Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.05.2014

14:21 Uhr

Gastbeitrag

Indiens Wahlausgang ist eine Chance für Deutschland

VonTobias Engelmeier

Heute wird der neue indische Premierminister Narendra Modi vereidigt. Er will das Land innerhalb von zehn Jahren umkrempeln. Wirtschaftswachstum ist sein zentrales Thema. Sein Plan könnte aufgehen.

Indiens designierter Premierminister Narendra Modi (links) während einer Rede nach seinem Wahlsieg. AFP

Indiens designierter Premierminister Narendra Modi (links) während einer Rede nach seinem Wahlsieg.

Fünf Tage, nachdem das Wahlergebnis in Indien festgestellt wurde, zeigen sich die ersten Konturen davon, wie der Sieger, Narendra Modi, Indien verändern möchte. Mit einer absoluten Mehrheit im Unterhaus hat er ein sehr starkes Mandat. Damit, so verkündete er am Wochenende, möchte er Indien in den nächsten zehn Jahren grundlegend umkrempeln und das Wachstum wieder ankurbeln. Für deutsche Unternehmen ist das eine gute Nachricht.

In den vergangenen Jahren hat Indiens Wirtschaft die Erwartungen nicht erfüllt. Von dem euphorisierenden Wachstumshoch der Jahre 2005 bis 2010 von fast 10%, lag die Rate im Jahr 2013 nur noch bei 4.5%. Das kommt in dem armen Land einem Stillstand gleich. Gleichzeitig stieg die Inflationsrate auf mehr als 9%.

Tobias Engelmeier ist Gründer von Bridge to India. Seit 2008 berät er führende internationale Unternehmen mit Nachhaltigkeitslösungen, um im indischen Markt erfolgreich zu sein. 2010 erschien sein  zweites Buch „Nation Building“, eine umfassende Analyse indischer Politik.

Tobias Engelmeier ist Gründer von Bridge to India. Seit 2008 berät er führende internationale Unternehmen mit Nachhaltigkeitslösungen, um im indischen Markt erfolgreich zu sein. 2010 erschien sein  zweites Buch „Nation Building“, eine umfassende Analyse indischer Politik.

Auch die Wachstumsprognosen vieler deutscher Unternehmen wurden enttäuscht:  VW etwa investierte 580 Millionen Euro in ein neues Werk bei Pune, um den Markt zu bedienen. Dann brach der Absatz von Neuwagen in Indien ein. Der Preiswettbewerb war ohnehin schon sehr hart. VW musste nun Autos aus Indien exportieren,  das Werk konnte nicht voll genutzt werden. Auch Metro ist in einem stark regulierten Markt viel langsamer gewachsen als geplant. Der Energieversorger E-on wollte in Indien (neben Brasilien und der Türkei) seine Internationalisierungsstrategie umsetzen und viel Geld in Kraftwerke investieren - um sich kurz darauf aus dem Markt wieder zu verabschieden. Viele weitere mittelständische und große deutsche Firmen, die auf ein boomendes Geschäft in Indien gesetzt haben, sind ernüchtert. Auch der Handel zwischen Indien und Deutschland, der in den Jahren bis 2011 stetig gestiegen war, ist 2012 und 2013 gefallen.

Wird sich das nun ändern? Mit großer Wahrscheinlich ja. Zuerst einmal kann die Wirtschaftslage in Indien kaum schlechter werden als sie es im Moment ist. Indiens Wirtschaft hat die Talsohle wohl durchschritten, egal wer an der Macht ist. Die Fundamentaldaten sind nach wie vor gut. Vor allem hat Indien die größte junge Bevölkerungsgruppe der Welt. Sie ist leistungsbereit und strebt nach Wohlstand.

Das Wahlergebnis wird den positiven Trend verstärken. Wirtschaftswachstum ist Modis zentrales Thema. Nur damit konnte er Indiens Jugend für sich gewinnen, was der Schlüssel zu diesem Wahlerfolg war. Das verpflichtet ihn jetzt. Er muss die traditionellen Kernbotschaften seiner Partei – Hindu Nationalismus und konservative Gesellschaft – mit den Ambitionen einer sehr breiten und heterogenen Wählerschaft ausbalancieren. Darin, und auch in seinem autoritären Führungsstil, ähnelt er dem türkischen Premier Erdogan.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×