Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.06.2012

08:43 Uhr

Desmond Lachmann

Die tragische Heldin der Euro-Zone

VonDesmond Lachman

Kanzlerin Merkel steckt in einem Dilemma: Gibt sie den Brüsseler Forderungen nach, zahlt Deutschland mit höherer Haftung für die Währungsgemeinschaft. Will sie die finanzielle Unschuld bewahren, droht dem Euro das Aus.

Angela Merkel trifft in Brüssel ein. dpa

Angela Merkel trifft in Brüssel ein.

Sie läuft jetzt langsam aus, die Zeit der wankelmütigen deutschen Entscheidungen in der Europapolitik. Der Druck der Partner auf Deutschland wächst, sich endlich ohne Wenn und Aber zur Fiskal- und Bankenunion zu bekennen. Doch ist es momentan völlig unklar, ob die Deutschen diesen Schritt wagen werden. Verständlicherweise ist Angela Merkel hier gespalten, da sie abwägen muss, was teurer wird: politisches und wirtschaftliches Nichtstun oder erneut den deutschen Steuerzahler zur Kasse bitten, um ein waghalsig teures Projekt, genannt Europa, zu finanzieren.

Die Märkte bieten Merkel wenig Hilfe an. Zu den vielen Paradoxien der Euro-Krise gehört auch die offenkundige Ambivalenz bei der Einschätzung der deutschen Staatsfinanzen. Gemessen an den extrem niedrigen Zinssätzen für Bundesanleihen, darf man getrost annehmen, dass die finanziellen Prognosen für die öffentlichen Kassen Deutschlands eigentlich eine Quelle schierer Freude und überbordenden Stolzes für die deutsche Politik sein müssten. Und ihr die Möglichkeit geben, noch weitere europäische Projekte zu schultern.

Desmond Lachman ist Wissenschaftler am American Enterprise Institute. Pressefoto AEI

Desmond Lachman ist Wissenschaftler am American Enterprise Institute.

Legt man hingegen die Rekordpreise für Kreditversicherungen deutscher Schuldscheine zugrunde, die bei über 100 Basispunkten liegen, kann man die Sorge der Kanzlerin verstehen, dass die deutschen Finanzen von weiteren Wünschen überfordert werden.

Im Lichte früherer Erfahrungen könnte man den Deutschen zustimmen, wenn sie nicht allzu viel Aufhebens von den niedrigen Zinssätzen für ihre Staatsanleihen machen. Allzu oft wurden schon falsche politische Signale ausgesandt. Hinsichtlich der politischen Entscheidung, wie weit Deutschland weitere Hilfen für Europa bereitstellen kann, wäre Merkel deshalb gut beraten, die möglichen Kosten der bereits zur Verfügung gestellten Hilfen für Europa während der letzten beiden Jahre in Betracht zu ziehen.

Diese Unterstützung erfolgte im Wesentlichen durch die Teilhabe am europäischen Zentralbanksystem, am europäischen Rettungsschirm EFSF und am Internationalen Währungsfonds (IWF). In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass allein die Bundesbank im europäischen Zahlungsverkehrssystem Target 2 Forderungen von weit über 700 Milliarden Euro angehäuft hat. Das sind 20 Prozent des Bruttosozialproduktes Deutschlands. Sollten Schuldnerstaaten aus dem Euro ausscheiden, könnte das für den deutschen Steuerzahlers noch sehr teuer werden.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

matze

28.06.2012, 15:26 Uhr

alles käse was der mann von sich gibt: ein ausstieg is immer billiger für die brd als bleiben ohne vernünftig renovierte marktwirtschaftliche grundlagen und staatswesen. die rate mit der die kosten ansteigen, d.h. kosten pro zeiteinheit, ist positiv oder sie steigt im betrag ständig. damit is die "falle von frau merkel" - die er so schön aufs papier schreiben will per definition keine falle. punkt. wenn scho drohrethorik - mehr anstrengen. is ja bescheiden.

Account gelöscht!

28.06.2012, 15:39 Uhr

Merkel ist Analytikerin. Sie wird hoffentlich wissen, dass Schuldenvergemeinschaftung den Zusammenbruch des Euros etwas verschieben kann. Letztlich ist das Projekt schon heute tot. Die Drohungen aus aller Welt mit den Folgen des Euro-Crashs können nicht überzeugen. Das viel größere Desaster ist, dieses tote Pferd weiter zu reiten.
Wenn aller Welt soviel daran liegt, können doch die Amerikaner und Briten mal mit in die Bresche springen. Wenn der Euro zerfällt, wird recht schnell die Erkenntnis aufkommen, dass die angelsächsischen Billionen-Schulden auch nur heiße Luft sind.

bjarki

28.06.2012, 18:56 Uhr

Lenin war auch ein tragischer Held aus der selben Ecke. Ich wein gleich

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×