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13.04.2012

09:48 Uhr

Gastbeitrag Hickel

Zerschlagt die Banken!

VonRudolf Hickel

Lizensierte Bankinstitute werden immer stärker reguliert, alle anderen verlagern ihr Geschäft immer weiter in kaum beaufsichtigte Fonds. Der Umsatz der Schattenbanken hat sich zwischen 2002 und 2010 verdoppelt.

Der Blick auf die Bankenmetropole Frankfurt. Laut Hickel findet eine Abwanderung aus dem regulierten Bereich statt. dpa

Der Blick auf die Bankenmetropole Frankfurt. Laut Hickel findet eine Abwanderung aus dem regulierten Bereich statt.

BremenDie Regulierungsdialektik bewegt wieder einmal die Finanzmärkte. Lizenzierte Banken werden nach den Fehlentwicklungen der letzten Jahre schärfer an die Kandare genommen. Da gewinnen, durch die Abwanderung aus dem regulierten Bereich beschleunigt, die Schattenbanken an Bedeutung. Bei Schattenbanken handelt es sich um Finanzinstitute, die bankenähnliche Geschäfte, allerdings ohne eine Lizenz und damit Kontrolle durch die Aufsichtsbehörden, betreiben.

Sie sammeln nicht nur Kapital, stellen Finanzmittel zur Verfügung und vermitteln Kredite. Pensionsfonds und andere Fonds legen die ihnen anvertrauten Spareinlagen vieler kleiner Anleger bei den Schattenbanken an. Hinzu kommen Zockergeschäfte, die im Rahmen der vorsichtigen Regulierungen der offiziellen Banken eingeschränkt worden sind. Dazu gehört der außerbörsliche Handel. Bei all diesen Geschäften im Untergrund wird der Hebel Kreditfinanzierung eingesetzt.

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„Zerschlagt die Banken“ - fordert Rudolf Hickel. Nur: Wie genau soll das geschehen?

Also mit minimalem Einsatz an eigenen Finanzmitteln wird ein riesiges Rad schnell gedreht. Die Schattenbanken verfolgen vor allem das Ziel, sich der regulierungspolitisch gewollten Absicherung riskanter Geschäfte mit Eigenkapital nach dem Basel-III-Reglement zu entziehen.

Wer sind die Akteure? Im Dunkel der Finanzwelt operieren Geldmarktfonds, Indexfonds und viele Spielarten anderer Investmentfonds. Im Mittelpunkt stehen die mächtigen Hedge-Fonds, die Anfang des Jahres 2012 über 2260 Milliarden Dollar an Vermögen unter ihrem Regime managten. Die Schattenbanken gelten auch als Fluchtgebiet für diejenigen, denen mit der regulierenden Politik die renditeträchtigen Geschäfte ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Verluste im bisherigen Bankensektor vermiest werden sollen.

Rudolf Hickels sieben Thesen

Die Dominanz brechen

Vieles läuft schief in der Finanzbranche, sagt der streitbare Ökonom Rudolf Hickel. Seine Vorderrungen gehen sehr weit. Hier die sieben Thesen aus seinem Buch "Zerschlagt die Banken" (Econ-Verlag).

1) Großbanken zerschlagen

Hickel fordert die Zerschlagung der Großbanken. Sie bilden einen systemgefährdenden Knoten im Netz der Finanzmärkte. Ihre Fehler belasten die gesamte Wirtschaft. Sie müssen auf ihre dienenden, genuinen Aufgaben reduziert werden.

2) Schattenbanken regulieren

Bisher unterliegen Schattenbanken keiner offiziellen Regulierung. Derzeit ist eine Flicht zu beobachten raus aus dem Bankensektor hin zu diesen Schattenbanken - also zum Beispiel Hedge-Fonds. Nicht zuletzt der Internationale Währungsfonds sehen hier ein noch größeres Krisenzentrum heranwachsen.

