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26.03.2012

22:11 Uhr

Euro-Länder

Krisenstaaten müssen sich weiter gesund schrumpfen

VonClemens Fuest

Noch ist die Krise nicht überwunden: Die schwachen Euro-Länder haben noch eine langwierige Schrumpfkur vor sich. Zudem birgt die geldpolitische Strategie der EZB erhebliche Risiken - Patentrezepte gibt es nicht.

Krise überwunden? Die Botschaft von EZB-Chef Mario Draghi wirkt wie eine Wunschvorstellung. dpa

Krise überwunden? Die Botschaft von EZB-Chef Mario Draghi wirkt wie eine Wunschvorstellung.

EZB-Präsident Draghi hat in der letzten Woche verkündet, die Euro-Zone hätte den schlimmsten Teil der Krise hinter sich. Was ist von dieser These zu halten? Die Flutung des europäischen Bankensystems mit Liquidität hat die Lage an den Finanzmärkten in der Tat entspannt. Die Staatsanleihen Italiens und Spaniens finden wieder Käufer, und die Risikozuschläge auf die Renditen sind zumindest bei italienischen Staatsanleihen spürbar gesunken.

Daraus allerdings zu schließen, die Krise sei überwunden, wirkt auf den ersten Blick kaum überzeugender, als einem Patienten mit Herzversagen zu bescheinigen, er sei über den Berg, weil man ihn an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen hat. Die ökonomischen Probleme der Euro-Zone sind ungelöst.

Um die Verschuldungskrise zu überwinden, müssen die Regierungen und die privaten Haushalte in den Krisenstaaten ihre Schulden reduzieren. Die Wirtschaft muss durch Lohnsenkungen und andere kostensenkende Maßnahmen ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Außerdem sollten die Preise für Immobilien und andere Vermögensgüter sinken, damit Investoren wieder bereit sind, in den Krisenstaaten zu investieren. All dies gleichzeitig umzusetzen ist aber äußerst schwierig.

Um die Defizite im Staatshaushalt abzubauen, senken die Regierungen ihre Ausgaben und erhöhen Steuern. Die privaten Haushalte geben ebenfalls weniger Geld aus, um ihre Schulden abzubauen. Gleichzeitig werden sie durch steigende Steuern und sinkende Einkommen belastet.

Hinzu kommt, dass die Hauspreise fallen und mancher Hauseigentümer feststellt, dass die Hypothekenschulden den Wert der Immobilie übersteigen. Über kurz oder lang führt das dazu, dass Banken Hypothekendarlehen abschreiben. Das schwächt ihre Bilanzen und reduziert ihre Fähigkeit, gesunde Unternehmen und solvente private Haushalte mit Krediten zu versorgen. Es besteht die Gefahr einer wirtschaftlichen Abwärtsspirale mit schrumpfender Nachfrage, fallenden Preisen und wachsender Arbeitslosigkeit.

Ein Ende der Krise ist erst dann zu erwarten, wenn dieser Anpassungsprozess abgeschlossen ist und es zu einer Bodenbildung kommt. In Irland ist die Anpassung am weitesten fortgeschritten. Löhne und Hauspreise sind seit ihrem Höchststand deutlich gefallen, und das Land erzielt seit 2010 wieder einen Leistungsbilanzüberschuss. Das Land beginnt also, seine Verschuldung gegenüber dem Ausland abzutragen. Ob das in eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung einmündet, ist allerdings unklar. In den anderen Krisenstaaten ist der Anpassungsprozess weniger weit fortgeschritten.

Kommentare (3)

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no.7

27.03.2012, 00:19 Uhr

Dem ist zuzustimmen. Das geschwätz von Inflations-draghi und anderen, "das schlimmste ist vorüber", ist absurd. entweder der hat gar keine ahnung oder er beschwichtigt nur. Natürlich kommt das nächste desaster- kann ja gar nicht ausbleiben.

Account gelöscht!

27.03.2012, 00:52 Uhr

Guter Artikel von Herrn Fuest, der eine gesunde Skepsis ausdrückt.
Der kalte Entzug der EZB Überschuss-Liquidität in einiger Zeit wird für die Banken schwer zu überleben sein.
Aber Hauptsache die Dose wurde wieder ein paar Wochen weiter gekickt. Koste es den Sparer und Steuerzahler was es wolle.

Account gelöscht!

27.03.2012, 00:54 Uhr

Mal sehen ob Irland am Ende der Woche seine erste Rate der EZB IOUs begleicht. Ich nehme mal eher nicht. Da kann Draghi noch so lange warten, es wird geschummelt bis es Kracht nur Staatspleite dürfen wir es nicht nennen. Wer verdient eigentlich an dem Umschulden die ganze Zeit und wird das auch vom deutschen Steuerzahler getragen?

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