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14.04.2014

09:38 Uhr

Gastbeitrag Klaus Schuster

„Frauen bringen die Sache voran, Männer ihre Karriere“

VonKlaus Schuster

Klaus Schuster berät, coacht und trainiert Topmanager und junge Talente aller Branchen und Bereiche. In einem Gastbeitrag schreibt er über schlechtes Management und den kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Klaus Schuster ist sich sicher: „Männer sind eher karriere-, status-, erfolgs- und machtinteressiert.“ Getty Images

Klaus Schuster ist sich sicher: „Männer sind eher karriere-, status-, erfolgs- und machtinteressiert.“

DüsseldorfWir haben die Frauenquote bitter nötig. Denn wenn man beobachtet, wie viele hoch qualifizierte Frauen nur kurze Zeit nach ihrem medienwirksam gefeierten Aufstieg ins Topmanagement hinschmeißen und mit dem Ausdruck höflich verschleierter Verachtung aus ihren Spitzenpositionen ausscheiden, kann uns nur noch die Alcatraz-Quote retten: Wenn eine Frau mal in eine Führungsposition aufgestiegen ist, darf sie diese unter Strafandrohung nicht mehr verlassen! Man könnte natürlich auch die Ursachen für das mittlerweile massiert zu beobachtende „Frauensterben im Management“ abstellen …

Der Bullshit: Da ist zum Beispiel Beate. Sie ist Abteilungsleiterin. Zurzeit gibt es Stunk im Unternehmen; ein A-Kunde droht mit Absprung. Ein Vorstandsmitglied beruft die Mächtigen des Konzerns ins Meeting. Der Vertrieb beklagt die mangelnde Attraktivität der Produktpalette. Das Produktmanagement wirft dem Verkauf Abschlussschwäche vor. Der Chefcontroller erkennt die Logistik als zu langsam. Jeder weiß, woran es liegt. Schließlich kennt man sich aus. Das leitende Vorstandsmitglied betrachtet das Meeting als vollen Erfolg und will es eben beenden, da fragt Beate: „Wer führt denn nun bis wann welche Aktion durch und wer verantwortet jeweils die Maßnahmen?“ Antwort des Vorstandsmitglieds: „Lassen Sie mal gut sein! Es wissen doch alle, was zu tun ist. Belasten Sie unsere Initiative bitte nicht mit unnötiger Bürokratie!“

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

Die Konsequenzen: Beate kriegt den Mund nicht zu. Sie ist, mal wieder, fassungslos. Und das aus gutem Grund: Sechs Wochen nach dem Meeting springt der Kunde wie angedroht tatsächlich ab. Nicht weil die vereinbarten Aktionen wirkungslos gewesen wären, sondern weil zwei von fünf Maßnahmen nie aus den Startlöchern kamen: Keiner fühlte sich so recht dafür zuständig. Es waren ja auch keine Zuständigkeiten vereinbart worden …

Die Anpassungsreaktion: Beate will etwas bewegen, will es „richtig“ machen – und kriegt prompt einen Maulkorb verpasst. Hätte Beate – wie die Männer in der Runde – brav mitgelabert im Meeting, hätte sie der Vorstand nicht abgekanzelt. Warum haben die Männer nichts gesagt? Weil sie inkompetent sind? Korrupt, dumm, faul? Im Gegenteil: andere Anpassungsreaktion. Ich möchte keinem empirischen Sozialforscher die Butter vom Brot nehmen, aber ich habe die Beobachtung gemacht: Männer resignieren (und machen Karriere), Frauen kündigen (und machen ein Start-up auf, sich selbstständig, gründen eine Familie oder gehen zu einer NGO). Der Brain Drain weiblicher High Potentials ist in einigen Unternehmen so groß, dass man es eher wagen könnte, über dessen Schwarze Kasse als über sein Gender-Versagen zu sprechen. Was ist hier los?

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

14.04.2014, 14:06 Uhr

Naja, ob die Quotenregelung das richtige Instrument zur Frauen-Karrieren-Förderung ist, lass ich mal dahin gestellt.
Die wirklich guten Frauen benötigen kein Quoten-Hilfsprogramm und die es über das Quotenprogramm schaffen, schaffen es nicht wirklich lange im Sattel zu bleiben ... Empirik!

Account gelöscht!

14.04.2014, 14:39 Uhr

das Problem an der puren Frauenquote hat der Autor ja ganz gut erkannt.
Man braucht eigentlich ne Quote für Leute, die noch nicht innerlich resigniert haben.
Und ne Quote fuer Bullshit-Produzenten.

Account gelöscht!

14.04.2014, 18:41 Uhr

• Eine Quote ist das letzte, was wir brauchen. Noch ein Bürokratiemonster. Irgendwie ist das alles sehr typisch für die SPD-Gedankenwelt (und die der Grünen): regeln, regeln, und natürlich kontrollieren und kontrollieren und sanktionieren und sanktionieren. Und wer macht?? Mal ehrlich: Wenn eine Frau gut ist, dann bleibt sie. Wenn es nur eine Proporz-Frau ist, dann zeigt sich das schnell (was häufig der Fall war). Und Frauen haben natürlich genau so ihre Karriere im Blick wie Männer. Was soll denn das ganze fromme Geschwätz von der besseren "Hälfte"? Dann schauen Sie sich nur mal die Ministerpräsidentin von Rheinland Pfalz an. Mehr Harre auf der Zunge, mehr Arroganz, mehr Ignoranz und mehr Besserwisserei ist mir noch selten bei einem Mann begegnet. Und wenn Fr. Dreyer ihr Gesicht zu einem Lächeln verzieht hat man den Eindruck, sie käme von Liften. Keine Emotion, reine Mechanik. Über die Ergebnisse ihrer Regierung reden wir besser nicht. ....

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