3) Ordnungspolitische Spielregeln

Wer foult, verstößt gegen die Spielregeln. Zu verbieten sind die nicht durch Aktien oder Kredite gedeckten Leerverkäufe. Auch Geschäfte, die völlig unkontrolliert außerhalb der Börse ablaufen, gehören weitgehend verboten.

4) Funktionsfähiges Aufsichtssystem

Den zuständigen Instanzen müssen uneingeschränkt Möglichkeiten der Kontrollen sowie im Falle einer Regelverletzung ein Klagerecht eingeräumt werden. Die staatliche Aufsicht sollte dazu beitragen, das verlorene Vertrauen in die Banken zurückzugewinnen.

5) Ratingagenturen entmachten

Kunden, denen ein Finanzmarktprodukt angeboten wird, erhalten keine ausreichenden Informationen über deren Risiken. Die Ratingagenturen sollen Abhilfe schaffen, sind aber durch tiefe Widersprüche geprägt. Der Interessenskonflikt lässt nur den Schluss zu, dass sie entmachtet werden müssen. Zu erwägen ist die Gründung einer politisch und ökonomisch unabhängigen Ratingagentur für die EU.

6) Vorrang für Wertschöpfung

Die Produktionswirtschaft braucht wieder Vorrang vor der Finanzwirtschaft. die Produktionsseite ist durch die Spaltung von realem und fiktiven Geld stark belastet worden. Mit der Zerschlagung der Banken rücken wieder Sachinvestitionen und Innovationen in den Vordergrund.

7) Politik soll gestalten können

Politik darf nicht mehr der Erfüllungsgehilfe ökonomischer Macht- und Profitinteressen sein. Sie muss aus der Demokratie gefähredenden Abhängigkeit von den Finanzmarkt-Monopolen befreit werden.

Die Flucht aus dem offiziellen Bankensektor in den unkontrollierten Schatten wird als Regulierungsarbitrage bezeichnet. Dazu zwei prominente Beispiele: Greg Lippmann, der bei der Deutschen Bank an der Wall Street für unseriöse Spekulationen voller Gier steht, hat seine Geschäfte in den durch ihn mitbegründeten Hedge-Fonds Libremax ausgelagert. Und der vor einem Jahr noch bei Goldman Sachs für den Eigenhandel zuständige Morgan Sze hat in Hongkong seinen Azentus-Capital-Hedge-Fonds gegründet.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

13.04.2012, 09:59 Uhr

Sehr geehrter Herr Stock.
Die Bitte an die Forumsteilnehmer, sich mit Klarnamen anzumelden, sollte kein Wunsch sein, sondern Voraussetzung für den Zugang zum Forum.
Alle Medien, die das getan haben, haben ein erfreulich hohes Niveau in ihren Foren erreicht.
Mit der Pflicht zum Klarnamen vermeiden Sie heimtückische Heckenschützengefechte und schaffen mehr Qualität, so wie es Ihrem ausgezeichneten Medium gebührt.
Herzliche Grüße Ihre Eva Maria Palmer.

Observerer

13.04.2012, 10:00 Uhr

"Wir glauben, dass es zu einem fairen Umgang miteinander im Netz gehört"...dann sollte man nicht schreiben"Zerschlagt die Banken!" - Man antwortet ja dann auch so eine reissserische Headline nicht mit "Stopft Ihm das Maul!"

Account gelöscht!

13.04.2012, 10:11 Uhr

Sehr geehrter Herr Stock,
auch ich bin der Meinung, daß nur Lesebeiträge oder Kommentare veröffentlich werden sollen, wenn der Klarname erkenntlich ist. Die Politiker und auch die Redakteure schreiben unter Echtnamen.
Nur in den Verwaltungen, gleich ob Bund, Land, Komune usw.
verstecken sich die Referenten hinter Zahlenkombinationen.
Ein schönes Wochenende wünscht Hans Pella

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