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17.09.2013

14:27 Uhr

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 2)

„Sport, Musik, Geschlechtsverkehr“

VonDieter Nuhr

Welche Priorität hat es, wählen zu gehen? Wie wichtig wird die Wahl und welche Wünsche gibt es an Regierung und Volk? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat Kabarettist Dieter Nuhr das „Wort zur Wahl“.

Dieter Nuhr hält Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Paraderolle als Gerhard Schröder durchaus überzeugend.

Dieter Nuhr hält Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Paraderolle als Gerhard Schröder durchaus überzeugend.

Was ich mir von der Wahl erhoffe? Nicht viel. Das wäre auch mein Tipp für die anderen Wähler. Enttäuschung lässt sich nur durch niedrige Erwartungen erfolgreich bekämpfen. Schon das Fernsehduell war in dieser Hinsicht eine gute Schule. Beide Spitzenkandidaten trugen in möglichst humorloser Form vor, was jeder schon wusste. Beide vermieden es aufzufallen, weder durch Eloquenz, noch durch strikten Willen, die Wahl für sich zu entscheiden. So bleibt Demokratie berechenbar.

Angela Merkel überzeugte in ihrer Paraderolle als Gerhard Schröder, Peer Steinbrück gab Helmut Schmidt, nicht immer glaubhaft, es fehlte der Qualm. Er hatte es auch schwer. Schließlich musste er so tun, als wäre er in der SPD. So blieb es im Grunde ein Duell zwischen Angela Merkels Halskette und Peer Steinbrücks Krawatte.

Tröstlich: Steinbrück hält seine Bewerbung aufrecht, trotz schlechter Bezahlung. Und Frau Merkel verspricht, weitere vier Jahre nichts. Das ist möglicherweise mehr, als der Wähler erwartet. Auf dem G20-Gipfel in Russland konnte sie zuletzt zudem als Staatsfrau glänzen. Sie blieb fehlerlos, schon weil keine nennenswerte Tätigkeit nachgewiesen werden konnte. Alle hoffen, dass Syrien erst nach dem Wahltag dem Erdboden gleich gemacht wird, eine sehr humane Haltung.

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 1): „Ich würde so gerne in einem modernen Land leben“

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 1)

„Ich würde so gerne in einem modernen Land leben“

Was muss sich in Deutschland ändern? Wie wichtig wird die Wahl und welche Wünsche gibt es an Regierung und Volk? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat der Schauspieler Benno Fürmann das „Wort zur Wahl“.


Kann ich Ihnen eine klare Wahlempfehlung mitgeben? Leider nein. Geworben werden sollte jetzt erst mal für die Wahl an sich und nicht für einzelne Parteien. Einen Monat vor der Wahl wusste weniger als die Hälfte der unter Dreißigjährigen, dass im September gewählt wird. Junge Menschen haben andere Prioritäten: Sport, Musik, Geschlechtsverkehr.

Wahrscheinlich ist der Wahlgang auch zu kompliziert für demokratische Frischlinge. Auf dem Wahlzettel stehen 34 Parteien. Wer soll das alles lesen? Vielleicht sollte die nächste Wahl per What’sApp durchgeführt werden oder bei Instagram?

Ich empfehle immer, den Wahlzettel ganz durchzulesen, schon weil es Spaß macht! Da gibt es die Violetten, die BIG, die PBC, die BP, ÖDP und die AfD. Außerdem dabei: die Partei der Vernunft! Eine gute Idee! Ob die PDV allerdings wirklich die Rationalität gepachtet hat, ist noch nicht klar. Ihr Spitzenkandidat Immanuel Kant ist jedenfalls verstorben. Als Gegenkraft und Sammelbecken für weniger Geistesbegabte darf die NPD gelten. Deren Spitzenkandidat Adolf Hitler ist allerdings ebenfalls wegen Krankheit verhindert. Dasselbe gilt für Stalin, der momentan für die Marxistisch-Leninistische Partei ausfällt. Er wäre allerdings auch für Teile der Linkspartei im Westen ein Wunschkandidat gewesen.

Entscheiden Sie selbst, für wen Sie sich entscheiden. Hauptsache ist, Sie gehen überhaupt hin! Wenn dann die anderen gewinnen, ist das ja auch kein Beinbruch. Sollten Sie nach der Wahl den Weltuntergang erwarten, werden Sie wahrscheinlich enttäuscht. Das Leben geht nachher einfach weiter. Und das ist ja auch nicht in allen Ländern dieser Welt so. In Afrika wird man häufig noch an der Urne erschossen, in China inhaftiert, im Iran gefoltert und in Venezuela beseitigt. Eigentlich ist vieles prima hier.

Dieter Nuhr 2010 bei der Preisverleihung. dpa

Dieter Nuhr 2010 bei der Preisverleihung.

Dieter Nuhr (53) ist Kabarettist, Autor und Moderator. Er heimste den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett wie auch den Deutschen Comedypreis für den besten Liveauftritt ein. Sein Programm „Ich bin’s nuhr“ besuchten etwa eine halbe Million Menschen. Der Fan von Fortuna Düsseldorf lebt mit seiner Familie in Ratingen, im Internet ist er hier zu finden.

Am Mittwoch gehört der Diplom-Pädagogin und ehemaligen RTL-„Super Nanny“ Katharina Saalfrank unser „Wort zur Wahl“.

Kommentare (34)

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Account gelöscht!

17.09.2013, 14:56 Uhr

Dieser neoliberale Lobbyist im Deckmantel eines Kabarettisten ist nur noch unerträglich. Sein Linken-Bashing ist peinlich und zeigt seine Einstellung: "Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing".

Account gelöscht!

17.09.2013, 15:09 Uhr

Hä? Welchen Beitrag haben Sie denn gelesen?

Account gelöscht!

17.09.2013, 15:15 Uhr

@NDS-Freund-Kiel
Leiden Sie unter Verfolgungswahn?

Abgesehen davon, dass in diesem Artikel keinerlei Bashing zu finden ist, ist Dieter Nuhr einer der wenigen Fernsehschaffenden, die noch einen klaren Verstand an den Tag legen. Eine erfreuliche Ausnahme im rot/grünen Einheitsbrei (heute-Show, Neues aus der Anstalt etc.)

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