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31.10.2013

10:54 Uhr

Gastbeitrag

Ein wenig Kaffee und ganz viel Müll

Kaffeekapseln werden immer beliebter, auch Aldi Süd bietet sie jetzt an. Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel, schreibt der Umweltschützer Thomas Fischer.

Kaffee auf Knopfdruck: Auch Aldi verkauft jetzt ein Kapselsystem. dpa

Kaffee auf Knopfdruck: Auch Aldi verkauft jetzt ein Kapselsystem.

Mit 149 Litern Kaffee pro Kopf und Jahr gehören die Deutschen zu den weltweiten Spitzenverbrauchern. Der größte Teil entfällt auf Röstkaffee, welcher in Kaffeemaschinen oder Automaten verschwindet. Doch der Anteil einzeln eingeschweißter Kleinportionen steigt stetig an.

Seit Mittwoch gibt es auch beim Discounter Aldi-Süd Kaffeekapseln zu kaufen – das könnte ein großer Tag für deren Hersteller und für den Einzelhandel sein. Aldi ist mit seiner Vertriebskraft in der Lage, einen Massenmarkt mit riesigem Absatzpotential aufzubauen und Kaffeekapseln in Deutschland zu ihrem endgültigen Durchbruch zu verhelfen. Für den Umweltschutz ist dies ein schwarzer Tag, denn die Kapseln verschwenden unnötig viele Ressourcen und verursachen besonders viel Müll.

Thomas Fischer leitet bei der Deutschen Umwelthilfe den Bereich Kreislaufwirtschaft und ist Verfechter der Müllvermeidung. Deutsche Umwelthilfe e.V.

Thomas Fischer leitet bei der Deutschen Umwelthilfe den Bereich Kreislaufwirtschaft und ist Verfechter der Müllvermeidung.

Für die Hersteller müssen Verpackungen ein Produkt nicht nur schützen und transportieren. Sie müssen auch dem Lifestyle entsprechen und der Bequemlichkeit dienen. Die Nahrungsmittelindustrie portioniert deshalb ihre Produkte zunehmend vor und füllt sie in immer kleinere Verpackungen ab. So werden in einer Kaffeekapsel zwischen 4 und 7 Gramm Kaffee eingeschweißt. Für jede Portion fallen rund 3 Gramm Plastikabfall an.

Was in der Einzelbetrachtung wenig spektakulär wirkt, führt in der Gesamtbetrachtung zu großen Abfallmengen. Würde man die letztjährige Menge an Kaffee in einzelnen Kapseln anstatt in Großverpackungen (0,5 kg) verkaufen, so entstünden mehr als 150.000 Tonnen zusätzlicher Plastikabfall.

Verpackungen sollten grundsätzlich so gestaltet sein, dass die Verpackungsmenge in einem optimalen Verhältnis zum Füllgut steht. Je kleiner die Verpackung, desto ungünstiger ist das Verhältnis. Die Materialbilanz kleiner Kaffeekapseln ist verheerend, weil deutlich mehr Verpackungsmaterial für die gleiche Inhaltsmenge eingesetzt werden muss.

Kleiner portionierte Produkte erzielen in der Regel deutliche höhere Gewinne als größere. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Kaffee-Kapselsysteme für Einzelhändler besonders interessant sind. Der Preis pro Gramm Kaffee in Kapseln liegt bei einem Vielfachen von herkömmlichem Kaffee. Selbst günstige Varianten der Kaffeekapseln kosten 19 Cent je Stück. Bei etwa sieben Gramm Kaffee je Kapsel ergibt das einen Kilopreis von an die 30 Euro. Das ist rund drei Mal so teuer wie Kaffee ohne Kapseln.

Mein Tipp: Wer als Kunde auf Umweltfreundlichkeit und einen guten Preis wert legt, der sollte klassische Kaffee- oder Espressomaschinen verwenden, die mit Pulver oder ganzen Bohnen befüllt werden.

Von

Thomas Fischer

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

31.10.2013, 11:13 Uhr

Gute, frische Kaffeebohnen ab in die gute alte Krups-Mühle, das Ganze danach in die Bodum-Kanne, frisches, heißes, Aktivkohle-gefiltertes Wasser drauf, fertich ist die Laube. Schmeckt bestens, verursacht kaum Müll und Verpackungs-Mehrkosten. So einfach ist das...

Account gelöscht!

31.10.2013, 11:22 Uhr

Mich wundert eigentlich das noch keiner die Kaffeemaschinen mit den Mahlwerken endlich mal Konsumertauglich preiswert anbietet.
Was soll diese Müllparade, diese Maschinen machen den Kaffee genau so wie ich es haben will.

Freidenker

31.10.2013, 11:40 Uhr

Macht doch nix. Immer mehr Müll. Mit dem kann man auch Profite machen.

wann wird der Mensch eigentlich seinen eigenen Müll, natürlich hübsch verpackt und vermarktet, essen?! Na ja....wenigstens haben wir schon genug Chemie im essen. da freut sich der Hausarzt und vorallem die Pharmaindustrie. Und die Menschen haben endlich mal wieder einen Grund zum jammern und meckern auf andere.

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