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21.09.2013

13:38 Uhr

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 6)

„Wir sparen an der falschen Stelle“

VonEckhart von Hirschhausen

Was muss sich im Land ändern? Wie wichtig ist die Wahl, welche Wünsche gibt es an Regierung und Volk? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat der Mediziner und Autor Eckart von Hirschhausen das „Wort zur Wahl“.

Eckart von Hirschhausen will das deutsche Gesundheitswesen umkrempeln.

Eckart von Hirschhausen will das deutsche Gesundheitswesen umkrempeln.

Die Stimmung in den Krankenhäusern und Praxen macht mir ernsthaft Sorgen. Wir geben so viele Milliarden im Gesundheitswesen aus, und sparen an der falschen Stelle, den motivierten Menschen und der Kommunikation. In den 1980er-Jahren kamen Unternehmensberater auf die glorreiche Idee, dass es doch egal sei, ob eine Krankenschwester ein Tablett zum Patienten bringt oder eine ahnungslose billigere Hilfskraft. Heute haben wir den Salat, dass die besten Leute keine Lust mehr haben, in dem System zu arbeiten, auswandern oder ausbrennen.

Dafür importieren wir massenweise Pflegekräfte und Ärzte, die kein Deutsch können. Das ist doch absurd. Das rein ökonomische Denken geht am Kern der Idee des „Hospitals“ vorbei – ein Ort für Gäste. Das Wort „Charité“ kommt nicht von „Shareholder“, sondern von „Caritas“ – der Nächstenliebe, die in einem Patienten erst einmal den sieht, dessen Leiden man lindern möchte, keinen DRG-Fall und keinen Kunden. Das Anreizsystem ist im Kern falsch. Das weiß jeder, aber keiner traut sich, daran zu rütteln.

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 1): „Ich würde so gerne in einem modernen Land leben“

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 1)

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Was muss sich in Deutschland ändern? Wie wichtig wird die Wahl und welche Wünsche gibt es an Regierung und Volk? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat der Schauspieler Benno Fürmann das „Wort zur Wahl“.

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 2): „Sport, Musik, Geschlechtsverkehr“

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Welche Priorität hat es, wählen zu gehen? Wie wichtig wird die Wahl und welche Wünsche gibt es an Regierung und Volk? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat Kabarettist Dieter Nuhr das „Wort zur Wahl“.

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 3): „Unser System Schule produziert Lerninvaliden“

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 3)

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Was muss sich bei der Ausbildung der Kinder ändern? Wie wichtig wird die Wahl? Welche Wünsche gibt es? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat "Super-Nanny" Katharina Saalfrank das „Wort zur Wahl“.

Ständig wird an Knien, Wirbelsäulen und Herzgefäßen rumgepopelt, ohne dass klar der Nutzen und Schaden bekannt sind. Die Evidenzbasierte Medizin liefert seit 20 Jahren Daten, die erst dann Konsequenzen haben, wenn Druck von mehreren Seiten kommt. Deshalb braucht es dringend eine unabhängig finanzierte Internetplattform, auf der Ärzte und Patienten sich über den aktuellen Stand des medizinischen Wissens informieren können. Das gibt es in Norwegen seit Jahren. Und es braucht viel stärkere Belohnung für reden, erklären und aufklären. Im Kleinen gibt es gute Initiativen, wie Feedback-Trainings mit Schauspielern oder „Arzt mit Humor“ in Leipzig.

Ich kenne niemanden, der Lust hätte selber in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden, wo alle gestresst sind, keiner Zeit für ihn hat, ständig die Ansprechpartner wechseln, und man nach einer lebensentscheidenden Operation auf einer Normalstation verstirbt, weil keine Schwester mitbekommt, wenn es einem schlechter geht, weil sie allein für noch 40 andere Patienten zuständig ist.

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 4): „Lobbyisten auf die Füße treten“

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„Lobbyisten auf die Füße treten“

Was muss sich im Land ändern? Wie wichtig wird die Wahl und welche Wünsche gibt es an Regierung und Volk? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat Sänger Pierre Baigorry alias Peter Fox das „Wort zur Wahl“.

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 5): „Verkauft Euer Volk nicht für dumm“

„Das Wort zur Wahl“ (Teil 5)

„Verkauft Euer Volk nicht für dumm“

Was muss sich in Deutschland ändern? Wie wichtig wird die Wahl und welche Wünsche gibt es an Regierung und Volk? Das wollten wir von Prominenten wissen. Heute hat „Mr. Dax“ Dirk Müller das „Wort zur Wahl“.

Wer hat den Menschen von seiner Zeugung bis zu seinem Tod im Blick? Eine der besten Präventionsmaßnahmen sind zum Beispiel Familienhebammen. Wenn ein Kind aus schwierigen Verhältnissen einen guten Start ins Leben hat, zahlt sich das die nächsten 80 Jahre für die Gemeinschaft aus. Auch für Gesundheitsunterricht in den Kindergärten und Schulen gibt es wirksame Projekte wie „Klasse 2000“ oder auch „Glück als Schulfach“.

Warum ausgebrannten Managern teuer etwas beibringen, was sie auch in der Schule hätten lernen können? Und zu guter Letzt wünsche ich mir Clowns in jedem Krankenhaus. Dafür stehe ich mit meiner Stiftung „Humor hilft heilen“, denn Lachen hilft nachweislich gegen Schmerzen. Hauen Sie sich mit einem Hammer zweimal auf den eigenen Daumen, einmal alleine und dann noch einmal in Gesellschaft. Sie spüren den Unterschied. Deshalb sollte im Krankenhaus niemand lange alleine sein und etwas zu lachen bekommen. Ist das zu viel verlangt in einem System, das 300 Milliarden im Jahr umsetzt?

Eckart von Hirschhausen beim Bürgerfest von Bundespräsident Joachim Gauck. dpa

Eckart von Hirschhausen beim Bürgerfest von Bundespräsident Joachim Gauck.

Eckart von Hirschhausen ist Mediziner und Wissenschaftsjournalist, seinen Bekanntheitsgrad hat er jedoch als Kabarettist und Autor gesteigert. Humoristisch nährt er sich in seinen Büchern auch den medizinischen Themen und Problemen („Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“). Entsprechend ist der Name der Stiftung, die der 46-jährige Berliner gegründet hat: „Humor hilft heilen“.

Am Wahlsonntag gehört dem Sportmanager Reiner Calmund unser „Wort zur Wahl“.

Kommentare (28)

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Kritiker

21.09.2013, 13:48 Uhr

Ich kenne auch niemanden, der Lust hat zum Arzt zu gehen.

Freidenker

21.09.2013, 13:49 Uhr

Kann man auch mal ganz normale Arbeiter aus einer fabrik befragen??

[...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

21.09.2013, 14:24 Uhr

Das ist bei uns Männern aber normal. Wer geht denn Freiwillig da hin, solange er noch laufen kann?

Das hat aber nichts mit meinem Arzt oder dessen Motivation zu tun, das ist eigene Sturheit.

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