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10.05.2012

07:22 Uhr

E-Mail, Handy, Internet und Co

Ein Plädoyer für die Stille!

VonLothar Seiwert

Ohne Internet, Handy und Mail geht in unserem Alltag nichts mehr. Dank Tablet-PC, Netbook und Smartphone reißt der Nachrichtenstrom auch unterwegs nicht ab. Doch Unabhängigkeit und Flexibilität haben einen hohen Preis.

Lothar Seiwert hat 27 Jahre Erfahrung mit Zeitmangement. Quelle: Campus Seiwert

Lothar Seiwert hat 27 Jahre Erfahrung mit Zeitmangement. Quelle: Campus Seiwert

Der Vatikan hat ein eigenes Internet-Büro, Angela Merkel regiert mit Vorliebe per SMS und täglich werden weltweit über 300 Milliarden E-Mails verschickt. Ohne Internet, Handy und Mail geht in unserem Alltag nichts mehr. Dank Tablet-PC, Netbook und Smartphone reißt der Nachrichtenstrom auch unterwegs nicht ab. Doch Unabhängigkeit und Flexibilität haben einen hohen Preis. Wir sind rund um die Uhr erreichbar und stehen unter Dauerstress. Was tun? Ganz einfach – konsequent abschalten!

Werden Sie Slow-Mailer

„Bling – Sie haben Post“! Heute taktet nicht mehr die Stechuhr, sondern das Mail-Programm unseren Arbeitsrhythmus. Der moderne Büromensch verbringt rund 20 Stunden pro Woche mit der Bearbeitung von E-Mails. Wie sehr die E-Mail-Schwemme uns zu schaffen macht, zeigt ein Versuch des Londoner King’s College: Zunächst ermittelten die Wissenschaftler die Leistungen von Testpersonen, die ständig durch E-Mails abgelenkt wurden.

Die Elf der Eigensinnigen

Seiwerts Dreamteam der Vorbilder

Folgende elf Persönlichkeiten haben laut Lothar Seiwert vieles gemeinsam. Sie haben die Welt verändert und wirken dabei nie gestresst. Was sie auszeichnet...

Torwart: Der Dalai Lama

In-Sich-Ruhen: Weit über zwei Millionen Follower hat der Dalai Lama bei Twitter. Er selbst folgt niemandem, außer seiner inneren Stimme. Kein anderer lebender Mensch steht derartig für Ausgeglichenheit. Die schlimmsten Schicksalsschläge scheinen ihm nichts anhaben zu können, stets verzeiht er den Menschen, auch wenn sie Böses tun.

Libero: Franz Beckenbauer

Souveränität: Der „Kaiser“ übernahm auch in schwierigen Momenten die Führung und wirkte der Sache stets gewachsen – auf dem Platz und erstrecht in seinen Karrieren danach.

Verteidiger: Bill Clinton

Charisma: Clinton nimmt Gesprächspartner durch seine Ausstrahlung für sich ein. Ein geborener Leader, eine Führernatur ohne Allüren, voller natürlicher Autorität.

Verteidiger: Ken Blanchard

Fokus: Ein US-Kollege von Lothar Seiwert, der vielleicht nicht jedem Deutschen ein Begriff ist, aber als einer der größten Management-Ratgeber gilt. Er entwickelte das Konzept des One-Minute-Managers. Seiwert schätzt Blanchard für seine Fähigkeit, den Fokus auf eine Sache zu legen.

Vorstopper: Steve Jobs

Eigensinnigkeit: Jobs konnte herrisch und unbequem sein für seine Mitarbeiter, doch er wollte nur das Beste aus den Produkten herausholen. Für Seiwert ist Jobs ein echtes Vorbild, wie man sich nicht unterkriegen lässt.

Rechtes Mittelfeld: Tony Robbins

Geistesgegenwart: Anthony Robbins ist der wohl bekannteste Erfolgstrainer und –autor in den USA. Seiwert hat einige Seminare mit ihm gemacht und berichtet von dem Erlebnis am 11. September 2001. Es war ein Seminar auf Hawai, das aufgrund der Ereignisse in Trauer erstickte. Robbins hielt spontan einen Vortrag über Glaubenssysteme, der die Anwesenden nicht nur aufmunterte, sondern ihnen auf Kraft gab.

