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21.01.2015

16:07 Uhr

Gastbeitrag

Afghanistan-Mission unter falschen Vorzeichen

VonPhilipp Münch

Die Nato geht davon aus, dass die Defizite in den Afghanischen Nationalen Sicherheitskräften vor allem technischer Natur sind. Weil diese Annahme grundlegend falsch ist, ist ein Erfolg der Mission unwahrscheinlich.

Soldaten der afghanischen Armee: Ausbildung wird die Probleme nicht beseitigen können. AFP

Soldaten der afghanischen Armee: Ausbildung wird die Probleme nicht beseitigen können.

Anfang 2015 hat die neue Mission der Nato „Resolute Support“ ihren Dienst in Afghanistan offiziell begonnen. Sie ist mit derzeit rund 13.000 Soldaten sehr viel kleiner als ihre Vorgängerin ISAF, die bis zu 132.000 Angehörige hatte. Anders als ISAF soll Resolute Support nicht selbst in Kämpfe eingreifen, sondern lediglich die Spitzen der Afghanischen Nationalen Sicherheitskräfte ausbilden, anleiten und unterstützen.

Diesem Ansatz liegt die Annahme zugrunde, dass die Sicherheitskräfte im Großen und Ganzen bereits wie moderne Organisationen funktionieren. Als solche würde sich ihre Praxis weitgehend an ihrer formalen Struktur orientieren; ihre Vertreter würden zuvorderst das offizielle Organisationsziel verfolgen. Dies ist jedoch nicht der Fall. Resolute Support ist damit wenig erfolgversprechend.

Die Sicherheitskräfte sind von einer politischen Ökonomie geprägt, die sich auf insbesondere zwei Aspekte zuspitzen lässt: Zum einen bereichern sich ihre Verantwortlichen an den zur Verfügung stehenden Mitteln, zum anderen sind sie unmittelbar in das politische Patronagesystem Afghanistans eingebettet. Signifikante Teile des Führungspersonals aller Teile der Sicherheitskräfte, also der Afghanischen Nationalarmee, der Afghanischen Nationalpolizei und des Geheimdienstes, veruntreuen größere Mengen der von den internationalen Unterstützern bereitgestellten Versorgungsgüter und des sonstigen Materials. Auch bereichern sie sich an den ebenfalls von Gebern finanzierten Gehältern ihrer teilweise nur auf dem Papier existierenden Untergebenen. All dies belegen etwa die regelmäßigen Berichte des Rechnungsprüfers des US-amerikanischen Afghanistan-Engagements, des Special Investigator General for Afghanistan Reconstruction (SIGAR).

Philipp Münch forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zu Afghanistan.

Philipp Münch forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zu Afghanistan.

Insbesondere die Nationalpolizei kassiert oftmals – auf den untersten Ebenen auch wegen ihres geringen, teilweise noch von Vorgesetzten reduzierten Soldes – unrechtmäßig Gelder bei Straßenkontrollen. Hinzu kommen, mitunter auch durch den Geheimdienst, Schutzgelderpressungen oder sogar Entführungen. Die Soldaten der Nationalarmee hingegen sind offenbar seltener hieran beteiligt, was darauf zurückzuführen sein dürfte, dass sie durch ihren Dienst in stets von Aufständischen bedrohten Kasernen und Außenposten stärker von der Bevölkerung abgeschottet sind.

Kommentare (1)

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Herr Johannes Rosendahl

22.01.2015, 18:33 Uhr

Die Dame scheint beratungsresistent zu sein und neigt schwer zur Wichtigtuerei und Geldverschwendung.

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