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19.01.2009

12:21 Uhr

Der politische Gastkommentar

Von Obama lernen

VonKerstin Plehwe

Harte Arbeit, intelligente Planung und durchdachte Strategie: Der Wahlkampf Barack Obamas hat Maßstäbe gesetzt und ihm großes Vertrauen beschert. Die deutschen Wahlkämpfer können sich einiges von der lebendigen Kampagne in den USA abgucken – doch die Parteien sind wie nie zuvor gefordert.

Barack Obama ist am Ziel. Noch ist zwar Amerika nicht erneuert, aber fortan wird Obama als 44. Präsident der USA die politischen Geschicke Amerikas lenken. Auch wenn die zukünftigen Aufgaben ebenso groß sind wie die Erwartungen, so genießt Obama bei der amerikanischen Bevölkerung großes Vertrauen. Dieses Vertrauen kam nicht von ungefähr, ist auch nicht nur mit dem Hype um seine Person zu erklären. Er hat es sich Stück für Stück in zwei Jahren harter, nachhaltiger, innovativer Wahlkampfarbeit erarbeitet. Und Wahlkampf ist in erster Linie Kommunikation. Um genau zu sein: Dialogkommunikation.

Barack Obama und sein Team brachen 2008 alle Rekorde. Sie mobilisierten über zehn Millionen Freiwillige, sie revolutionierten die Spendengewinnung, sie versendeten über eine Milliarde Postwurfsendungen und E-Mails, registrierten 80 bis 100 Millionen Youtube-Aufrufe täglich und bauten sich ihre eigene Internetgemeinde namens MyBo auf, mit der sie auch nach Ende des Wahlkampfs im Dialog bleiben. Das Motto der Kampagne hieß nicht zufällig „Je persönlicher, desto besser“. Obamas Erfolg widerlegte die Zweifler und medial Gestrigdenkenden.

Die deutschen Parteistrategen haben gut daran getan, ihren Blick im vergangenen Jahr in die USA schweifen zu lassen, stehen ihnen doch dieses Jahr selber mehr als 15 Wahlen ins Haus. So reisten sie mehrmals in das Vorzeigeland des Wahlkampfs, um die Kampagnen vor Ort zu beobachten. Einige von ihnen erlebten die Realität jenseits des Hypes und registrierten hautnah, welch harte Kärrnerarbeit, wie viel intelligente Planung und durchdachte Strategie im amerikanischen Wahlkampf stecken.

Kärrnerarbeit, Planung und Strategie, das sind auch die zentralen Begriffe für das Superwahljahr, das 2009 auf uns in Deutschland zukommt. In den insgesamt acht Kommunalwahlen, fünf Landtagswahlen, einer Europa- und schließlich einer Bundestagswahl wird sich zeigen, was aus den USA übertragbar ist und was nicht. 2009 ist das Jahr des Comebacks der Politik. In Zeiten neuer politischer Wettbewerber, in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise, von Bildungsmisere und komplexen außenpolitischen Herausforderungen nehmen Wirtschaft und Bürger politische Führung bewusst wahr.

Sie stellen aber auch hohe Ansprüche an sie. Die Parteien sind deshalb so deutlich wie nie gefordert. Sie müssen die Bürger im Wahlkampf überzeugen, Vertrauen für ihre Positionen schaffen und sie zur Stimmabgabe bewegen, den Trend der steigenden Nichtwählerzahlen umkehren. Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf: Was kann die Politik von Barack Obamas erfolgreichem Wahlkampf lernen?

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