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21.05.2014

13:24 Uhr

Gastbeitrag

Deutschlands Alternativen zu Russlands Gas

VonJürgen Trittin und Oliver Krischer

Die Idee des polnischen Premiers Donald Tusk zu einer Energieunion in Europa taugt nicht, um unabhängiger von russischen Energieimporten zu werden. Nötig ist vielmehr der Rückgriff auf die heimischen Ressourcen.

In dem sächsischen Ort Sayda im Erzgebirge direkt an der deutsch-tschechischen Grenze kommt Erdgas aus Russland an. ap

In dem sächsischen Ort Sayda im Erzgebirge direkt an der deutsch-tschechischen Grenze kommt Erdgas aus Russland an.

Der Konflikt mit Russland in der Ukraine-Krise hat ein europäisches Dilemma ins Licht der Öffentlichkeit gebracht: Die Abhängigkeit von Energieimporten engt die Souveränität Europas massiv ein. Wiederholt drohte der Kreml mit dem Stopp von Erdgaslieferungen in die Ukraine und setzt damit auch die EU unter Druck.

Wer einen Beleg für dieses Dilemma braucht, muss nur die Debatten um Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland verfolgen. Auch wenn immer wieder der Name „Gazprom“ fällt, wird es wohl dabei bleiben, dass Konzernchef Alexej Miller nicht auf europäischen Sanktionslisten auftauchen wird. So sehr möchte man sich dann doch nicht ins eigene Fleisch schneiden.

Als Reaktion auf dieses Dilemma hat der polnische Ministerpräsident Tusk eine „Europäische Energieunion“ vorgeschlagen. Europa solle seine Marktmacht stärken und in Zukunft als vereinter Großkunde russisches Gas kaufen. Und natürlich sollen  die Kohle- sowie Schiefergasvorräte in der EU voll genutzt werden. Bundeskanzlerin Merkel hat für diese Vorschläge bereits die Unterstützung der Bundesregierung signalisiert.

„Selbstmord aus der Angst vor dem Tod“ scheint die Devise zu sein. Statt die Herausforderung anzunehmen und die Unabhängigkeit von Energieimporten und Klimaschutz zum obersten europäischen Ziel zu erklären, soll das fossile Zeitalter krampfhaft fortgeschrieben werden. Und wenn es nach Akteuren wie Günther Oettinger ginge, dürfte sogar die Atomkraft eine Renaissance erleben. Ein Irrweg, der uns teuer zu stehen kommen wird. Diese Strategie ist rückwärtsgewandt und verhindert die angestrebte größere Unabhängigkeit bei der Energieversorgung. Was wir wirklich brauchen ist eine „Union für Klimaschutz, Importunabhängigkeit und Versorgungssicherheit“.

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Der Rückgriff auf die Reste fossiler heimischer Energien widerspricht diametral den nationalen und europäischen Klima- und Energiezielen und zieht erhebliche Umweltschäden nach sich. Eine europäische Fracking-Union wäre ein Schritt zurück und nicht nach vorn. Fracking in Europa ist nicht nur wegen der öffentlichen Widerstände und der ökologischen Folgen kein Weg, sondern Aufwand und erwartbarer Nutzen stehen in keinem Verhältnis.

Es leistet damit keinen Beitrag zur Lösung des eigentlichen Problems. Was wir brauchen bei Debatten um eine Energieunion ist der Fokus auf die wahren heimischen Ressourcen: Erneuerbare, Energiesparen und Energieeffizienz. Und die Herausforderungen des Klimawandels verschwinden nicht im Pulverdampf und Kettengerassel. Nur wenn wir sie mutig angehen, können wir auch einen Ausweg aus einer gegenseitigen Abhängigkeit finden.

Deutschland verschwendet über vier Prozent seines Bruttosozialprodukts für Energieimporte. Wir kaufen für mehr Milliarden Euro Energie im Ausland ein, als wir pro Jahr in die viel gescholtene EEG-Umlage investieren. Ein Großteil der fossilen Energieimporte wird für das Beheizen von Gebäuden und für industriellen Prozesse verwendet – allein 85 Prozent des Erdgases. Das muss nicht sein.

Durch eine konsequente Effizienzstrategie im Wärmebereich könnte die Erdgasabhängigkeit von Russland in den kommenden zehn Jahren halbiert werden. Wir könnten zudem jährlich drei Prozent unseres Gebäudebestandes energetisch sanieren und damit wirklich nachhaltig unabhängig werden.

Kommentare (10)

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21.05.2014, 14:07 Uhr

Die Alternative heißt mehr Kernkraftwerke!

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21.05.2014, 14:41 Uhr

Mit den Russen konstruktive Lösungen finden, heißt die Devise.

Account gelöscht!

21.05.2014, 14:50 Uhr

Tritt-ihn!!! Mehr nicht!

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