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08.10.2012

13:00 Uhr

Contra

„Sinns national-chauvinistischer Ton ist ethisch verwerflich“

VonGustav A. Horn

Das gute deutsche Kapital in den Fängen der listigen Schuldenländer – so sieht das neueste Märchen von Hans-Werner Sinn aus. Der wahre Kern, der einem richtigen Märchen innewohnt, der ist allerdings bei ihm recht klein.

Gustav Horn ist Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). dpa

Gustav Horn ist Direktor des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).

Hans-Werner Sinn erzählt Märchen. Das jüngste handelt von den bösen Südländern, die erst unser gutes deutsches Sparkapital mittels sirenenhaft verführerischen Renditeaussichten in ihre Fänge gelockt haben. Sie gingen dabei so perfide vor, dass selbst brillante Ökonomen wie Hans-Werner Sinn noch bis 2009 glaubten, das gute deutsche Kapital flöhe vor der Geißel der hohen deutschen Löhne und den räuberischen Gewerkschaften, so wie es in dem alten Märchen von der Basarökonomie nachzulesen ist. Dann kam die Täuschung ans Licht, die Rendite Illusionen zerplatzten, das Kapital floh trotz der räuberischen Gewerkschaften entsetzt zurück ins sichere deutsche Land.

Nun aber nutzten die listigen Griechen und ihre Kumpane den allzu vertrauensselig eingeführten Euro, um hinterrücks doch wieder an unser gutes deutsches Sparkapital zu gelangen. Sie zapften das Zahlungssystem der Europäischen Zentralbanken an und erpressten vor allem die aufrechte deutsche Bundesbank unter Vorhaltung gültiger Verträge, das verängstigt in seine Heimat geflohene gute deutsche Kapital unter Zwang in ihre gierigen Länder abzuschieben. Ein Blick auf die hoch defizitären Target Salden enthüllte dann finanziellen Abgrund, in den das gute deutsche Kapital entschwunden war- und Sinn erschrak. Soweit das Märchen.

Ein Märchen enthält einen wahren Kern und einen Rand voller Phantasie. Der wahre Kern von Hans-Werner Sinns Märchen ist recht klein. Zu Recht interpretiert Sinn die hohen Defizite in den Target-Salden mit den Krisenländern als ein Krisenphänomen. In ihnen spiegelt sich insbesondere die Krise des Bankensektor in diesen Ländern.

Da diese auf den internationalen Finanzmärkten wegen der wirtschaftlichen Verwerfungen in ihren Heimatländern kaum noch Liquidität zu bezahlbaren Konditionen erhalten, und es zugleich zu einer teilweise massiven Kapitalflucht aus diesen Ländern kam, stehen sie bei jeder Aufwallung der Krise am Rande der Illiquidität.

Deshalb erhalten sie Liquidität aus dem Zahlungssystem der Europäischen Zentralbanken und deshalb ergeben sich, jedenfalls zu einem großen Teil, die negativen Target Salden. Sie tauchen vor allem bei der Bundesbank auf, die im Auftrag der EZB viele dieser Transaktionen durchführt. Soweit so richtig.

Kommentare (105)

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Exeuropaeer

08.10.2012, 13:07 Uhr

„Sinns national-chauvinistischer Ton ist ethisch verwerflich“
Wie immer: Wer sich nicht als Internationalsozialist gibt, muss mit unverschämten verbalen Angriffen rechnen.

inina

08.10.2012, 13:17 Uhr

"Sinns national-chauvinistischer Ton ist ethisch verwerflich"
Willkommen im Mittelalter. Jeder muss an Gott glauben, und dass die Erde eine Scheibe ist, und dass GIIPSZ Länder ihre Target Schulden, zur Zeit "nur" 750 Milliarden und mit jedem Tag noch mehr werdende, auf jeden Fall zurückgezahlt werden, sonst ist mann national-chauvinistisch und ethisch verwerflich. Und alle Gläubiger der Welt, nie sorgen um eure geliehenes machen, und an allen Banken die Immobilienkredite geben bitte keine Grundschuld eintragen (so funktioniert eben Target2), weil sonst seid ihr auch national-chauvinistisch und ethisch verwerflich.

SabineM

08.10.2012, 13:19 Uhr

Herr Horn,

wenn Sie behaupten, Sinn erzähle Märchen, dann behaupte ich, dass Sie entweder keine Ahnung haben was Sie reden, oder - noch schlimmer - sich wissentlich an der Verblödung des deutschen Plebs beteiligen. Sie sollten sich schämen!

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