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11.09.2012

16:40 Uhr

Gastbeitrag

„Draghis kluge Entscheidung hält Euro-Zone zusammen“

VonGerhard Schröder

Zehn Jahre nach Beginn der Agenda 2010 zieht der Altkanzler eine Bilanz seiner tiefgreifenden Reformen. Schröder kritisiert seine Nachfolgerin für mangelnden Veränderungswillen - und lobt EZB-Chef Mario Draghi.

Altkanzler Gerhard Schröder sieht auch in seiner Agenda 2010 einen Ursprung für die wirtschaftliche Stärke Deutschlands. Reuters

Altkanzler Gerhard Schröder sieht auch in seiner Agenda 2010 einen Ursprung für die wirtschaftliche Stärke Deutschlands.

Vor zehn Jahren galt Deutschland international als ein Land, das strukturell verkrustet und erstarrt war. Das wirtschaftliche Wachstum war nur noch schwach, die Verschuldung überbordend, der Arbeitsmarkt durch eine wachsende Sockelarbeitslosigkeit gekennzeichnet. Die deutsche Wirtschaft war international nicht wettbewerbsfähig. Das gipfelte in der Feststellung, Deutschland sei der „kranke Mann Europas“.

Ich wurde 1998 gewählt, weil ich das Versprechen abgegeben hatte, den Reformstau der Kohl-Ära aufzulösen. Wenn ich heute gefragt werde, was denn die wichtigste Folge der Agenda 2010 ist, antworte ich: „Deutschland hat bewiesen, dass es Reform kann.“ Wir haben die müde gewordene Deutschland AG revitalisiert. Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren in einem Maß modernisiert wie kein anderes europäisches Land. Wir sind heute eine Gesellschaft, die verstanden hat, dass sie sich den Herausforderungen von Globalisierung und demografischer Entwicklung stellen muss und dies erfolgreich tun kann. Der Mentalitätswechsel ist eine große Errungenschaft der Agenda 2010.

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Die heutige wirtschaftliche Stärke Deutschlands hat mit den Reformen der Agenda 2010 zu tun, aber nicht nur mit ihnen. Es gibt weitere Faktoren, die eine Rolle spielen:

Die deutschen Unternehmen haben ihre Strukturen verschlankt und ihre Flexibilität erhöht.

Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände - lange Zeit als „Tarifkartell“ diffamiert - haben gesamtwirtschaftliche Verantwortung übernommen und bei Lohnerhöhungen, Laufzeiten und Öffnungsmöglichkeiten wachstums- und beschäftigungsfreundlich gehandelt. - Die Politik der Großen Koalition in der Krise 2008/09 war richtig - etwa mit dem Konjunkturprogramm, den Rekapitalisierungsmaßnahmen, nicht zuletzt mit der Ausweitung der Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld auf zwei Jahre.

Es gibt kein Industrieland, in dem der Wertschöpfungsanteil der hochtechnologischen und wissensbasierten Produkte höher ist als bei uns.

Wir haben eine mittelständische Wirtschaftsstruktur, die besonders international orientiert ist. Die 1400 Weltmarktführer in wichtigen Nischen sind ein Beleg dafür.

Und uns unterscheidet die starke Industriestruktur von anderen Staaten. Beispiel Großbritannien: ein Land, das sich politisch bewusst für eine Deindustrialisierung entschieden und stark auf Finanzdienstleistungen gesetzt hat. Der Beitrag der Industrie zum Bruttoinlandsprodukt beträgt in Deutschland rund 24 Prozent - gegenüber etwa 16 Prozent in Großbritannien, gar nur zwölf Prozent in Frankreich.

Kommentare (84)

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Sarina

11.09.2012, 16:52 Uhr

Ich kann ihn einfach nicht mehr sehen, und hören schon gar nicht - diesen nie ergrauenden Luftikus!

Account gelöscht!

11.09.2012, 16:54 Uhr

Schröder ist offenbar schizophren. Denn das Problem der Euro-Zone ist ja u.a., dasss durch seine Agenda 2010 welche für eine harte Währung und im Hinblick auf den weltweiten Wettbewerb die richtige Politik war, in Hinblick auf den Euro die Gräben ziwschen den Euro-Ländern vertieft hat. Weil Schröder, dass nicht begriffen hat, darf Deutschland jetzt seine durch Hartz und Rente67 ersparten Vorteile nach Südeuropa umleiten, um dort Steurhinterziehung und Rente60 zu finanzieren. Schröder sollte sich schämen, statt einen auf großer Staatsmann zu machen, denn er hat seine Volk in die Falle geführt.

Ernsthaft

11.09.2012, 16:58 Uhr

Oh, Herr Schröder, ist das wirklich Ihr Ernst?. Es wird sich zeigen, ob das EZB Anleihenkaufprogramm zu begrüßen ist, oder ob hier die Büchse der Pandorra (vollends) geöffnet wurde. Letztlich wird jemand die Zeche zahlen müssen, nämlich die Bürger Europas, die vielleicht noch was haben. Entweder über Inflation, höhere Steuern oder am Schluss der Staatsbankrott mit Währungsreform. Es tut mir leid um unsere Kinder.

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