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24.01.2012

18:03 Uhr

Euro-Krise

Deutschland muss führen, aber mit Herz

VonHorst Teltschik

Der Sicherheitsexperte und frühere Berater von Helmut Kohl verteidigt Deutschlands Politik der Stärke in der Euro-Krise. Sie könne aber nur zum Erfolg führen, wenn sich Deutschland mit den Schwächeren solidarisch zeigt.

Horst Teltschik. Reuters

Horst Teltschik.

Werft die Griechen endlich aus der Euro-Zone, fordern Wirtschaftsexperten, Unternehmer und Politiker. Aus der gleichen Ecke kommt die Forderung, die Euro-Zone aufzuteilen: die starken und guten Mitglieder aus dem Norden in das eine Töpfchen, die schwachen und unfähigen aus dem Süden in das andere Töpfchen. Sollen Letztere doch sehen, wo sie bleiben. Schließlich haben sie maßlos gelebt, schlampig gewirtschaftet, in der Verwaltung versagt und politisch hochgestapelt. Und jetzt sollen wir tüchtigen, hart arbeitenden, disziplinierten Deutschen ihnen auch noch unser gutes Geld hinterherwerfen.

Wenn das alles nicht durchsetzbar ist, weil die Verträge es nicht zulassen, dann könnten doch wir Deutschen aus dem Euro aussteigen und zur guten alten und uns so teuren D-Mark zurückkehren. So lautet der jüngste Vorschlag. Ein solcher Schritt würde zwar erst einmal unsere Exporte verteuern und damit Arbeitsplätze kosten. Aber wenn wir dieses Tal der Tränen von etwa fünf Jahren durchschritten hätten, dann würde uns die Verheißung winken: Es ginge uns allen besser als heute.

Solidarität in und für Europa scheint zu einem Fremdwort geworden zu sein. Solidarität war aber von Anfang an innerhalb der Europäischen Gemeinschaft selbstverständlich. Sie war gewissermaßen das Bindemittel, das die Mitgliedstaaten zusammengefügt hat. Finanzielle Transfers innerhalb der Gemeinschaft waren und sind bis heute selbstverständlich. Davon hat auch Deutschland vor allem nach der Wiedervereinigung profitiert. Dass die wirtschaftlich starken Mitglieder mehr leisten müssen und die schwächeren mehr erhalten, ist am Ende selbst von Margaret Thatcher bei all ihrem britischen Eigensinn niemals grundsätzlich infrage gestellt worden. Heute gelten wir Deutsche als "Anführer der EU-Intoleranz", so der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti.

Viele der Ratgeber aus Wissenschaft und Wirtschaft vergessen, dass es in der jetzigen Verschuldungskrise nicht ausschließlich um ökonomische Fragen geht. Die Integration Europas war von Anfang an zuallererst ein politisches Ziel und ist es bis heute. Seit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft waren die wirtschaftspolitischen Integrationsschritte nur das operative Instrument, die politische Einigung voranzubringen. Die Einführung des Euros als gemeinsamer Währung war für Bundeskanzler Helmut Kohl eine Frage von Krieg und Frieden. Er wollte mit diesem Schritt die europäische Integration "irreversibel" machen und damit den Frieden in Europa dauerhaft sichern. Das scheinen viele öffentlichen Ratgeber nicht wahrhaben zu wollen. Die Bundeskanzlerin Merkel hat deshalb recht, wenn sie immer wieder mit Nachdruck sagt: "Wenn der Euro scheitert, scheitert die Europäische Union."

Kommentare (16)

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Profit

24.01.2012, 18:21 Uhr

So ein ausgemachter Quatsch. Solidarität mit steuerflüchtigen Milliardären, Mafia-Bossen und korrupten Politikern? Teltschik, vergiß Europa! Deutschland steht im Wettbewerb mit USA, China, Japan, Rußland, Indien, Brasilien, Korea. Das ist unsere "Spielwiese". Störungen von europäischen Versagern, die noch nicht einmal in der Lage sind, funktionierende Steuerbehörden aufzubauen, reißen Deutschland letztlich mit in den Abgrund. Ein Land wie Griechenland gehört eher in die afrikanische Union als zu uns. Das ist die brutale, nackte Wahrheit. Jeder Euro (hoffentlich bald wieder D-Mark!) in dieses tiefe, griechische Loch geschmissen fehlt hier für Bildung und Forschung und letztlich auch den steuerzahlenden Arbeitnehmern in Deutschland (dazu gehören übrigens auch fleißige, griechische Leute). Teltschick setzen, sechs!

Ekelanfall

24.01.2012, 18:24 Uhr

Teltschik gehört zu den widerlichsten EU-Technokraten, die dieses Land geboren hat. Die EU war immer eine Eliteveranstaltung, die wider die Interessen der Völker gehandelt hat. Teltschik ist in meinen Augen nichts als ein profaner Verbrecher. Wie übrigens viele andere Politiker. Die hätten auch unter den Nazis und im Politbüro im Osten als Technokraten blendend Karriere gemacht. Widerliches Pack!

Kraeftemangel

24.01.2012, 18:27 Uhr

Europa ist wenn Deutschland zahlt. Wollten Sie uns das sagen Herr Teltschik?
Solidarität hatten und haben wir geübt und das seit Jahrzehnten. Deutschland war und ist der größte Nettozahler in der EU. Doch jetzt sollen wir zahlen auch auf die Gefahr des eigenen Untergangs. Das ist falsch verstandene Solidarität. Es kann niemandem daran gelegen sein, auch nicht den Griechen, dass die größte Volkswirtschaft Europas ins wanken gerät. Kein Mensch würde auf die Idee kommen für einen Bankrotteur zu bürgen. Das würde ich selbst für meinen Bruder nicht tun, denn am Ende sind wird beide Pleite und ich könnte ihn in der größten Not nicht helfen, weil ich mir selbst nicht helfen kann. Das ist gesunder Menschenverstand der in der Regel weiter hilft als kranke Ideologien. Guten Abend.

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