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06.03.2012

20:50 Uhr

Euro oder Drachme

„Für Griechenland gibt es nur einen Weg“

VonAlexander Kritikos

Auch wenn viele Politiker das Gegenteil behaupten: In Wahrheit ist ein Ausscheiden aus dem Euro für Athen keine Option. Die Drachme würde kein einziges der griechischen Probleme lösen - aber viele neue schaffen.

Alexander Kritikos.

Alexander Kritikos.

Seit der Verabschiedung des zweiten Rettungspakets zu Griechenland am vergangenen Montag im Bundestag mehren sich in Deutschland wieder die Stimmen, die Griechenland einen Austritt aus der Euro-Zone nahelegen. Begründet wird dieser drastische Vorschlag damit, dass Griechenland wirtschaftlich am Boden läge und die Chancen, sich zu regenerieren und wettbewerbsfähig zu werden, außerhalb des Euro-Raums größer seien.

So richtig die Diagnose über den wirtschaftlichen Zustand des Landes ist, so fragwürdig ist der Therapievorschlag. Es stimmt: Griechenland musste in Folge der rigiden Sparanstrengungen über die letzten drei Jahre hinweg einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von insgesamt fast 15 Prozent aushalten. Und für das Jahr 2012 wird erneut eine wirtschaftliche Schrumpfung um weitere knappe fünf Prozent prognostiziert. Schlimmer geht es kaum noch, zumal diese Entwicklung die Reduzierung der griechischen Staatsschuldenquote erheblich erschwert.

Schaut man sich die beiden steinigen Wege – mit dem Euro und ohne den Euro – näher an, vor deren Wahl Griechenland aktuell steht, so wird dennoch deutlich, dass der Weg mit dem Euro derzeit der bessere sein dürfte. Denn Griechenland hat nicht in erster Linie ein Kostenproblem, sondern ein Strukturproblem. Die Drachme würde aber nur ersteres lösen, der Euro kann bei der Lösung des zweiten Problems viel besser helfen.

Stichwort aktuelle nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit: Griechenland produziert derzeit kaum Industriegüter oder Dienstleistungen, die international wettbewerbsfähig sind. In erster Linie sorgt der Tourismus für Einnahmen aus dem Ausland. Die Tourismusindustrie stand zuletzt gar nicht so schlecht da (siehe auch Karl Brenke im DIW-Wochenbericht 5/2012). Weitere Wachstumschancen dürften allerdings – so Brenke – in diesem Segment nicht zu groß sein. Eine Rückkehr zur Drachme würde somit kaum mehr Wachstumspotentiale freisetzen als der Verbleib im Euro.

Viel wichtiger ist jedoch zunächst die Verbesserung der nationalen Wettbewerbsfähigkeit. Griechenland zeichnet sich durch viele geschlossene Märkte aus. Die Troika, bestehend aus Europäischer Union, IWF und Europäischer Zentralbank, dringt nun darauf, Märkte aufzubrechen und dadurch wirtschaftliche Dynamik zu entfachen. Ein Beispiel: Der griechische Staat hat in den 1970er Jahren eine fixe Anzahl von Lastwagen-Lizenzen vergeben, die seitdem nicht erhöht wurden. Weil die Wirtschaft aber stark gewachsen ist, herrscht heute ein Mangel an Transportleistung. Die Speditionen können hohe Preise verlangen. Würde man nun die Zahl der Lkw-Lizenzen substantiell erhöhen, sänken auf dem freier werdenden Markt die Preise. Denn neue Speditionen könnten in den Markt eintreten. Mehr Waren würden günstiger und schneller transportiert - ein potentieller Faktor unter vielen um die griechische Wirtschaft wettbewerbsintensiver zu machen und zugleich für neues Wirtschaftswachstum innerhalb Griechenlands zu sorgen.

Und es gibt neben diesem Markt eine Vielzahl weiterer geschlossener Märkte mit ähnlichem Wachstumspotential, wenn sie geöffnet würden. Bei einem Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum blieben die Märkte wahrscheinlich weiter geschlossen. Das Wachstumspotential ginge verloren. Ein Verbleib im Euro-Raum erlaubt dagegen der Troika, die Reformkräfte in Griechenland bei der Öffnung dieser Märkte zu unterstützen und Griechenland somit wettbewerbsfähiger zu machen.

Kommentare (58)

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WalterMB

06.03.2012, 21:34 Uhr

Im Artikel werden nur die Problemkreise Kosten und Struktur genannt, aber im Wesentlichen von dem notwendigen Wertewandel gesprochen. Wenn also der notwendige Wertewandel in Griechenland der Schlüssel zur Angleichung der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Struktur auf ein "europäisches Niveau" ist, dann muß natürlich die Frage gestellt werden: kann es durch Druck von außen erfolgen, oder sollte es unter Berücksichtigung der griechischen Mentalität nicht in eigener Verantwortung geschehen? In eigener Verantwortung auf Basis der nationalen Währung mit Unterstützung durch einen EG Marshall Plan, aber mit einem Auszahlungsdruck vergleichbar der Troika. Wir brauchen Länder in der EG, die stolz sind auf ihren eigenen Erfolg und nicht frustierte, gedemütigte und deformierte Bürger eines Mitgliedsstaates.

Account gelöscht!

06.03.2012, 21:43 Uhr

Genau,

es ist Sache der Griechen selber, wieder auf die Beine zu kommen. Theoretisch kann das ja auch dadurch passieren, daß sich "das Volk" andere Typen von Politikern wählt.

Allerdings gelten wohl die beiden Sprichwörter weltweit:
1. Gewohnheit ist ein mächtiges Tier. und
2. Einem Dackel den man zur Jagd tragen muß, - der taugt nix.

Also wird sich in Griechenland nur etwas ändern wenn man das Land dazu zwingt. Z.B. durch Auflagen bei der Alimentation, äh... Kreditvergabe.

Account gelöscht!

06.03.2012, 21:57 Uhr

„Für Griechenland gibt es nur einen Weg“
.
Nun hören Sie doch endlich auf mit dieser "Alterna-kiff-losigkeit"!
.
Ganz sicher gibt es mehr Wege für Griechenland als nur den Euro. (wenn auch ungeliebte)
Ein ganz anderer wäre, der Zusammenschluss mit der Türkei zu einem
Klein-Osmanischen Reich. Unter Federführung der türkischen Lira.

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