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02.08.2014

15:40 Uhr

Gastbeitrag

Die Diplomatie darf nicht versagen

VonMichael Paul

Im August 1914 begann der Erste Weltkrieg. 100 Jahre später bedroht der Ukraine-Konflikt die Menschen. Die Sicherheit in Europa ist gefährdet, sagt Michael Paul. Und sie kann nur gemeinsam mit Russland garantiert werden.

In der Ukraine fahren Panzer vor, die Lage ist unsicher. AFP

In der Ukraine fahren Panzer vor, die Lage ist unsicher.

Der Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 erinnert dieser Tage daran, wie Kriege entstehen können. Trotz der engen Beziehungen der gekrönten Häupter damals. Heute vermitteln institutionelle Mechanismen zur Krisenprävention – Uno, OSZE, Euro-Atlantischer Partnerschaftsrat – ein Gefühl der Sicherheit.

Der Vergleich zwischen 1914 und heute, zwischen Europa am Vorabend des Ersten Weltkriegs und aktuellen Krisenherden in der Welt, ist natürlich problematisch. Analogien zwischen dem Großen Krieg 1914 und dem Ukraine-Konflikt, der sich inzwischen mit russischer Unterstützung zum Krieg entwickelt hat, oder der brisanten Situation in Ostasien, sind ebenso mit Vorsicht zu beurteilen.

Aber was geschichtliche Erfahrungen lehren oder zu lehren vorgeben, beeinflusst häufig das Verhalten politischer Entscheidungsträger. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie bietet Analogien, die – ob zutreffend oder nicht – häufig als Orientierung dienen können. So können Faktoren identifiziert werden, die eine konfrontative Situation und deren Eskalation zum Krieg ermöglicht haben. Daran anknüpfend stellt sich die Frage, wie sich diese unter ähnlichen oder anderen Bedingungen entwickeln könnten und wie eine Verkettung unglücklicher Umstände zu verhindern ist.

Michael Paul forscht bei der Stiftung Politik und Wissenschaft (SPW).

Michael Paul forscht bei der Stiftung Politik und Wissenschaft (SPW).

So lautete in den Zwischenkriegsjahren die Devise „No more summers of 1914“. Britische und französische Politiker meinten, dass der Erste Weltkrieg aus Überreaktion und rigider Diplomatie entstanden war. Eine Folge dieser Auffassung war die Appeasement-Politik der 1930er Jahre, die verhinderte, dass Adolf Hitlers revisionistisch-expansionistische Politik frühzeitig in die Schranken gewiesen wurde.

Die deutsche Führung war 1914 nicht von klaren Aufstiegs- oder erfolgversprechenden Kriegsplänen getrieben, sondern von der Angst vor der Einkreisung. Sie verfolgte das als defensiv aufgefasste Ziel, erneut jene begrenzte Hegemonie auf dem europäischen Kontinent zu errichten, die das Deutsche Reich unter Reichskanzler Otto von Bismarck (1871– 1890) ausgeübt hatte. So gesehen war der Krieg keine willkommene Gelegenheit, wie es auch sonst als eine Eigenart der Krise von 1914 gilt, dass alle Handelnden dem Gegner aggressive Absichten unterstellten und sich selbst defensive Intentionen bescheinigten.

Auch Russland sieht sich heute mehr von Feinden umgeben, als dass man von einem neuen russischen Weltreich träumt. Präsident Wladimir Putin mag seinen Ruf als ehrlicher Gesprächspartner ruiniert haben, unabhängig vom Vertrauensverlust bleibt er aber der einzige Akteur, der eine Eskalation verhindern kann.

Ein Versagen der Diplomatie wäre es heute, wenn jenseits notwendiger Sanktionen nicht weiter versucht werden würde, auf Putin einzuwirken, bevor die sich in Russland ausbreitende nationalistische Rhetorik in eine neue Realität der militärischen Eskalation mündet.

Politisch darf Europa der Preis der Sanktionen nicht zu hoch sein. Sanktionen gegen Russland ändern aber nichts an der einfachen, auf der Geographie und der Geschichte begründeten Erkenntnis, dass Sicherheit in Europa am besten mit und nicht gegen Russland erzielt wird. Das bedeutet, dass nicht nur die Auswirkungen weiterer Sanktionen bedacht werden müssen, sondern schon heute zu überlegen ist, wie Vertrauen wieder aufgebaut, die Ukraine als Staat stabilisiert und die europäische Friedensordnung für die Zukunft gesichert werden kann.

Michael Paul forscht bei der Stiftung Politik und Wissenschaft (SPW). Sein Beitrag erschien in der Rubrik „Kurz berichtet“.

Kommentare (3)

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Herr Peter Klose

04.08.2014, 09:43 Uhr

"Wir sind so dumm, dass uns die Schweine beissen!"
Dem treffenden Ausspruch Dirk Müllers in seiner Videoanalyse zum Ukraine-Konflikt am 10. März(!) und dem Verhalten der EU ist leider nur wenig hinzuzufügen:
http://www.youtube.com/watch?v=K_YWdaQhRU4
Die SWP gehört offensichtlich zu den ganz harten transatlantischen Lobbyorganistationen.
In unerschütterlicher Nibelungentreue "bis in den Tod" zu unseren Freinden auf der anderen Seite des Atlantiks.

Frau Margrit Steer

04.08.2014, 13:06 Uhr

Sie haben wohl Recht.
Denn, genau wie Dirk Müller es sagt, wr hat denn das Zündeln in der Ukraine angefangen? Das war der Westen
Nur komisch, dass dies in der Presse völlig verschwiegen wird

Herr peter Spirat

05.08.2014, 17:31 Uhr

wir kommen in Frieden
++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++



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Blackwater-Söldner kämpfen in der Ukraine

11.05.2014, 19:26 Uhr | rtr, t-online.de, dpa
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