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31.12.2011

16:36 Uhr

Gastbeitrag

Die Trends im Büchermarkt 2012

Die Weihnachtskekse sind aufgegessen, die Highlights eines bewegten Jahres 2011 wurden vielfach resümiert – Zeit für einen Blick auf das kommende Buch-Jahr. Fünf Thesen:

Max Franke arbeitet bei epubli, der Print-on-Demand- und Self-Publishing-Plattform der Verlagsgruppe Holtzbrinck.

These 1: 2012 liest Lieschen Müller elektronisch

Die Verkaufszahlen der Endgeräte belegen es. So errechnete der Branchenverband Bitkom 2011 bei Tablet-Computern ein Absatzwachstum von 162 Prozent. Auch Amazon profitierte von einer breitangelegten Marketingoffensive seines eReaders Kindle 4, der über Weihnachten das bestverkaufte Produkt des Einzelhandelsriesen war. Die Buchhandelskette Weltbild, ein vergleichsweise konservativer Anbieter, verkaufte laut eigenen Angaben zum Weihnachtsgeschäft eine hohe sechsstellige Zahl seiner Lesegeräte.

Schon 2011 spürten wir bei epubli mit monatlich mehreren Tausend verkauften eBooks eine stark wachsende Nachfrage nach elektronischen Büchern. In diesem Jahr werden sich eReader und Tablets in Straßenbahnen und Cafés durchsetzen. Die Early Adopter lesen schon elektronisch, jetzt folgt der Massenmarkt.

 

These 2: 2012 werden weder Buchhandel noch gedruckte Bücher sterben

Obwohl eBooks ein großes Medieninteresse erleben, sehen wir bei epubli, dass auch die Nachfrage nach gedruckten Büchern mit plus 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr weiterhin stark steigt.

Der zum Weihnachtsgeschäft beschworene Kampf des stationären Handels um die Nullwachstumslinie ist auch auf eine Konzentration auf immer weniger Spitzentitel zurückzuführen, die dem Handel jegliche Identität nimmt. Buchhändler, die mit Service punkten und im Self-Publishing veröffentlichte Bücher bestellen, tragen nicht nur zur Vielfalt der Buchlandschaft bei, sie wachsen auch. Der epubli-Umsatz mit stationären Handelspartnern stieg 2011 um rund 60 Prozent.

 

These 3: 2012 finden Journalisten eine Lösung des Monetarisierungsproblems

„You get lousy pennies on the web“. Die Klagen über die Monetarisierungsprobleme journalistischer Inhalte in der digitalen Welt sind bekannt. Lösungsansätze bieten z.B. der Guardian oder auch Byliner: Long-form Journalism bezeichnet eine Publikation, die länger als ein Zeitungsartikel und kürzer als ein herkömmliches Taschenbuch ist. Der Vertrieb erfolgt als eBook oder als On-Demand gedrucktes Buch. Die Zahlungsbereitschaft ist hier im Gegensatz zu reinen Nachrichteninhalten enorm – allein Byliner verkaufte seit April über 100.000 „Byliner Originals“. Neben großen Medienmarken bieten sich insbesondere für den Unternehmerjournalismus sehr gute Möglichkeiten.

 

These 4: 2012 werden nicht alle in die Arme eines Monopolisten laufen

eBook-Shops schießen wie Pilze aus dem Boden. Klassische Spieler wie der stationäre Buchhandel mischen dabei genauso mit, wie branchenfremde Einzelhändler und große Technologie-Konzerne aus Übersee. Die meisten Anbieter erreichen jedoch keine kritische Masse und versinken in der Irrelevanz, sodass mittelfristig mit einer Konsolidierung zu rechnen ist.

Die Schlacht um den Vertriebsweg ist in Deutschland dennoch vollkommen offen. Autoren sehen die Gefahr von Monopolisten und stellen sich breit auf. Das Internet bietet die historische Chance, bestehende Monopole aufzubrechen und von der Vielfalt zu profitieren, statt sich einzig in den Walled Garden eines Anbieters zu begeben – zu bitter sind hier die Erfahrungen der Musikindustrie, nur einem Spieler den Markt zu überlassen.

Bei epubli verkaufen wir bspw. mehr als die Hälfte unserer eBooks über den Apple iBookstore, mit dem Amazon Kindle-Store als zweitwichtigstem Absatzkanal. Die Entwicklung zu mehr großen Kanälen wird durch den Eintritt weiterer großer Player wie Google sogar zunehmen.

 

These 5: 2012 verkauft der erste deutsche Self-Publishing-Autor über 100.000 Bücher

Ob Neuentdeckung oder etablierter Star, der seine neue Freiheit nutzt: es spricht einiges dafür, dass wir bald eine deutsche Amanda Hocking oder einen deutschen Barry Eisler haben werden, die die in unserem Land magische Grenze von hunderttausend Verkäufen knacken.

Schon heute überweisen wir bei epubli unseren Autoren jeden Monat Tantiemen im fünfstelligen Eurobereich. Immer mehr etablierte Schreiber, wie Alfons Pieper und Jochen Krisch, erreichen als Self-Publishing-Autor mühelos ihre Leserschaft. Mancher lässt schon das Gros der klassischen Verlage hinter sich, wie z.B. Jana Falkenberg, die sich mit ihrem eBook seit über drei Monaten in der Top 10 des Apple iBookstores hält. Darüber hinaus starten auch Stars wie Dora Heldt oder Sarah Lark erste Self-Publishing-Experimente.

Fazit: 2012 wird für den Buchsektor ein bewegtes Jahr, eBooks wachsen weiter steil, Self-Publishing etabliert sich und branchenfremde Spieler bauen ihre Positionen am Markt weiter aus. Gerade weil so viele etablierte Buch-Leute so sehr auf Traditionspflege setzen: Richtig spannend wird die Zukunft.

Der Autor:

Max Franke arbeitet bei epubli, der Print-on-Demand- und Self-Publishing-Plattform der Verlagsgruppe Holtzbrinck, im Bereich Business Development und Kommunikation.

Von

Max Franke

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