Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.05.2013

16:16 Uhr

Gastbeitrag

Deutschen Bank straft eigene Lobbyisten Lügen

VonSven Giegold

Jahrelang hat die Bankenlobby behauptet, die härteren Eigenkapitalvorschriften von Basel III würden Kapitalerhöhungen von Banken nahezu unmöglich machen. Der Fall „Deutsche Bank“ zeigt, wie unsinnig dieses Argument ist.

Sven Giegold ist Finanzexperte der Grünen im Europäischen Parlament. dpa

Sven Giegold ist Finanzexperte der Grünen im Europäischen Parlament.

BrüsselDie Deutsche Bank konnte am Montag fast drei Mrd. Euro zusätzliches Eigenkapital innerhalb nur weniger Stunden an der Frankfurter Börse einsammeln. Trotz deutlicher Verwässerung der Altaktionäre ist der Aktienkurs der Deutschen Bank am Dienstag nicht eingebrochen, sondern um über sieben Prozent gestiegen. Jahrelang hatte die Bankenlobby versucht, die härteren Eigenkapitalvorschriften von Basel III zu hintertreiben, weil angeblich Kapitalerhöhungen für Banken zu absurden unattraktiven Bedingungen möglich seien. Nun führt die Deutsche Bank eine der erfolgreichsten Kapitalerhöhungen der letzten Jahre durch und straft ihre bisherigen Aussagen Lügen.

Vielleicht hatte Bankchef Anshu Jain Gelegenheit "the Banker's new clothes" zu lesen, Professor Hellwigs neues Buch, in dem er zusammen mit Professor Admati aus Stanford so überzeugend darlegt, warum höhere Eigenkapitalquoten nicht nur sinnvoll sondern auch problemlos realisierbar sind. All die Schreckgespenste der Bankenlobby, weshalb strengere Eigenkapitalregeln unrealistisch und schädlich seien, sind wenig ernst zu nehmen. Das gleiche gilt für die ständig geäußerte Sorge, der Aktienkurs der Banken müsse zwangsläufig nach einer Kapitalerhöhung einbrechen.

Die nächste Strophe dieses Liedes lautet: Höhere Eigenkapitalquoten würden zu einer Verkürzung der Bilanzen und damit zu Kündigungen von Krediten führen. Dabei sind die Bilanzen sind nicht wegen der Mittelstandskrediten so aufgebläht sondern wegen ihres Eigenhandels und Interbankengeschäftes. Klassische Kredite machen nur noch etwa ein Drittel des Bankgeschäftes der Großbanken aus.

Eine Erhöhung des Eigenkapitals führe zu einer Kreditklemme, weil dann Geld unproduktiv vorgehalten werden müsse. Unsinn. Eigenkapital wird nicht vorgehalten sondern investiert. Es ist nur eine Form der Refinanzierung der Banken.

Eigenkapital sei zu teuer als Refinanzierung. Noch so ein Mythos. Eigenkapital ist allenfalls teuer, wenn man massiv überschuldet ist und kein Kapitalgeber dem Unternehmen mehr traut. Fremdkapital ist auch unschlagbar billig, wenn der Staat Fremdkapital subventioniert, durch die Abgeltungssteuer, und noch mehr durch den staatlichen Rettungsschirm für too big to fail Banken. Diese Subventionen werden auf mehrere Hundert Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Ist das nicht so, als ob wir die Chemieindustrie dafür subventionieren würden, dass sie absichtlich möglichst viel Gift in unsere Flüsse leitet? Die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank zeigt jedenfalls, dass zusätzliches Eigenkapital nicht unbedingt teuer ist, sondern im Gegenteil den bestehenden Aktionären zu einem deutlichen Kursgewinn verhelfen kann.

Es wäre schön, wenn Herr Jain diese Erkenntnis auch an Bundesfinanzminister Schäuble weiterleiten könnte, damit endlich auch die deutsche Bundesregierung versteht, dass eine stringente Bankenregulierung auch ein Standortvorteil für die heimischen Banken ist. Der Kurssprung der Deutschen Bank Aktie gestern ist eine Bestätigung der Position der Grünen Fraktion im Europaparlament und Bundestag. Klare Eigenkapitalregeln – eine Schuldenbremse für Banken – sorgen dafür, dass nie wieder die Allgemeinheit für Bankenrettung zur Kasse gebeten wird und sie machen Bankaktien endlich wieder attraktiv für Investoren.

Daher hat die Fraktion der Grünen im Europaparlament so für härtere Eigenkapitalregeln gekämpft und nach extrem harten Verhandlungen, insbesondere mit der deutschen Bundesregierung, 2% Punkte zusätzliches Eigenkapital für global systemisch wichtige Banken durchgesetzt. Allerdings setzt die bisherige Umsetzung von Basel III in Europa ausschließlich auf die sogenannte Risiko gewichtete Eigenkapitalquote, die es den Banken erlaubt, viele Aktiva als risikoarm oder gar risikofrei zu klassifizieren und dafür wenig oder überhaupt kein Eigenkapital einzusetzen. Die Krise hatte gezeigt, dass auch AAA geratete Wertpapiere im großen Stil ausfallen können.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

milo

03.05.2013, 02:09 Uhr

Mit anderen Worten, die banker lassen ihre Lobbyisten einfach Unsinn verbreiten und machen dann genau das Gegenteil von dem, was die Lobbyisten fordern. Die Politik ist daemlich genug, den Einfluesterungen der Lobbyisten devot Folge zu leisten. Die Banker, ein verlogenes Haeufchen Abschaum, das ist die reale Welt.

BanksterBashing

03.05.2013, 10:57 Uhr

Ich hätte da mal einen Vorschlag!

Wenn die Kernkapitalquote 25% beträgt, darf die Bank normale Steuer bezahlen. Wenn nur 10% Kernkapitalquote dann wird Zockersteuer wie bei Glücksspielen erhoben.

Einfach, hart aber fair!

Account gelöscht!

07.05.2013, 00:17 Uhr

Wenn Sven Gievold von den Grünen so besorgt um die Macht der "Banken-Lobby" ist, warum haben die Grünen dann die Euro-Rettungs-Politik der Kanzlerin einschließlich den ESM-Verträgen unterstützt- eine Politik dessen Hauptprofiteure internationale Großbanker sind:

hwertasblog.wordpress.com/2013/04/09/merkel-und-der-euro-dienen-beide-der-internationalen-hochfinanz-was-sie-uber-den-eurobetrug-wissen-mussen/


Die Wahrheit ist doch: Die Grünen machen Politik zum Wohle und im Interesse der internationalen "Banklobby"-

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×