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27.06.2013

15:10 Uhr

Gastbeitrag

Finanztransaktionssteuer trifft regulierten Börsenhandel

VonJudith Hardt, Christoph Boschan

Die Finanztransaktionssteuer wird nicht nur Banken, sondern auch Bürger treffen. Die Generalsekretärin der Börsenvereinigung und der Vorstand der Börse Stuttgart über die Gefahren der geplanten Steuer.

Käufe und Verkäufe von Aktien sollen besteuert werden. dpa

Käufe und Verkäufe von Aktien sollen besteuert werden.

BerlinElf EU-Mitgliedsstaaten wollen gemeinsam eine Finanztransaktionssteuer einführen. Dazu liegt ein Richtlinienentwurf der EU-Kommission auf dem Tisch: Er sieht eine Besteuerung von Käufen und Verkäufen bei Aktien, Anleihen, Investmentfonds oder Zertifikaten in Höhe von 0,1 Prozent vor, bei Derivaten beträgt die Steuerhöhe 0,01 Prozent. Die Steuer soll nicht nur dann greifen, wenn ein Finanzinstitut aus den teilnehmenden Ländern an der Transaktion beteiligt ist. Laut EU-Vorschlag werden zudem alle Geschäfte mit Finanzprodukten besteuert, die in einem der teilnehmenden Staaten ausgegeben wurden.

So vielschichtig derzeit die Diskussion in den zuständigen politischen Gremien ist, so eindeutig erscheinen mittlerweile die Auswirkungen auf die Finanzmärkte, die Realwirtschaft und die Anleger. Denn dass vor allem Banken von der Finanztransaktionssteuer betroffen seien, entspricht nicht der Realität. Die Steuer trifft auch die Bürgerinnen und Bürger, weil sich Finanzprodukte verteuern werden. Ein Beispiel: Eine Familie nimmt eine Hypothek auf, um sich eine Immobilie zur Altersvorsorge zu finanzieren.

Judith Hardt, Generalsekretärin der Börsenvereinigung FESE.

Judith Hardt, Generalsekretärin der Börsenvereinigung FESE.

Zwar ist das Darlehen nicht Gegenstand der Finanztransaktionssteuer. Allerdings werden beispielsweise die Termingeschäfte der Bank besteuert, die sie zur Absicherung des festen Zinssatzes des Hypothekendarlehens tätigt. Daran ändert auch die Ausnahme von Finanzprodukten zur Altersvorsorge im Kommissionsentwurf nichts – Geschäfte zur Konstruktion dieser Produkte sind voll erfasst.

Und selbstverständlich wird die Besteuerung von den Finanzinstituten an die Bürgerinnen und Bürger durchgereicht. Das widerspricht dem ursprünglichen Postulat der Politik, die Verursacher der Finanzkrise an deren Kosten zu beteiligen. Damit sind sicherlich nicht private Anleger gemeint. Sie haben die Krise nicht verursacht und beteiligen sich nicht an Spekulationen, die es einzudämmen gilt. Sie tragen als Steuerzahler die Kosten der Krisenbewältigung und bestreiten zudem ihre Investitionen aus bereits versteuertem Arbeitseinkommen.

Kommentare (10)

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qay913

27.06.2013, 15:27 Uhr

Nun, von Personen die ihr Geld mit dem Geld anderer verdienen ist auch kein anderer Komentar zu erwarte. Was macht bei einem Absicherungsgeschäft für ein 10jähriges Hausbaudarlehen die 0,1% Gebühr effeltiv aus? So gut wie nichts im Verhältnis zu 100.000 Euro Darlehen. Da ist ein Zinsvergleich des Darlehensnehmers bei dem 0,01% Zinsen gespart werden effektiver für den Kunden. Keine Bank ist gezwungen den Kredit täglich abzusichern oder gar wie unsere Freunde HRE zu handeln.

Torsten

27.06.2013, 16:16 Uhr

Ich zahle gern einen Euro mehr, wenn ich mir für 1000 Euro ein paar Aktien einer Firma gönne. Denn ich weiß: Im Hintergrund wurden alleine während des Abschickens meiner Order zig tausende automatische Transaktionen durchgeführt, die mir den optimalsten Kurs im siebzehnten Nachkommabereich vor der Nase wegschnappen, dafür aber auch jetzt Steuern zahlen dürfen. Ein gutes Gefühl... da gibt man doch gerne noch einen zweiten Euro...

dummensteuer

27.06.2013, 16:30 Uhr

Die Finanzmarktsteuer trifft natürlich die Bevökerung, da die Konstruktion an den Derivaten vorbeigeht, die für die Probleme der Finanzkrise entscheidend sind. Es ist Augenwischerei gepaart mit Aktionismus zu glauben, dass die "Bösen" erwischt werden: Die zahlen wenig, oder nichts, oder sind per se befreit (die Landesbanken et. al haben vermutlich später schöne Ausnahmeregelungen....) die Zeche zahlen die, die am lautesten nach der Steuer schreien. Daher verstehe ich die obigen Kommentatoren schlicht nicht. Es wird den Normalbürger und Rentner treffen, der seine Altersvorsorge aus der Anlage von Versicherungsleistungen bezieht. Rendite hier setzt i.d.R. eine Kapitalanlage voraus, die durch solche Steuern reduziert werden. Wie kann man das nur verkennen. Und die "Bösen" machen einfach weiter - im Zweifel durch Konstruktionen ausserhalb der EU. Die Steuer ist einfach nur populistischer Unfug. Schäuble macht gern mit, kann er der Bevölkerung wieder Steuern abnehmen "für einen guten Zweck". Nur noch Gelächter.

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