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08.08.2012

12:19 Uhr

Gastbeitrag

FDP braucht keine täglichen Wasserstandsmeldungen

VonWolfgang Gerhardt

Diskussionen über Ampelkoalitionen bringen die FDP nicht weiter. Die Liberalen brauchen vielmehr einen überzeugenden Politikentwurf und ein klares Bekenntnis zum Fortschritt.

Wolfgang Gerhardt ist ehemaliger FDP-Vorsitzender und ist aktuell als Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung tätig. ddp images/BUG

Wolfgang Gerhardt ist ehemaliger FDP-Vorsitzender und ist aktuell als Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung tätig.

Kürzlich hat Wolfgang Kubicki, der Spitzenkandidat der FDP in Schleswig-Holstein, eine Konstellation der FDP mit SPD und Grünen unter Peer Steinbrück als Kanzler ins Spiel gebracht - und auch sonst noch einige Tipps zum Führungspersonal der FDP gegeben. So etwas liegt ihm, das konnte er schon immer recht gut. Es blieb aber schon immer sein Geheimnis, welche Politik substanziell gemacht werden sollte. So ist es auch diesmal.

Mit etwas Ironie könnte man fragen: Wozu eine Ampelkoalition? Das große Thema der Grünen, den Atomausstieg, hat die Koalition aus CDU/CSU und FDP erledigt. Das Thema der Sicherung des Euros wird bisher recht und schlecht von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen ohnehin gemeinsam bearbeitet. Da würde sich auch durch eine neue Koalition nicht viel ändern, es sei denn, SPD und Grüne kramten erneut Euro-Bonds als Lösung hervor, was allerdings auf keinen Fall Politik der FDP werden könnte.

Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland niedrig. Die SPD und die Grünen befeuern den Themenbereich mit Mindestlöhnen und mit Rezepten, mit denen aller Wahrscheinlichkeit nach der französische Präsident Hollande sein Land vor die Wand fahren wird. Weitere Beispiele könnten mühelos hinzugefügt werden. Vielleicht meint mein Parteifreund Kubicki, dass Peer Steinbrück das Schlimmste verhindern wird.

Dieses Prinzip Hoffnung wird aber durch die Geschichte der beiden SPD-Kanzler widerlegt, die nicht wie ihre Partei allein Betriebsrat der Nation sein wollten, sondern in Person von Helmut Schmidt und Gerhard Schröder Vorstandsvorsitzender der Deutschland AG. Die SPD genießt zwar heute die Heldenverehrung beider durch große Teile der Bevölkerung, hat sich selbst aber von der Politik Helmut Schmidts und Gerhard Schröders Stück für Stück abgesetzt.

Mit einer Ampelkoalition zu spielen mag ein Sommerloch unterhaltsam füllen. Ich sehe allerdings gegenwärtig kein Ampelprojekt, das auch nur in etwa den deutschlandpolitischen Impulsen der Brandt-Scheel-Ära gleichkäme. Der FDP hilft es erkennbar nicht. Sie muss zuallererst einmal ihre eigene Politik überzeugend beschreiben und mit Gewicht durchsetzen.

Kommentare (5)

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smarty_32

08.08.2012, 13:07 Uhr

Herr Gehrhard,
und wir Bürger brauchen die FDP nicht mehr. Dann wären Sie die Wasserstandsmeldungen los und wir ihre verlogende, machtkorrupte,neoliberale elende Egositen-Sekte.
Nur zum einordnen, ich bin kein linker Spinner sondern mittelständischer Unternehmer und war Mitglied der FDP, bis ich merkte "wie der Hase läuft".
Ich schäme mich dafür und kann nur sagen, wenn die Bürger in der Klarheit sehen würden, wie die Machtspielchen intern ablaufen und die Verteilung von Staatsposten funktionieren... wir hätten längst einen Aufstand. Sie selbst wurden doch von dem Sprüchekloppfer Westerwelle intragant verjagt...und haben ein bekömmliches Gehalt in ihrem tollen FDP-Stiftungs-Sanatorium. Was ich mich schon immer fragte, wie finanzieren sich eigentlich die tollen Stiftungen mit Gebäuden in Bestlagen in Berlin?
...Mein Gott ich ahne es schon.

RD1

08.08.2012, 13:33 Uhr

"Die Liberalen brauchen vielmehr einen überzeugenden Politikentwurf und ein klares Bekenntnis zum Fortschritt."

was die Liberalem brauchen, ist eine überzeugende Ablehung der Euro-Rettungspolitik un ein klares Bekenntnis zur Rückkehr zur DM.

Ich garantiere dann 15% + bei der nächsten Wahl.

Berlijoey

08.08.2012, 13:36 Uhr

Vielen Dank Herr Gerhardt, Sie haben mir als FDP-Mitglied mit jedem Satz aus der Seele gesprochen und mit Ihren klugen Vorschlägen zur Neuausrichtung Mut gemacht. Hätten Sie doch nur mehr Einfluss und könnten mit anderen die lähmende Verkrustung an der Parteispitze beenden. Es gibt soviel zu tun, derzeit.

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