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23.01.2015

13:32 Uhr

EZB-Anleihenkäufe

Draghi druckt Europa in den Bankrott

VonMatthias Weik und Marc Friedrich

Die EZB hat Anleihekäufe historischen Ausmaßes beschlossen – und reißt ganz Europa in den Ruin. Denn Gelddrucken löst keine Probleme und niedrige Zinsen waren vor dem letzten Crash das größte Problem. Ein Gastbeitrag.

Mario Draghi greift zu drastischen Maßnahmen – und geht damit zu weit, meinen unsere Gastautoren Friedrich und Weik. dapd

Mario Draghi greift zu drastischen Maßnahmen – und geht damit zu weit, meinen unsere Gastautoren Friedrich und Weik.

Der Donnerstag war ein großer Tag für die Börsen und alle Aktienbesitzer und ein schlechter Tag für viele Sparer und vor allem für die Demokratie. Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hat eine Notenbank in Europa Geschichte geschrieben. Leider keine positive oder besonders ruhmreiche. Ganz im Gegenteil. EZB-Präsident Mario Draghi begeht einen weiteren Tabubruch, indem er die Freigabe zum Kauf von Staatsanleihen gegeben hat. Mit Hilfe von Anleihekäufen – auch als quantitative easing (Quantitative Lockerung) oder „QE“ bezeichnet - bringt die EZB noch mehr frisches Zentralbankgeld in Umlauf mit dem Ziel die langfristigen Zinsen im Euroraum zu drücken, die Wirtschaft anzukurbeln und die geplante Inflation zu erreichen.

1140 Milliarden Euro – diese unvorstellbare Menge an Geld pumpt die EZB nun ins System und kauft damit Anleihen auf um sich, den Banken und den Krisenländern temporär Luft zu verschaffen. Probleme werden damit nicht gelöst. Dies zeigt überdeutlich, wie verzweifelt und prekär die Situation ist.

Marc Friedrich und Matthias Weik, Finanzexperten und Wirtschaftsautoren.

Marc Friedrich und Matthias Weik, Finanzexperten und Wirtschaftsautoren.

Vor allem hilft Super Mario damit den Banken, den maroden Staaten in Südeuropa, die sich damit weiterhin billig Geld besorgen können. Durch dieses waghalsige Notenbankexperiment erwartet die EZB, dass Banken mehr Kredite vergeben, Anleger mehr investieren und somit die Wirtschaft in Gang kommt. Jedoch enteignet das diabolische Gelddrucken uns Sparer, führt die Altersvorsorge ad absurdum, verhindert dringend erforderliche Reformen im Euroraum und fördert Preisblasen an den Aktienmärkten und den hiesigen Immobilienmärkten.

Die zentralen Punkte der EZB-Anleihekäufe

Gesamtvolumen

Zunächst etwa 1,14 Billionen Euro

Laufzeit

Ab März bis mindestens Ende September 2016 und bis sich die Inflation nachhaltig angepasst hat an eine Rate von knapp 2,0 Prozent.

Was wird gekauft

unter anderem Staatsanleihen mit Investmentgrad (diese sind von mindestens guter Kreditwürdigkeit) mit einer Laufzeit von 2 bis 30 Jahren, Anleihen von EU-Institutionen und Unternehmensanleihen

Aufteilung der Käufe

Die Aufteilung der Anleihekäufe auf die einzelnen Euroländer richtet sich nach dem Landesanteil am EZB-Kapital (Bevölkerungsanzahl und Wirtschaftsleistung). Deswegen werden vor allem deutsche Bundesanleihen gekauft, gefolgt von französischen und italienischen Papieren.

Risikohaftung

Nur 20 Prozent der Anleihekäufe unterliegen einer gemeinsamen Risikohaftung. Dazu zählen die Anleihen von EU-Institutionen, auf die 12 Prozent der Käufe entfallen sollen.

Wir sagen ganz klar: Dieses Notenbankexperiment der EZB wird nicht funktionieren und wird in einem Fiasko enden. Niemals zuvor wurden Probleme mit Gelddrucken gelöst. Schon in Japan, England und in den USA haben diese Notenbankinterventionen keine bis sehr mickrige Auswirkungen erzielt. In den USA sogar mit dem völlig absurden Nebeneffekt, dass die US Notenbank Fed nun der größte Gläubiger der USA ist.
Der freie Markt wird abgeschafft und die Notenbanken betreiben Planwirtschaft - wir alle wissen, dass Planwirtschaft immer im Desaster endete. So wird es auch dieses mal sein.

Jahrelang konnte Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, den planwirtschaftlichen Irrsinn verhindern. Bereits 2012 lehnte er erfolgreich das geplante OMT-Programm zum Kauf von Staatsanleihen überschuldeter Euro-Staaten ab. Er stimmte mehrmals gegen die Senkung des Leitzinses. Doch seine Stimme verliert immer mehr an Gewicht. Wie kann es sein, dass Deutschlands Stimme genauso viel oder wenig wert ist wie die aller anderen Ländern, wir aber, wenn das Projekt schief geht, mit wesentlich mehr haften als alle anderen? Demokratie sieht für uns anders aus – die Diktatur des Geldes schreitet immer weiter voran.

Kommentare (56)

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Frau Helga Trauen

23.01.2015, 13:43 Uhr

Es soll sich keiner beschweren. Die meisten Deutschen haben die Blockparteien gewählt. Wer so dumm ist, dem ist nicht zu helfen. Mitleid ist unangebracht. Die Deutschen werden eben wieder alles verlieren - die deutschen Politiker haben NIEMALS andere Politik gemacht. NIEMALS!

Herr Franz Giegl

23.01.2015, 13:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

23.01.2015, 13:55 Uhr

Volle Zustimmung von mir.

Ich füge hinzu: Raus aus dem Euro!

Für jeden, der jetzt noch irgendwelche Euro-Guthaben hat, die liquidierbar sind, gilt: Weg damit! Tauscht es in Werthaltiges! Aktien, Edelmetalle, eine schöne Reise, ein neues Auto, Konserven und Wein im Keller, selbstgenutztes Wohneigentum ... alles ist besser als Euros!

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