, der in China auf dem Vormarsch war – eine von der Regierung gesteuerte Urbanisierung und Wirtschaftsentwicklung, im Rahmen deren sich die Macht in die Hände regionaler Führer und staatseigener Betriebe verlagert.

Ich habe in Chongqing – einem riesigen städtischen Ballungsgebiet mit über 34 Millionen Einwohnern – im letzten Sommer einige Zeit verbracht. Ich war erstaunt über das Ausmaß der städtischen Vorhaben. Unter der Leitung des Bürgermeisters von Chongqing, Huang Qifan, der auch der Hauptgestalter des spektakulären Pudong-Entwicklungsprojekts in Schanghai war, wird die Umwandlung des Liangjiang-Gebiets von Chongqing in Chinas erste inländische städtische Entwicklungszone angestrebt. Dadurch würde Liangjiang mit den beiden früheren chinesischen Vorzeigeprojekten gleichziehen – mit Pudong und dem Binhai-Gebiet von Tianjin.

Kommentare (1)

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WPPJ

29.03.2012, 09:46 Uhr

Politische Unstabilitaet wird a) an China nicht vorbeigehen sondern b) sie ist im Beginn schon da.

Es sind mehrer Aufstaende Proteste wegen dem Unterschied von Arm und Reich durch die Polizei niedergeknueppelt worden. Zwei Provincen sind Pleite und haben von der Notenbank 350 Millionen bekommen. Die "Arbeiter" begehren auf gegen ueber dem dargestellten Reichtum der Reichen.
Die Preissteigerung von Lebensmitteln und die Steuer z.B. auf eine Naehmaschine bringen die Leute auf die Palme. In diesem Land leben 1,3 Millarden Menschen-Ueberalterung ist gravierend. Wie will man hier mit alt ommunistischen Methoden dieses Land regieren unmoeglich.
Es ist wie bei Russland nur eine Frage der Zeit-hier in China aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung etwas schneller wie sonst. Wir werden sehen.

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