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21.05.2013

10:58 Uhr

Gastbeitrag

Der Apfel, der das Fass zum Überlaufen bringt?

VonSven Giegold

Apple hat in Sachen Steuergestaltung eigene Ideen. Dafür muss Tim Cook vor den Untersuchungsausschuss des Senats. Vielleicht ist das der Weckruf, dass Steuerschlupflöcher für Unternehmen gestopft werden.

Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen im Europäischen Parlament. dpa

Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen im Europäischen Parlament.

Den anderen immer einen Schritt voraus. Die Kreativität von Steve Jobs ist legendär. An diesem Dienstag muss sich Tim Cook, Apples Vorstandsvorsitzender, vor dem ständigen Untersuchungsausschuss des Senats wegen eines Überschusses an Kreativität verantworten. Denn bei Apple hat sie auch vor aggressiver Steuergestaltung nicht halt gemacht. Vor wenigen Wochen erst ging die Nachricht um die Welt, dass Apple mit einer auf den ersten Blick unsinnigen Kreditaufnahme neun Milliarden US-Dollar Steuern vermieden hat. Jetzt wurde bekannt, dass der Konzern auch noch mittels kreativer Buchhaltung der Öffentlichkeit eine hohe Steuerlast in den USA vortäuschte.

In seinem Geschäftsbericht weist der Konzern eine Steuerquote von 25,2 Prozent aus, obwohl in Wirklichkeit nur 15 Prozent bezahlt wird. Die Differenz ist ein sogenanntes „Reserve Accounting“. Apple dotiert Reserven in seiner Bilanz dafür, dass vielleicht irgendwann einmal in Steueroasen geparktes Geld in die USA zurückgebracht werden muss und dort nachversteuert werden muss. Diese Reserven sind jedoch nur ein buchhalterischer Eintrag und haben nichts mit gezahlter Steuer zu tun. Damit konnte Apple der amerikanischen Öffentlichkeit eine hohe Steuerquote vorspiegeln. Keiner der Wettbewerber nutzt diesen Buchhaltungstrick.

Zudem hatte Apple Ende April einen Kredit von 17 Milliarden Dollar aufgenommen, obwohl der bislang schuldenfreie Konzern fast 150 Milliarden Dollar Cash auf seinen Konten liegen hat. Das ist die größte Kreditaufnahme, die es je an den Kapitalmärkten gegeben hat. Völlig absurd? Wirtschaftlich kann es doch nichts Widersinnigeres geben, als Geld zu negativen Habenzinsen zu bunkern und gleichzeitig Sollzinsen an seine Gläubiger zu zahlen? Nun, das internationale Steuersystem lässt die buntesten Äpfel wachsen.

Während in den USA 35 Prozent Steuern auf Unternehmensgewinne abzuführen sind, gibt es viele Länder, selbst innerhalb der EU wie zum Beispiel die Niederlande, Luxemburg oder Irland, die internationale Unternehmen mit Dumpingtarifen anlocken. Und auch wenn die Öffentlichkeit sich immer wieder darüber echauffiert, sind bei Unternehmen wie Starbucks, Google und auch Apple Gewinne regelmäßig in den Ländern relativ am höchsten, in denen die Steuersätze am geringsten sind. Bei Apple hat dies inzwischen dazu geführt, dass 100 Milliarden Dollar in solchen Steueroasen aufgelaufen sind. Kein Wunder bei einer Steuerquote von ein Prozent auf die internationalen Gewinne des Konzerns.

Dummerweise sind diese Länder in der Regel nicht die wichtigsten Märkte für die Unternehmen. Also können dort wenig sinnvolle Investitionen getätigt werden. Wohin also mit dem Geld? Bevor es an die Aktionäre ausgeschüttet werden kann, muss es in den USA mit bis zu 35 Prozente nachversteuert werden.

Wie gut für den iPhone Hersteller, dass es derzeit eine Liquiditätsschwemme auf den Kapitalmärkten gibt. So kann Apple seinen Aktionären dieses Jahr eine um 17 Milliarden Dollar höhere Dividende ausschütten, ohne vorher in den USA neun Milliarden Dollar Steuern auf diese Gewinne zahlen zu müssen.

Kommentare (16)

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metternich

21.05.2013, 11:46 Uhr

Apple´s Hinweis auf die hohe Anzahl der Beschäftigten im Unternehmen ist nichts weiter als eine unverhohlene Drohung und die offene Forderung an die Politik, gefälligst die steuerliche Spezialbehandlung weiterhin zu ermöglichen.

Im Kern ist so eine steuerliche Sonderbehandlung demokratiefeindlich und zerstört den gesellschaftlichen Zusammenhalt, dürfte aber auch in unserem Land der Normalfall sein.

Man muss davon ausgehen, dass auch unsere Politiker in schöner Regelmässigkeit steuerliche Sonderregeln schaffen, weil sie sich der Keule der Entlassungen bzw. Abwanderung beugen.

Eine Erosion unserer demokratischen Kultur wird damit seitens der Politik billigend in Kauf genommen.

Account gelöscht!

21.05.2013, 11:57 Uhr

Weshalb in die Ferne schweifen wenn das Gute liegt so nah'?
Der Bundesstaat Delaware ködert innerhalb der USA mit Dumpingsteuersätzen.

abc

21.05.2013, 12:37 Uhr

Machen wir es kurz: Apple hat _kein_ Gesetz gebrochen. In keinem der Staaten. Das ist die Aussage der US-Regierung.

Was der Autor jetzt macht, nennt man moralisieren "Oh, die versuchen Steuer zu vermeiden". Aber mal ehrlich: Wer hier im Forum zahlt freiwillig mehr Steuer als er müsste? Also so als Geschenk an den Staat "liebe notleidende Bundesrepublik anbei 1000,- EUR für weiteres fröhliches verprassen".

Von daher: Die Motivation des Artikels (und der zustimmenden Leser) ist Neid. Nackter, ungezügelter Neid.

Was ich wünsche ist: Alle Selbständigen und Unternehmer dieses Landes würden für ein paar Monate streiken. Ja, streikende Unternehmer. Nach dem Zusammenbruch des Staaten kann man dann anfangen eine neue, gerechte Welt aufzubauen. Also ohne Neid-Politiker, ohne Umverteiler.

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