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10.08.2012

13:01 Uhr

Gastbeitrag

Der FDP fehlen Persönlichkeiten

VonWolfgang Kubicki

Die Liberalen verfügen über genügend programmatische Substanz. Aber um diese umzusetzen, brauchen sie die Beteiligung an einer Regierung - und überzeugende Persönlichkeiten, die diese Politik glaubwürdig verkörpern.

Wolfgang Kubicki ist Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Kiel. dapd

Wolfgang Kubicki ist Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Kiel.

In seinem Handelsblatt-Gastbeitrag "Nichts läuft so richtig zusammen" vom 8. August 2012 wirft mir Wolfgang Gerhardt vor, es bliebe schon immer mein "Geheimnis, welche Politik substanziell gemacht werden sollte". Daher sei seiner Ansicht nach die aktuelle Diskussion über eine Ampelkoalition im Bund eher dazu geeignet, ein Sommerloch unterhaltsam zu füllen. Ferner spricht er davon, dass die FDP keinen überzeugenden Politikentwurf hat. Dass Wolfgang Gerhardt seiner Partei als Vorsitzender der Stiftung für die Freiheit diese letztgenannten Worte ins Stammbuch schreibt, hat mich sehr verwundert.

Es ist ein vernichtendes Urteil über eine Partei, deren Vorsitzender er sechs Jahre lang war. Hier stellt sich für mich unweigerlich die Frage, welchen Beitrag er in dieser Zeit dazu geleistet hat, einen überzeugenden liberalen Politikentwurf mitzugestalten. Zugleich frage ich mich, was er für seine Aufgabe als Vorsitzender der "Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit" - also des liberalen Think-Tanks in Deutschland - hält, wenn es dort nicht um die Hervorbringung liberaler Konzepte geht.

Gastbeitrag: FDP braucht keine täglichen Wasserstandsmeldungen

Gastbeitrag

FDP braucht keine täglichen Wasserstandsmeldungen

Diskussionen über Ampelkoalitionen bringen die FDP nicht weiter. Die Liberalen brauchen vielmehr einen überzeugenden Politikentwurf und ein klares Bekenntnis zum Fortschritt.

Ich halte den von Wolfgang Gerhardt in seinem Gastbeitrag skizzierten Weg, die Freiheitsidee mit dem Fortschrittsthema zu verbinden, schon im Ansatz für reichlich akademisch und daher für wenig geeignet, die FDP aus diesem Dilemma zu führen. Denn wie hat sich die Wählerschaft die praktische Umsetzung dieses Weges vorzustellen? Ich befürchte, wir werden noch weniger gehört, wenn wir versuchen, dieses Problem philosophisch zu lösen. Vielmehr müssen wir den Menschen plausibel erklären, was die Umsetzung liberaler Politik für den Einzelnen im Alltag bedeutet. Ein überzeugender Politikentwurf muss handhabbar, nahbar sein und sollte nicht nur Freiheitsgefühle hervorrufen.

Entgegen der Auffassung Wolfgang Gerhardts mangelt es der FDP nicht an einem überzeugenden Politikentwurf, es mangelt ihr derzeit vielmehr an überzeugenden Persönlichkeiten, die diesen Politikentwurf glaubwürdig verkörpern. Ein Blick in die liberale Geschichte zeigt, dass der - noch immer richtige - Anspruch der Freiburger Thesen, "das größte Glück der größten Zahl" zu erstreben, auch heute mit liberaler Programmatik zu beantworten ist. So wäre die wirtschaftsliberale Antwort auf die heutigen Finanzmarktprobleme eben nicht, der freie Markt regele sich schon von alleine.

Kommentare (15)

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Kapturak

10.08.2012, 13:25 Uhr


Bei der letzten Bundestagswahl hat die FDP 14 % eingefahren. Das zeigt, dass es in Deutschland ein großes Bedürfnis nach liberaler Politik gibt. Aber die FDP hat ihre Wähler enttäuscht. Die FDP hat keine Ideen, ist nicht durchsetzungsstark, ihre Politiker sind Schulbuben in Anzügen.

Man muß sich nur mal vorstellen, was die Grünen oder die Linkspartei durchsetzen würden, wenn diese mit 14 % in einer Bundesregierung sitzen würden.

smarty_32

10.08.2012, 14:50 Uhr

Völlig richtig, liberales, freiheitliches Denken findet in Deutschland Anhängerschaft und hat sicher 15%-20% Potential. Gerade die Finanzmärkte zeigen doch das Haftung und Rendite Hand in Hand gehen sollten. Ist es nicht grotesk das eine Sprecherin der kommunistischen Plattform hierzu die EINZIGSTEN brauchbaren Vorschläge macht!!!
Eins ist klar: Das liberale Potential muss von einer ehrlichen Partei aufgegriffen werden. Die FDP hat völlig versagt und das seit Hr. Genscher!
Lieber Herr Kubicki, Ihr Favorit Hr. Lindner ist sicher nicht die Persönlichkeit, welche die tugendhaften Ansprüche vorleben kann, die auferlegen. Es reicht nicht Porsche zu fahren und gleichzeitig sich vor Verantwortung zu drücken und bis heute keine Referenzen E R A R B E I T E T zu haben!
Ergo: Die FDP ist luftleer, personellel verschlissen und somit hat die Partei -gemäß Ihren Worten- 100% verschissen. Die Freien Wähler werden die neue Heimat!

easyway

10.08.2012, 14:56 Uhr

Was sind denn liberale Inhalte? Steuersenkungen, Steuergeschenke, Aktienzockerei, billige Massenimporte aus China, Senkung der Lohnnebenkosten, also die Erhöhung des Arbeitnehmeranteils, ein breiter Niedriglohnsektor, der ureigenste Idee der FDP war, die Brüssel-Choce, der Euro, die Homo-Ehe, mit der jetzt neue Wählergruppen gewonnen werden sollen.

Die liberalen "Leistungsträger" verschieben gerade ihre Milliarden von der Schweiz nach Hongkong und verzischen sich hoffentlich gleich mit.


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