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02.04.2014

10:15 Uhr

Gastbeitrag

Der Westen kann nicht ohne Russland

VonEkkehard Brose

Wie aber geht es weiter in der Ukraine? Der Westen ist bei seiner Unterstützung für die Ukraine auf Moskau angewiesen. Ein Dauerkonflikt würde das politische Klima auf Jahre vergiften und Russland selbst enorm schaden.

Kremlchef Wladimir Putin hat mit einem rücksichtslosen Fakten-Schaffen begleitet von völkischen Untertönen die ganze Region verschreckt. ap

Kremlchef Wladimir Putin hat mit einem rücksichtslosen Fakten-Schaffen begleitet von völkischen Untertönen die ganze Region verschreckt.

Wladimir Putins Landnahme auf der Krim hat die politische Großwetterlage geändert. Die Unsicherheit über seine Motive und sein weiteres Vorgehen ist groß; die Entwicklung in der Ukraine selbst ungewiss. Allerdings: Weder Russland noch der Westen können der Entstehung eines großen versagenden Staatswesens in Europa tatenlos zusehen. Der Westen wird bei seiner Unterstützung für die Ukraine auf ein konstruktives Zusammenwirken mit Moskau angewiesen sein.

Die Auflösung der Sowjetunion und ihres Machtbereiches ist das Trauma einer ganzen Generation im daraus hervorgegangenen Rumpfstaat Russland. Staatspräsident Putin hat dieses Empfinden in eine politische Strategie umgemünzt, welche Russland konsolidieren und Schritt um Schritt wieder auf Augenhöhe mit den USA führen soll. Er weiß, dass dazu neben militärischer Macht vor allem eine breite, leistungsfähige wirtschaftliche Basis unabdingbar ist. Auch deshalb positioniert sein Eurasien-Konzept Russland als Brücke zwischen dem aufstrebenden Asien und einem wohlhabenden Europa, an der wirtschaftlich und politisch kein Weg vorbei führen soll.

Ekkehard Brose ist Ministerialdirigent im Auswärtigen Amt. SPW

Ekkehard Brose ist Ministerialdirigent im Auswärtigen Amt.

Die Annexion der Krim stellt das strategische Ziel Russlands gleich mehrfach in Frage. Putins rücksichtsloses Fakten-Schaffen begleitet von völkischen Untertönen verschreckt die ganze Region. Eurasien ist als Zwangsjacke sowjetischen Musters entlarvt und politisch tot. Auch die ohnehin prekäre russische Wirtschaft wird weiter geschwächt. Die Krim mit ihren schwerwiegenden Wirtschaftsproblemen lastet nunmehr zusätzlich auf Russland.

Westliche Investitionen, als Quelle von Innovation für Russland unerlässlich, werden spärlicher fließen. Währungskurs, Aktienmarkt und Kapitalexporte senden bereits heute die untrüglichen ersten Zeichen. Putin zahlt für sein Vorgehen auf der Krim selbst gemessen an seinen eigenen Zielen einen sehr hohen Preis. Eine weitere Destabilisierung der Ukraine würde den Preis ins Unermessliche steigern. Deshalb erscheint eine weitere Aggression Russlands derzeit wenig plausibel. Das ist eine rationale Erwartung; keine Garantie. Der Westen muss für alle Fälle vorbereitet sein: Sollte Russland über die Krim hinaus weiter ausgreifen, militärisch drohen oder anderweitig destabilisierende Schritte unternehmen, so werden weitreichendere, schmerzhafte Sanktionen des Westens unausweichlich.

Wie aber geht es weiter in der Ukraine? Eine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage wird der Westen nur zusammen mit Russland finden können. Sie wird schon sehr bald zur Gretchenfrage der Gestaltung des weiteren Ost-West-Verhältnisses werden.

Kommentare (9)

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02.04.2014, 10:34 Uhr

Das hat unsere Regierung gut gemacht: Anstelle guter Geschäfte mit Rußland können wir jetzt die Ukraine dauerhaft mit Milliardenbeträgen finanzieren. Der deutsche Michel (Steuerzahler, Sparer, Renter) ist begeistert!

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02.04.2014, 10:47 Uhr

Zitat : Der Westen kann nicht ohne Russland

- hier muss erstmal definiert werden, was "der Westen" darstellt.

Due Europäer können nicht ohne Russland, zumal Russland in Europa ist. Hier kann man nur MIT Russland oder GEGEN Russland !

Die Amis können ohne Russland !

Da die Europäer im fremden Vorgarten gegrast haben, weil wohl geglaubt haben ohne Russland zu können,

werden sie jetzt die Rechnung dafür bekommen : ein 10-faches Griechenland zum Durchfuttern steht vor der Haustür !

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02.04.2014, 13:24 Uhr

Die Krim ist nicht das eigentliche Problem, wohl eher ein Ablenkungsmanöver. Wir haben in Kiew eine nicht demokratisch legitimierte Regierung, die nicht vom Volk akzeptiert wird. Diese komischer Weise von Westeuropa anerkannte Regierung macht internationale Verträge mit dem IWF usw. Aus den IWF-Auflagen wird möglicherweise ein Aufstand resultieren, da viele Ukrainer schlicht nichts mehr zu essan haben werden.
Die Gretchenfrage ist, wie wird sich der Westen im Falle eines durchaus möglichen Bürgerkrieges verhalten? Russlands Position kennen wir ja schon.

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