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03.01.2014

13:48 Uhr

Gastbeitrag

Genossen in der Steueroase

VonSven Giegold

Trotz der jüngsten Regulierung von Fondsgebühren durch die BaFin bedienen sich Genossenschaftsbanken und die Deutsche Bank dank Luxemburger Schlupflöcher weiter bei ihren Kunden. Doch es gibt auch positive Beispiele.

Der Autor Sven Giegold ist Mitbegründer von Attac in Deutschland und Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament. dpa

Der Autor Sven Giegold ist Mitbegründer von Attac in Deutschland und Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament.

Fast täglich liest man in deutschen Zeitungen Klagelieder über die angebliche Enteignung deutscher Sparer. Wie könne man bei negativen Realzinsen für sein Alter vorsorgen? Kaum jemand denkt an die hohen Kosten vieler Finanzprodukte von Banken und Versicherungen. Dabei mindern sie gerade in Deutschland den Ertrag der Anleger schmerzlich.

Die Vermögen in Deutschland sind auch im letzten Jahr wieder kräftig gewachsen. Schließlich halten die wirklich Vermögenden ihr Geld nicht auf dem Sparbuch. Wer in den Dax investiert hatte, konnte sein Vermögen in den letzten zwölf Monaten um 20 Prozent steigern. Nur, als Kleinsparer kann man nicht direkt den Dax kaufen. Die einzige Möglichkeit ist der Umweg über einen Fonds oder Zertifikate.

Immerhin hat die deutsche Bankenaufsicht BaFin kürzlich in einem seltenen Akt des Anlegerschutzes dem gröbsten Gebührenwildwuchs Einhalt geboten. Allerdings greifen die Regeln nur für deutsche Publikumsfonds. Fonds der Union Investment mit dem schönen Logo der genossenschaftlichen Finanzgruppe tragen solch wohlklingende Namen wie z.B. den UniDividendenAss mit seinen 774 Millionen Euro Fondsvermögen oder den im grünen Mantel gekleideten UniSektor Klimawandel. Wer denkt schon daran, wenn er einen solchen Fonds kauft, dass dieser nicht nach deutschem Recht reguliert sein könnte, selbst wenn der Anleger ihn bei seiner Volksbank gekauft hat. Dann jedoch gelten die neuen Regeln der BaFin zur Begrenzung unfairer Gebühren nicht.

So sind performance fees sind eigentlich eine sinnvolle Erfindung der institutionellen Anleger. Warum sollte man schlechte Ergebnisse durch hohe Fixkosten vergüten, lieber zahlt man nur erfolgsabhängig. Dank der Marktmacht der vier großen Bankengruppen in Deutschland beim Fondsvertrieb werden performance fees für Kleinanleger jedoch zusätzlich berechnet. Außerdem wurden die Erfolgsgebühren nicht symmetrisch gestaltet: sie belohnen auch den Zufallserfolg in einem Jahr ohne den Misserfolg im nächsten Jahr zu bestrafen. So wird hohe Volatilität, also Risiko für den Anleger, zur Gebührendruckmaschine für den Anbieter. Umso riskanter die Anlagestrategie, umso höher die Volatilität, umso höher sind die Gebühren. Wenn der Fonds nur eine um 10% höhere jährliche Schwankungsbreite hat, kostet dies den Anleger auf 10 Jahre mehr als 10% seines Vermögens.

Kommentare (1)

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Heinz

03.01.2014, 14:52 Uhr

interessant, dass CDU,CSU,FDP und griechische Kommunisten im Europaparlament die Mehrheit stellen. Oder wie könnten Sie sonst eine Regelung verhindern?

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