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05.01.2009

16:20 Uhr

Der ökonomische Gastbeitrag

Die lange Schwäche der Weltwirtschaft

VonStephen Roach

Es wird wohl keinen schnellen Aufschwung der in die schwerste Rezession der Nachkriegszeit eingetreten Weltwirtschaft geben. Zwar mag das Schlimmste Ende 2009 vorbei sein, doch jede Belebung könnte schwach und zerbrechlich sein. Eine Schlüsselposition kommt dem US-Konsumenten zu.

HB. Viereinhalb Jahre vor der sogenannten Subprime-Krise nahm die weltweite Wirtschaftsleistung durchschnittlich um fast fünf Prozent jährlich zu. In den nächsten drei Jahren dürften es wohl nur drei Prozent werden, deutlich unter dem Trendwachstum der vergangenen 40 Jahre.

Wir sind Zeugen eines großen Kehraus nach der Blase. Lange wurde die Nachfrage unterstützt von einem nicht durchhaltbaren US-Konsumrausch. Sie wird jetzt besonders leiden, auch weil dem privaten Konsum in anderen Ländern die Dynamik fehlt. Das bekommen gerade die Volkswirtschaften zu spüren, deren Wachstum exportgetrieben ist. Auch die Exporteure von Rohstoffen werden die Schrumpfung der US-Nachfrage zu spüren bekommen. Kurz gesagt: Der Film des vergangenen Jahrzehnts läuft jetzt rückwärts.

Der Rückzug des amerikanischen Verbrauchers wird die Schlüsselentwicklung für die weltwirtschaftlichen Trends sein. Leider waren die Verbraucher schon lange reif für den Fall. Während der vergangenen 14 Jahre expandierte der Konsum stärker als das Einkommen, verließen überschuldete Haushalte sich auf Immobilien- und Kreditblasen und trieben damit die private Nachfrage auf den Rekordwert von 72 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP). Nach dem Platzen der Blasen ist der Konsum im letzten Halbjahr 2008 – auf Jahresbasis gerechnet – um drei Prozent geschrumpft. Ein Rekord, der aber den Anteil des Konsums am BIP nur auf 71 Prozent gesenkt hat.

Die Bewegung der US-Wirtschaft hin zu einem neuen Gleichgewicht hat gerade erst begonnen. Der Anteil des Verbrauchs am BIP wird wohl auf den Wert um 67 Prozent sinken, der in den letzten 25 Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Norm war. Danach hätten wir gerade erst ein Fünftel der nötigen Anpassung erlebt.

Die Weltwirtschaft stellt das vor ein großes Problem. Die USA bleiben der wichtigste Verbraucher. Während sie nur fünf Prozent der Weltbevölkerung stellen, konsumierten sie mehr als dreimal so viel wie China und Indien zusammen, die 40 Prozent der Bevölkerung entsprechen. Keine andere Volkswirtschaft, auch nicht Europa oder Japan, weist eine ähnliche Verbrauchsdynamik auf wie die amerikanische. Der private Konsum ist in diesen beiden Regionen um jährlich ein Prozent gewachsen, weniger als ein Drittel des US-Werts. Die Aussicht, dass der amerikanische Verbrauch mehrere Jahre lang im Verhältnis zum BIP abnehmen wird, stellt deshalb ein großes Problem für die Weltwirtschaft dar.

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