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12.02.2014

12:59 Uhr

Gastbeitrag

Der Fluch der Kavaliersdelikte

VonStefan Bach

Wenn Alice Schwarzer oder Uli Hoeneß durch Sünden ihrer Vergangenheit eingeholt werden, ist die Empörung groß. Hilfreich wäre nach der Hysterie mehr Demut der Täter und eine Abwicklung der Fälle mit Augenmaß.

Kein Kavaliersdelikt! Die „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer hat zugegeben, über viele Jahre ein Schweizer Konto vor den deutschen Steuerbehörden verheimlicht zu haben. Für die vergangenen zehn Jahre habe sie rund 200.000 Euro Steuern nachgezahlt - plus Säumniszinsen. dpa

Kein Kavaliersdelikt! Die „Emma“-Herausgeberin Alice Schwarzer hat zugegeben, über viele Jahre ein Schweizer Konto vor den deutschen Steuerbehörden verheimlicht zu haben. Für die vergangenen zehn Jahre habe sie rund 200.000 Euro Steuern nachgezahlt - plus Säumniszinsen.

„Wir sind alle kleine Sünderlein, der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih‘n“. So sang einst der Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch in rheinisch-katholischer Zuversicht. Kleine Sünden bestraft der Liebe Gott bekanntlich sofort, mit kleinen Strafen. Aber wie ist es bei den größeren Sünden? Die man vor längerer Zeit begangen und längst verdrängt hatte, die plötzlich ruchbar werden? Den „Leichen im Keller“?

Deutschlands Eliten sind nervös. Seit die Steueroasen in der Nachbarschaft trocken gelegt werden und der Fiskus sich nicht zu fein ist, in Kopfgeldjägermanier Konteninformationen anzukaufen, müssen Zehntausende um ihre Entdeckung fürchten. Die Selbstanzeige vermeidet zwar die Bestrafung. Dafür zerstört die moralische Entrüstung Karrieren, bürgerliche Existenzen und öffentliches Ansehen. Prominente werden in den Medien an den Pranger gestellt. Dazu werden Informationen durchgestochen, spektakuläre Hausdurchsuchungen und Verhaftungen liefen die Bilder dazu.

Steuergestaltung und -hinterziehung war jahrzehntelang ein Breitensport der besseren Stände in Deutschland. Bei hohen Grenzsteuersätzen war die Versuchung für viele unwiderstehlich, ihr Geld vor dem Fiskus zu verbergen. Das Risiko war gering, denn der Fiskus schaute nicht so genau hin und die Steueroasen hielten dicht. Und wenn mal ein Fall notorisch wurde, häufig durch Indiskretionen gehörnter Ehefrauen, verstoßener Geliebter oder übelwollender Geschäftspartner, wurden die Fälle geräuschlos abgearbeitet, mitunter sogar großbürgerlich erledigt.

Nicht nur bei der Steuerhinterziehung haben sich die moralischen Standards verschärft.  Auch in anderen Bereichen schaut man heute genauer hin. Die deutsche Titelhuberei hat zu vielen Schmalspur-Dissertationen geführt, bei denen es nicht immer mit rechten Dingen zuging. Allzu unverhohlene Annäherungsversuche werden heute öffentlich gemacht, während früher jüngere Frauen Freiwild waren.

Kommentare (7)

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Enrico

12.02.2014, 13:35 Uhr

Was sie so liebvoll als Sünde bezeichen ist ein Verbrechen, welches mit Strafen bis zu 10 Jahren belgt werden kann.

mon_yburns@central.banktunnel.eu

12.02.2014, 13:42 Uhr

Dank Alice Schwarzer ist Prostitution in Deustchland endlich ein "ordentlicher" Beruf. Die Luden (Zuhälter) quer durhc die Republik und diejenigen wleche die Frauen mit Drogenverkäufen in die Abhängigkeit und Prostitution treiben saen Danke, Alice Schwarzer.

Literatur: Jogschies, Rainer, Make love not war!
http://www.amazon.de/Make-love-war-entspannten-Siebziger/dp/3548349617

Account gelöscht!

12.02.2014, 14:30 Uhr

In den Artikeln des Handelsblattes wird die Steuerhinterziehung verharmlost. Als wäre es ein Kavaliersdelikt der Wohlhabenden, gang und gäbe und sollen die kleinen Bürger doch brav zahlen, sie können schließlich bei der Steuererklärung - ausser ihrem Arbeitszimmer und Kilometergeld - nicht viel schummeln.
Egal wie es moralisch bewertet wird: Steuerhinterzieher und Steuerflüchtige betrügen die Gesellschaft, sie gehören an den öffentlichen Pranger und ab einem gewissen Betrag hinter Gitter. Kein Pardon. Die Gesellschaft hat ein Recht darauf zu erfahren wer sie betrogen hat. Leider haben wir in Deutschland den Status einer Bananenrepublik was die Behandlung von Steuerstraftätern darstellt. Prominenz genügt und das Vorzeigen eines -Lebenswerkes- dann spielen Staatsanwälte und Richter mit. In der Öffentlichkeit zu stehen bedeutet einen Freibrief zu besitzen.

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