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26.02.2013

12:20 Uhr

Gastbeitrag

„Italien hängt mehr denn je von der EZB ab“

VonJörg Krämer

Die Mehrheit der Italiener hat eine Politik gewählt, die nicht an Reformen interessiert ist. Das wird das Land weiter zurückwerfen. Nur die Europäische Zentralbank kann jetzt noch helfen - mit schwerwiegenden Folgen.

Jörg Krämer ist Chefvolkswirt und Bereichsvorstand Research bei der Commerzbank. Bert Bostelmann/bildfolio für Handelsblatt

Jörg Krämer ist Chefvolkswirt und Bereichsvorstand Research bei der Commerzbank.

55 Prozent der Italiener haben Berlusconi oder Grillo gewählt. Eine Mehrheit unterstützt also Parteien, die nicht konstruktiv an einer Lösung der tief greifenden Probleme Italiens arbeiten. Der dringend notwendige Reformdurchbruch ist unwahrscheinlicher denn je.

Wie sollte das auch einer frei gewählten Regierung gelingen, wenn selbst der Technokraten-Regierung Monti kein Durchbruch an der Reformfront geglückt ist? Montis Arbeitsmarktreform muss als gescheitert gelten, weil italienische Unternehmen noch immer von den Gerichten gezwungen werden können, entlassene Mitarbeiter nach Jahren wieder einzustellen. Das größte Problem Italiens, die seit Jahren stagnierende Produktivität, hat Monti an die Tarifvertragsparteien delegiert, obwohl vor allem der überbordende und ineffiziente öffentliche Dienst für das Produktivitätsdesaster verantwortlich ist.

Anders als Spanien, Portugal und Irland hat Italien gemessen an den Lohnstückkosten nichts von dem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit aufgeholt, den das Land vor Eintritt in die Währungsunion bis zum Ausbruch der Staatsschuldenkrise erlitten hatte. Die Reformverweigerung Italiens spricht leider dafür, dass das Land wirtschaftlich weiter zurückfallen wird.

Internationale Pressestimmen zur Wahl in Italien

„La Stampa“

„Grillo – Boom. Parlament blockiert“

„Corriere de la Sera“

„Schockvotum: Es gibt keine Mehrheit“

„La Repubblica“

„Grillo – Boom. Italien unregierbar“

„Guardian“:

„Gefahr eines Patts im Parlament lässt Eurozone schaudern“

„The Times“:

„Sorgen um die Eurozone, nachdem Wähler den Joker unterstützen“

„Financial Times“:

„Grillos Neulinge geben der Wut von Millionen eine Stimme“

„Les Echos“:

„Italien fällt zurück in die politische Paralyse“

„Libération“:

„Umbruch auf italienisch“

„Le Figaro“:

„Gesetzgebung droht in politischer Sackgasse zu landen“

„Le Parisien“:

„Italien von Grillos Welle überschwemmt“

„Kronen Zeitung“:

„Chaoswahlen: Italien vor totaler Unregierbarkeit“

„Kurier“:

„Politisches Patt droht: Italien wird unregierbar“

„Österreich“:

„Berlusconi stürzt Europa ins Chaos“

„Die Presse“:

„Krisenland Italien droht Polit-Blockade“

„El País“:

„Berlusconi und Grillos Antipolitik machen Italien unregierbar“

„ABC“:

„Europa stolpert ein weiteres Mal über Berlusconi“

„La Razón“:

„Ein unregierbares Italien löst in Europa Alarmstimmung aus“

„Rossijskaja Gaseta“:

„Ein Tsunami namens Grillo“

„Kommersant“:

„Italien zeigt sich gemäßigt“

Italien hängt mehr denn je von der EZB ab – von ihrer Nullzinspolitik und ihrer Bereitschaft, im Fall der Fälle die Staatsanleihen Italiens oder anderer Peripherieländer zu kaufen. Die EZB hat tiefe Taschen, ihr wird es wohl gelingen, die Währungsunion trotz eines fehlenden Reformdurchbruchs zusammen zu halten.

Ich erwarte nicht, dass die Staatsschuldenkrise in den nächsten Tagen wie Mitte 2011 eskaliert. Aber die Rettungspolitik mit der Notenpresse hat ihren Preis. Langfristig drohen mehr Inflation, ein weicher Euro und weniger wirtschaftliche Dynamik. Die Währungsunion dürfte über die Jahre mehr und mehr Ähnlichkeiten mit dem Italien der 70er und 80er Jahre entwickeln, weshalb ich seit Mitte letzten Jahres von einer ‚italienischen Währungsunion‘ spreche.

Jörg Krämer (45) ist seit 2006 Chefvolkswirt und Bereichsvorstand Research bei der Commerzbank. Seine Karrierestationen waren zuvor Merrill Lynch Capital Markets in Frankfurt, Invesco Asset Management in Frankfurt und die Bayerische Hypo- und Vereinsbank in München.

Kommentare (41)

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Account gelöscht!

26.02.2013, 12:42 Uhr

JEDER der nur annähernd auf 3 zählen kann, der weiss bereits seit fast 4 JAhren dass Italien im Eimer ist, genau wie Frankreich und Spanien es auch sind...Frankreich und Spanien können es nach wie vor noch mit Hilfen gut verstecken aber ewig wird das nicht mehr gehen.

Dieses Euro Spiel IST AUS und ich bin sicher dass man im Hintergrund bereits Strategien ausarbeitet wie man dieses Reaktor herunterfahren kann, während man uns vor der Fassade den Endsieg vorspielt....bis es kracht.

Numismatiker

26.02.2013, 12:48 Uhr

Warum sollten die Italiener auch Reformen durchführen?

Deutschland zahlt doch! Vollkommen alternativlos.

TheVote

26.02.2013, 12:50 Uhr

Nun ja, Italien hat vergreiste Dekadenz gewählt. Nun können sich die arbeitswilligen Italiener in die Schlange der Arbeitsemigranten in Deutschland einreihen.

Nur, da wir schon genügend Pizzerien und Eisdielen haben, können wir diesmal, im Gegensatz zu den 60er und 70er des letzten Jahrhunderts des letzten Jahrtausends, diesmal nur die gut ausgebildeten Italiener brauchen, und für alle anderen die "Sozialhilfe" über die EZB nach Italien überweisen.

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