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18.06.2013

14:32 Uhr

Gastbeitrag

Rote Linien für den Handels-Deal

VonJoachim Pfeiffer

Europa winkt durch eine Handelspartnerschaft mit den USA ein Wachstumsimpuls von weit mehr als 100 Milliarden Euro. Dennoch sollten den Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen klare Bedingungen gestellt werden.

Joachim Pfeiffer (CDU) ist wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion. dpa

Joachim Pfeiffer (CDU) ist wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion.

In den ersten Nachkriegsjahren, als Deutschland sowohl wirtschaftlich als auch moralisch in Trümmern lag und die europäische Einigung noch eine ferne Zukunftsvision war, da waren es die USA, die unter Präsident Truman Soforthilfe leisteten. Mit dem Marshallplan initiierten sie ein beispielloses Wiederaufbauprogramm für das kriegszerstörte Europa, das der daniederliegenden europäischen Wirtschaft entscheidende Wachstumsimpulse brachte und gleichzeitig den USA wichtige Absatzmärkte sicherte. So steht der Marshallplan vorbildhaft für den Beginn der transatlantischen Partnerschaft nach dem Krieg, die bald eine neue Blüte erlebte – zum Nutzen beider Seiten.

Heute werden über den Atlantik täglich Waren und Dienstleistungen im Gesamtwert von etwa zwei Milliarden Euro ausgetauscht. Die ehemaligen europäischen Empfänger amerikanischer Hilfsleistungen sind Wirtschafts- und Handelspartner auf Augenhöhe geworden. Der Bestand an gegenseitigen Direktinvestitionen ist auf 2,8 Billionen Euro angewachsen – rund ein Fünftel aller Investitionen weltweit. USA und EU stehen gemeinsam für etwa 45 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Rund 30 Prozent des Welthandels laufen über amerikanische und europäische Häfen und Flughäfen. Ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Prosperität und den Wohlstand in beiden Wirtschaftsräumen sind die engen gegenseitigen Handelsbeziehungen.

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Fast genau 65 Jahre nach Verabschiedung des Marshallplans im US-Kongress zeichnet sich nun erneut eine historische Chance für die transatlantischen Beziehungen ab. Bis Mitte 2015 soll eine gemeinsame Freihandelszone geschaffen werden - mit rund 800 Millionen Menschen, die in ihr leben und arbeiten, die größte der Welt.

Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) würde ein neues Zeitalter der wirtschaftlichen Verflechtung über den Atlantik einläuten. Schätzungen gehen von einem jährlichen Wachstumsimpuls von 119 Milliarden Euro auf europäischer und 95 Milliarden Euro auf amerikanischer Seite sowie einem zusätzlichen Wachstumsimpuls für das europäische BIP von etwa einem halben Prozentpunkt aus.

Bis zu 400.000 neue Arbeitsplätze können in Europa geschaffen werden. Es entstände der weltweit größte öffentliche Beschaffungsmarkt: Europäische Unternehmen könnten sich künftig an den US-Ausschreibungen in Gesamtwert von 560 Milliarden Euro beteiligen. Durch die Beseitigung bestehender nichttarifärer Handelshemmnisse, wie z.B. unterschiedlicher Regulierungsvorschriften und Standards in den Bereichen Chemie, Fahrzeugbau, pharmazeutische Industrie oder bei medizinischen Geräten, könnten erhebliche Effizienzgewinne erzielt werden. Kalkulationen gehen davon aus, dass die EU jährlich etwa zwölf Milliarden Euro allein durch vereinheitlichte Sicherheitsstandards und Zertifikate einsparen würde.

Auch wenn viele Effekte eines solchen EU-USA-Abkommens derzeit nur geschätzt werden können, so steht für mich fest: Das geplante TTIP wird nicht nur den transatlantischen Beziehungen einen wichtigen Schub geben, sondern auch der Debatte zur Schaffung eines globalen Freihandelsregimes neuen Aufwind verschaffen. Es liegt daher in unserem ureigensten Interesse, ein möglichst umfassendes Abkommen mit der US-amerikanischen Seite abzuschließen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

18.06.2013, 14:54 Uhr

Danke, von "roten Linien" haben wir alle mittlerweile genug. Sie sind oft genug überschritten worden - weil es nicht aufs Volk ankommt sondern auf die Geld-Eliten, respektive die anglo-amerikanischen Geldmafia-Familien. Das ist auch der Grund, warum die Medien und die Parteien landauf landab Propaganda für dieses US-Elitenprojekt machen. Hals- und Kopf in das nächste Desaster nach Euro und EUdSSR (statt der gut funktinierenden EG).

Die Asiaten haben bei ihrer Handelskonferenz vor ein paar Monaten die USA explizit nicht eingeladen - weil offenbar keiner Interesse an deren Produkten, wie insbesondere Dollars und finanzieller und medialer Kriegsführung hat.
Obama war die erste Periode seiner Präsidenten-Darstellerschaft nicht die Spur interessiert an Euroap, das Auge war nach Asien gewendet.

Jetzt, notgedrungen, wo man dort offenbar einen Korb bekommen hat, rückt Europa als nächstes Opfer in den Fokus. Danke, wir können uns auch ganz alleine ruinieren.

Ich hoffe die Blockparteien bekommen für ihre rückgratlose Haltung bei der Wahl eine aufs Dach (sicherlich ist der Autor auch Mitglied bei der Atlantikbrücke oder will es werden). Wir sind das Volk - wir haben bald die Wahl.

Account gelöscht!

18.06.2013, 15:36 Uhr

So sieht Rückgrat in einer noch einigermaßen funktionierenden Demokratie aus:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schweizer-parlament-lehnt-steuerabkommen-mit-usa-zu-bankdaten-ab-a-906422.html

Die Schweizer lassen sich offenbar von den Amerikanern nicht erpressen sondern halten die Gesetzgebung im Land (keine Auslagerung des Schreibens von Gesetzen an US-Rechtanwalt-Kanzleien wie so manch anderes Land)

edwina

18.06.2013, 15:41 Uhr

Da einem dieses Bündnis überall mit so tollen Zahlen schmackhaft gemacht werden soll, hier eine etwas andere Darstellung: http://www.nachdenkseiten.de/?p=17671#more-17671

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