Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.09.2012

17:10 Uhr

Gastbeitrag

Der Marathon-Mann

VonArnulf Baring

Von allen Bundeskanzlern konnte sich Helmut Kohl am längsten im Amt halten. Vor 30 Jahren wurde er an die Macht gewählt, gewürdigt vor allem für seine außenpolitischen Erfolge. Ein Karriererückblick.

Das Dritte Reich erlebte Helmut Kohl als Kind und Jugendlicher. dapd

Das Dritte Reich erlebte Helmut Kohl als Kind und Jugendlicher.

Unter den deutschen Nachkriegskanzlern hat sich Helmut Kohl am längsten im Amt halten können. Anfang Oktober 1982 wurde er gewählt, das jährt sich jetzt zum 30. Mal. Und er blieb bis 1998 an der Macht. Alle Kanzler zwischen Adenauer und Schröder -Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl - haben gemeinsam, dass sie, wenn auch in unterschiedlicher, ja gegensätzlicher Weise, vom Dritten Reich geprägt worden sind. Am wenigsten gilt das für Helmut Kohl.

Da er 1930 geboren wurde, konnte er als Jugendlicher natürlich weder in der Partei noch im Militär, auch nicht im Widerstand sein. Im Spätherbst 1944 nach Oberbayern verfrachtet, hat er dort das Kriegsende unbeschadet erlebt. Er gehört im Grunde zur Nachkriegsgeneration. Als Adenauer Kanzler wurde, war er 73 Jahre alt, hatte also nach menschlichem Ermessen sein Leben hinter sich. Die Zeiten, die ihn geprägt hatten, lagen lange zurück.

Er war 1876 geboren, also fünf Jahre nach der Gründung des kleindeutschen Kaiserreichs. Er hatte, woran er sich noch im Alter empört erinnerte, in seiner Jugend den Kulturkampf Bismarcks gegen die Katholiken erlebt. Als Erwachsener färbte der Stolz auf die erstaunlichen Leistungen der neuen industriellen Großmacht in der Mitte Europas auf ihn ab. Zeitlebens verkörperte er die Würde, das selbstbewusste Lebensgefühl des wilhelminischen Deutschland.

Biographie: Machtmensch mit Harmoniebedürfnis

Biographie

Machtmensch mit Harmoniebedürfnis

Der Politikwissenschaftler Hans-Peter Schwarz hat sich ausführlich mit dem Leben und Wirken Helmut Kohls beschäftigt. Er zeichnet ihn als respektablen Europäer - aber er spart auch dunkle Kapitel nicht aus.

Ganz anders wirkte Hitlers Herrschaft auf die Gruppe unserer Kanzler zwischen Adenauer und Schröder. Erhard, 1933 sechsunddreißig Jahre alt, wissenschaftlicher Assistent und später Leiter eines Industrieforschungsinstituts, konnte jene zwölf Jahre im Grunde als graue Maus am Rande des Geschehens unbehelligt überleben. In aller Stille bereitete er nebenbei die Nachkriegszeit vor, arbeitete insgeheim an Denkschriften, in denen er skizzierte, was nach dem Zusammenbruch zu tun sei, um das Land wieder auf die Beine zu bringen.

Bundeskanzler Willy Brandt kniet am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau. Von seinen politischen Gegnern wurde Brandt Landesverrat vorgeworfen. dpa

Bundeskanzler Willy Brandt kniet am 7. Dezember 1970 vor dem Mahnmal im einstigen jüdischen Ghetto in Warschau. Von seinen politischen Gegnern wurde Brandt Landesverrat vorgeworfen.

Kiesinger war bei der Machtergreifung 29 Jahre alt. Wie konnte, wie sollte man sich mit den neuen politischen Verhältnissen arrangieren? Seine zeitgemäße Antwort war zweideutig. Einerseits schloss er sich sofort der Partei an, trat ihr im Februar 1933 bei. Auf der anderen Seite verzichtete er darauf, eine Stelle im Staatsdienst anzustreben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er eine Weile inhaftiert, aber dann, bei der Entnazifizierung, als Mitläufer eingestuft, also entlastet. Das hinderte politische Gegner nicht, ihm während seiner Kanzlerschaft in der Großen Koalition Ende der sechziger Jahre seine NSDAP-Mitgliedschaft bisweilen lautstark zum Vorwurf zu machen.

Kommentare (23)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

diekonfusen

15.09.2012, 16:28 Uhr

der weltökonom schmidt,als kanzler mit seinem wirtschaftslatein am ende,dann von seinen reichen freunden gepampert,mag ja heute noch alles besser wissen,wirklich erfolgreich war der superdemokrat in der installation des radikalenerlasses.

jedesmal,wenn ich den greis im fernsehen salbadern höre,frag ich mich ,warum den keiner vor sich selbst schützt.

da is ja der hochdruck arnulf noch ne spur lauter mitunter sogar klarer mit vielen tonnen meinung be- und geladen

Account gelöscht!

15.09.2012, 16:47 Uhr

Einfach nur ekelhaft. Dieser selbstgerechte, korrupte und unbelehrbare Euromantiker ist einer der Sargnägel des Wohlstands in Deutschland. Anstatt ihm zu huldigen sollte man ihne eher verbannen, am besten auf eine einsame griechische Insel.

svebes

15.09.2012, 17:30 Uhr

tja, jeder andere wäre im Knast - der Seilschaftenjongleur soll auch noch gefeiert werden? Die Wiedervereinigung kostet niemanden auch nur eine Mark extra, etc, pp.. Einfach in die Versunkung mit dem und fertig.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×