Defensives Mittelfeld: Jack Welch

Konsequenz: Jack Welsh ist für Seiwert einer der besten Manager aller Zeiten und bestich durch das Festhalten am eingeschlagenen Weg. Der „Erfinder“ des Shareholder-Value brauchte allerdings auch über 25 Jahre, bis er erkannte, dass das Prinzip ein Riesenfehler war.

Linkes Mittelfeld: Ronald Reagan

Autorität: Seiwert zeigt sich von der Leistung Reagans beeindruckt, sich am Anfang der Amtszeit ein dermaßen hohes Maß an Autorität verschafft zu haben. Und trotz seiner  Arbeitsauffassung (nine to five) wurde Reagan in 49 von 50 Bundesstaaten wiedergewählt.

Spielmacher: Richard Branson

Begeisterung: Ein Sonnenkind des Lebens, das sich immer auf das konzentriert, was es gerade macht und das in anderen Dimensionen denkt als die meisten anderen Manager. Branson sprüht vor Tatendrang, seine Begeisterung reißt mit

Stürmer: Helmut Schmidt

Weitblick: Einen langen Atem hat Helmut Schmidt trotz der Mentholzigaretten stets bewiesen. Kaum einer laut Seiwert so glasklare, durchdachte Standpunkte.

Stürmer: Uli Hoeneß

Leidenschaft: Der hochrote Kopf, wenn es Ungerechtigkeiten zu benennen gilt – so kennt man Uli Hoeneß. Mit ehrlichem Herzen zu großem Erfolg. Er wirkt dabei nicht immer relaxt, aber auch nie gestresst. Sein Antrieb heißt Leidenschaft.

Dann verabreichten sie einer Kontrollgruppe Marihuana und stellten den Kiffern dieselben Aufgaben. Das Resultat: Beide Gruppen schnitten extrem schlecht ab. Doch die Marihuana-Konsumenten waren um einiges besser als die E-Mail-Gestressten. Deshalb sollten Sie dem Beispiel des IBM Forschungsmanagers Dan Russel folgen und Slow-Mailer werden:

  • Eine Studie der University of Glasgow ergab, dass Beschäftigte bis zu 40 Mal in der Stunde ihre Mails abrufen – pure Zeitverschwendung!
  • Schalten Sie Ihren E-Mail-Alarm ab. Öffnen Sie Ihr Mail-Programm höchstens dreimal am Tag und arbeiten Sie Ihre elektronischen Nachrichten blockweise ab. Informieren Sie Kunden und Kollegen, dass Sie Ihre Mails nicht im Minutentakt lesen. Bitten Sie darum, dass man sich in dringenden Fällen immer persönlich mit Ihnen in Verbindung setzt.
  • Verschicken Sie keine überflüssigen Mails. Fragen Sie sich: Würde ich diese E-Mail auch schreiben, wenn ich sie ausdrucken und zu Fuß fünf Etagen höher ins Büro des Empfängers bringen müsste? Nein?! Dann ist die Nachricht ganz bestimmt überflüssig.
  • Halten Sie Ihre Mails so präzise und kurz wie möglich. Und denken Sie daran: Mails sind nicht der einzige Weg, um sich auszutauschen. Sprechen Sie Ihre Kollegen direkt an. Ersparen Sie sich endlose Ping-Pong-Mails. Wechseln Sie ein paar Sätze am Telefon oder auf dem Flur – das geht nicht nur schneller, sondern ist auch viel netter.

Kommentare (1)

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MAnger

14.05.2012, 09:36 Uhr

E-mails sind auch nicht mehr State-of-the-Art, was interne Kommunikation anbelangt.
Hier setzt man mittlerweile auf Collaboration & Social Business Software.
Die Kids von heute machen es uns doch vor. Facebook & Co. Lassen grüßen
M. Anger, FuM

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