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30.06.2012

18:04 Uhr

Energiewende

Wettbewerb erzeugt günstigeren Strom

VonMichael Hüther, Hubertus Bardt

Der Bund unterstützt die Energiewende mit Subventionen. Das ist aber der falsche Ansatz. Um die Kosten gering zu halten, müssen die Unternehmen effizient arbeiten. Das funktioniert nur mit Wettbewerb.

Windpark Küstrow in Mecklenburg-Vorpommern. dpa

Windpark Küstrow in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Energiewende gehört zu den größten Herausforderungen der deutschen Wirtschaftspolitik. Sie umfasst den Ausstieg aus der Kernenergie, den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze sowie die Sicherung der fossilen Kapazitäten. Die Sicherheit der Stromversorgung muss weiterhin gewährleistet und die Strompreise müssen in einem für Haushalte und Unternehmen verträglichen Maß gehalten werden. Dieses Projekt ist ohne Beispiel.

Alleingänge der Energie- und Klimapolitik gleichen Operationen am offenen Herzen. Die Hoffnung liegt in einer umweltfreundlicheren Entwicklung. Die wesentliche Gefahr liegt in der Gefährdung der wirtschaftlichen Basis. Schon in den letzten Jahren hat sich die Investitionstätigkeit der energieintensiven Unternehmen schwach entwickelt. Ein Wegbrechen dieser Betriebe wäre auch für die weniger energieabhängigen Industrien schädlich.

Michael Hüther ist der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft. dapd

Michael Hüther ist der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Die Bevölkerung wiederum wird den Umbau der Energieversorgung nur unterstützen, wenn die Energie bezahlbar bleibt. Nur wenn die Kosten gering bleiben, kann die Wettbewerbsposition der Industrie gesichert werden. Und nur mit größtmöglicher Effizienz können andere Länder zum Nach- oder Mitmachen motiviert werden. Erst dann lassen sich aus der Vorreiterrolle auch Wettbewerbschancen entwickeln.

Effizienz und Kohärenz werden in der Klima- und Energiepolitik in Deutschland und Europa nicht genug beachtet. Zu viele politische Ebenen kümmern sich um die Energie- und Klimapolitik. Verschiedene EU-Kommissare legen Road-Maps vor, verschiedene Bundesministerien kümmern sich um Teilbereiche, und immer mehr Bundesländer versuchen sich in eigenen Beiträgen zur Energiewende und zum Klimaschutz. Zu viele Ziele, zu viele Entscheidungsebenen und zu viele Instrumente müssen jede staatliche Planung überfordern.

In der Energiewende droht der Wettbewerb unter die Räder zu kommen. Durch das EEG werden erneuerbare Energien außerhalb des Marktes gefördert. Bei einem stetig steigenden Marktanteil der erneuerbaren Energien, die in wenigen Jahrzehnten die Stromerzeugung dominieren sollen, bleibt immer weniger Raum für Markt in der Stromwirtschaft.

Die Energiewende muss im Markt stattfinden, anstatt immer mehr größere Teile aus dem Wettbewerb herauszunehmen. Ein Strommarkt mit größtenteils gefördertem Strom ist kaum vorstellbar. Notwendig ist eine glaubwürdige Idee zum Ausstieg aus der Förderwelt, in der um die Subvention spezieller Technik gekämpft wird statt um Innovationen und Kostensenkungen. Wettbewerb erzeugt Effizienz, und Wettbewerb erzeugt Innovationen. Beide sind die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Energiepolitik. Die Energiewende gelingt mit Markt und Wettbewerb - oder sie gelingt nicht.

Kommentare (3)

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winter

01.07.2012, 09:34 Uhr

Wenn man keine Ahnung von Energiewirtschaft hat, dann soll gefälligst den Mund halten.
Hüther als Marktapologet soll mal seinen Vortrag vor einem Bankenkonsortium halten, dann zeigen die Banker ihm einen Vogel! Kraftwerke werden auf 10 - 15 Jahre refinanziert, wenn man dabei am Anfang nicht ganz klare Bedingungen hat, dann läßt man die Finanzierung.

Oder besser: Hüther soll doch selbst eine Bank gründen, dann läßt er diese Nonsense Tiraden!

SteuerKlasseEins

02.07.2012, 12:29 Uhr

Ahnung oder nicht, die Subventionen müssen weg, und zwar so schnell wie möglich! Dann wird sich zeigen wer billigeren Strom erzeugt, das ist der einzig wahre Test. Solange Milliarden an Subventionen zu den einen fliessen (EEG, Einspeisevergütung, Einspeisevorrang) und bei den anderen Steuern kassiert werden (Ökosteuer, Gas/Benzinsteuern, Brennelementesteuer, Emissionshandel), haben Öko-Scharlatane leicht reden und können über dir Wirtschaftlichkeit bestimmter Energien behaupten was sie wollen. Wenn die Subventionen sich in Luft auflösen und der Markt regiert, dann ist damit Schluss, dann wird sich zeigen was die Stromkunden wirklich wollen, ob sie wirklich so gegen Atomkraft sind, wenn diese nur ein Drittel von Ökostrom kostet.

AKW

04.07.2012, 14:16 Uhr

Zählt beim Verzicht auf Subventionen auch die Kostenübernahme des Bundes für Lagerung und Entsorgung des Atommülls dazu?

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